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1691 bei Stieler Gerichtbarkeit(gerichtbar 1591 bei Haltaus Gloss. germ.). ZUS. Ge- richtsamt, n., bei Luther Gerichtampt. Gerichtsdiener, m., 1519 in Tirol. Weist. 1, 132, 1. Gerichtshalter, m.: Gerichts- verwalter. 1691 bei Stieler. Gerichtshof, m.: Gerichtsversammlung, bes. ein höhres Gericht, 1738 bei Hayme jurist. Lex., eig. der Ort der Gerichtssitzung(Weist. 6, 586, 2). Gerichtsrat, m.: Ratsmitglied eines Ge- richtshofes(Goethe 10, 327), in der Bed. ge- richtliche Beratung 1566 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 7 b, Schäffenkolleg 1658 in den Weist. 1, 607. Gerichtsschreiber, m., 1457 in Nürnb. Pol.-Ordn. 178 gerichtschreiber. Ge- richtsstätte, f., im 15. Jh. gerichtstat bei Diefenbach gl. 311 b, clevisch 1477 gerichtstede. Gerichtsvollzieher, m., neugebildet in der deutschen Zivilprozeßordnung von 1877.
gerieben, Part. Pass. von reiben(s. d.) als Adj.: schlau, durchtrieben, verschmitzt, 1482 im Voc. theut. m 1³².
gerſeren, v. refl.: sich aufführen, be- nehmen, wofür ausgeben(Goethe 2, 200 u. 5, 1, 139). Aus lat. gerére cführen, verrichten, refl.«sich betragen», woher franz. gérer.
Gerill, s. Geritll.
gering, adj.: unschwer, unwichtig; niedrig an Wert. Unverkürzt geringe bei Rückert 2, 538. Mhd. geringe cleicht, nicht schwer an Gewicht, beweglich, behende, schnell⸗, md. im 14. Jh. in der heutigen Bed., ahd. nur in ungiringi«gewichtigy und im Adv. giringo cleicht⸗; dazu mnd. geringe und mndl. gheringh«schnell, hastigy. Zusammengesetzt mit dem gleichbed. mhd. Adj. ringe cleicht, behend, unbedeutends?, ahd. rinki, ringi«leicht, an Gewicht und Wert klein». Vielleicht zu gr. iuga deicht, schnelb(ausringho-). 4L. geringfügig, adj., 1616 bei Henisch, dafür im 16. Jh. geringfüg; Geringfügigkeit, f., 1691 bei Stieler. geringhaltig, adj., in der württemb. Zollordnung von 1618 Einl. geringschätzig, adj., 1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 138 geringschatzig, 1468 im Cod. dipl. Sax. II, 12, S. 251, 7 geringeschetzig. Geringschätzung, f., 1482 im Voc. theut. m 1² geringschetzung.
Gerinne, n.(-s, Pl. wie Sg.): künstlich angelegter Wasserlauf. Spätmhd. im 15. Jh. gerinne n. Substantiv zu rinnen(s. d.).
gerinnen, v.(Prät. gerann, Part. geronnen): zusammenrinnen, dicklich oder fest werden, sich zersetzen. Mhd. gerinnen(Prät. geran,
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
Part. gerunnen), ahd. ga-, girinnen; dazu and. girinnan, got. garinnan zusammenlaufen(von Menschen)⸗. Zusammenges. mit rinnen(s. d.) und ge in der alten Bedeutung«zusammen). Gerinnsel, n.(-s): Zusammengeronnenes, 1546 bei Bock Kräuterb. 286 b Gerinsel n. Laby.
Gerippe, n.(-S, Pl. wie Sg.): Knochen- gerüst des Körpers. 1669 bei Grimmelshausen Simpl. 305. Kollektiv von Rippe(s. d.).
gerippt, Part. als Adj.: mit Rippen ver- sehen, gestriemt, 1616 bei Henisch.
Germäne, m.(-n, Pl.-n): urdeutschem Stamm Angehöriger. Im 15. Jh.(1469 in Städtechron. 4, 347, 22 German m.) als ge- lehrte Ubertragung aus lat. Germänus m., dem Namen der deutschen Völker bei Kelten und Römern. Eine Deutung des Namens hat sich trotz aller Mühe nicht geben lassen und ist auch, wie bei den meisten Volks- namen, aussichtslos. Wir haben es wahr- scheinlich mit dem auch sonst vorkommen- den Namen eines kleinen Stammes zu tun, der dann auf das größere Volk übertragen worden ist. Literatur über die Deutungs- frage bei Bremer Grd. d. germ. Phil. ² 3, 738ff. Germänien, das Land der Germanen, Deutschland, im Anfang des 15. Jh.(fdPh. 5, 288) aus lat. Germänia. germänisch, adj., 1775 bei Adelung. germanisieren, v., bei Herder 1, 407. Germanist, m.(-en, Pl.-en): Kenner oder Forscher der alten deutschen Sprachen, der deutschen Alter- tümer, des deutschen Rechts(schon im 18. Jh.), der deutschen Geschichte. In der ersten Hälfte des 19. Jh., ebenso das davon abgeleitete Adj. germanistisch.
Germer, m.(-S): die weiße Nieswurz, veratrum album. Mhd. germer(Voc. opt. 43, 77), ahd. germarrun(noch schweiz. Ger- meren f., vgl. Schweiz. Id. 2, 418).
gern, unverkürzt gerne, adv.: dem Wunsche gemäß, mit Freude; leicht möglich. Mhd. gerne in beiden Bed., ahd. gerno«mit Ver- langen, mit Freude, aus freien Stücken?, dazu asächs. gerno, mndl. gherne, nndl. gaarne, geerne, afries. jerne, gerne, ags. georne, anord. gjarna, schwed. gärna, dän. gjerne. Das zu- gehörige Adj. ahd. gern, gerni cbegierig», asächs. gern, ags. georn, anord. gjarn, got. in faihugaërns chabgierigy, mhd. in Zusammen- setzung niu-, miete-, wipgerne«auf Neues, nach Lohn, nach Weibern begierig», ist im Beginn des 16. Jahrh. erloschen. Gleichen Stammes wie das mhd. und ahd. Adj. ger
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