Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
675-676
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675 gemüßigt

geneigt 676

gemüßigt, s. 2müßigen.

gemut, adj.: in der Seele gestimmt. In wohlgemaut. So mhd. gemuot, md. genlde, aber ahd. ginati«angenehm, lieb, gütigy, von Mut(s. d.) gebildet.

Gemüt, n.(es, Pl.-er): Gesamtheit der eigentümlichen Seelenstimmungen. Die un- verkürzte Form Gemüthe n. noch bei Lessing 3, 285, Goethe 50, 263 und Faust 176. Mhd. gemiele, gemuote n. in obiger Bed., aber auch Herz, Inneres, Stimmung, Verlangen, Lust, Begehren, Ansinnen», ahd. gimauati n. das Angenehme, Gnade, Vortrefflichkeity; dazu mnd. gemöde, gemote, gemôt, mndl. gemoeldle, nnld. gemoecl n.«Gemüty. Kollektivbildung zu Mux(s. d.). Der Plur. im 16. Jh. Gemite, RVemüt(noch bei Goethe 6, 191 Gemüthe), aber bereits bei Fischart Nachtr. 1382 und Garg. 453 Gemüter. 4 BL. gemütlich, adj.: das Gemüt betreffend(1572 bei Wirsung Arzneib. 513), mhd. gemauotllich der ange- nehmen Seelenstimmung entsprechend, ge- nehmꝰ, md. im Adv. gemätläche«gern, frei- willig»(zu ahd. gimuati n.«das Angenehme, ILiiebeꝰ, gimuati Adj. cangenehm, lieb»), noch im 16. Jh. gemiitlich«lieb, willkommen), dann 1723 bei den Herrnhutern in der Bed. ge- mütvoll, in dieser tiefern Bed. von Goethe in die Schriftsprache eingeführt, im 19. Jh. jronisch verflacht. Gemütlichkeit, f., 1775 bei Adelung. ZUS. Gemütsart, f., bei Gellert 3, 39. Gemütsbewegung, f., 1654 bei Olearius pers. Rosenthal 7, 20. gemüts-

krank, adj., 1691 bei Stieler. Gemüts- krankheit, f., 1727 bei Aler. Gemüts-

ruhe, f., 1691 bei Stieler, Gemüthesruhe bei Lohenstein Hyac. 83, Gemütsrurwigkeit 1596 bei Hulsius. Gemütsstimmung, f. Ende des 18. Jh. aufgekommen.

gen, präp.: gegen. Ublich nur noch von

Weltgegend, und in gen Himmel. Mhd. gén, gein, zusammengezogen aus gegin(s. gegen), im 16. Jh. auch geku, ghen geschrieben, jetzt kurz gesprochen.

genänt(spr. Zenänt), s. genieren.

genäschig, adj.: naschhaft, in den Fast- nachtsp. des 15. Jh. 857, 22 geneschig, nebst mhd. genesche, genasche n.«Nascherei» abge- leitet von naschen(s. d.).

genau, adj.: sich fest anschließend; selbst im Kleinsten übereinstimmend; sehr sparsam. Md. und selten mhd. genouzwwe, genäwe«sorg- fältig», im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 412°

genauie, gnauoe, gnau æsparsam?, als Adv. mhd. genoulbe, 1482 genaue ckaumy. Wie das einfache mhd. Adj. 2ou, nouoe, nbe «eng, sorgfältigy, Adv. nouν⁵νe, nautse«knapp, kaumy, ebenso mnd. nοααμινςε, nar Adj. und Adv., mndl. nauεν, undl. nauνν αng, pünkt- lich». Die Etymologie ist schwierig. Früher stellte man das Wort zu nahe(so Hilde- brandt im DWB.) mit Ausfall eines Guttu- rals. Doch weisen die bedeutungsverwandten ags. Anëõazο, an. nöggr«karg, geizig»y auf ein h im Anlaut. Dazu weiter an. hnoggoe «schlagen, stoßen», die nebst ahd. hniuwan wohl mit gr. kvôõeiv«kratzen» verwandt sind. Anderseits haben ahd. garltan«stoßeny, anord. gnia, schwed. gno, dän. gmu ækratzeny, got. hmauudn(aus hi-nauαν*)«zerreiben», zu denen genau auch gehören könnte, kein h im An- laut gehabt. Davon Genauigkeit, f., 1664 bei Duez.

Gendärm(spr. 2adärm), m.(-en und-s, Pl.-en): bewaffneter Schutzmann zur öffent- lichen Sicherheit. Bei Roth 1791 noch Geus d'armes, Campe 1813 Gendarme, aus franz. gendarme m., urspr. gens d'armes«Leute der Waffen, Waffenmänner», in Frankreich seit Karl VII.(15. Jh.). Name der schwergepan- zerten Reiter in den Ordonnanzkompagnien, dann seit 1660 einer Eskadron der königl. Haustruppen und seit 1791 des Straßenpolizei- korps beim französ. Heere. Gendarmerjie, f. 1703 im Zeitungslex., aus franz. gendarmerie f.

Gene, f.(spr. 2ꝰ5 ν6), s. genleren.

Genealogie, f.(Pl.-/): Geschlechtskunde, folge, register. Md. im 14. Jh. genealogye f. (Hans Marienlieder 789), 1538 bei S. Franck Chron. d. Teutschen 75 νb Genealogy, aus gr.- lat. geneulogia, gr. reveckovia f.«Geschlechts- herleitungy, zusammenges. aus gr. Yeved f.

«Geburt, Geschlecht⸗, und Nofia von dem der Richtung nach einem Orte oder einer

von Aéreiv abgeleiteten Nofoc«kundig. genealögisch, adj., nach gr. Teveokoiòc.

genehm, adj.: gern genommen, annehm- bar; wohlgefällig, angenehm. Mhd. genœme, md. genéme, 1429 gensm, ahd. nur nämi, ont- sprechend got. nεms in andanéms angenehm?; dazu mnd. genéme, mndl. ghename. Zu nehmen (s. d.), wie gäbe(s. d.) zu geben. Davon genehmigen, v., 1775 bei Adelung, dafür im 17. Jh. genehm halten. Genehmigung, f., 1747 bei Reichard Historie d. deutschen Sprachkunst 441, wofür im 17. Jh. Genehm- haltung und Genehmhabung.

geneigt, Part. Pass. von neigen(s. d.)