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schied gemeinsam»). In der 1. Bed. mhd. gemein, ahd. gimeini, Adv. gimeino; dazu asächs. giméne, afries. geméne und méne, ags. gamcne(engl. mean«niedrig, verächtlich»), got. gamains«gemeinsam, aber auch cpro- fany im Gegensatz zu cheilig», aus ga- und main. Übereinstimmend mit lat. commanis (altlat. comoinis)«gemeinschaftlich, allgemein, gewöhnlich, leutselig, niedrig», osk. mäülnikad «communiy». Das Grundwort moin gehört einer weitverbreiteten Wurzel an, vgl. Me- ringer Idg. Forsch. 18, 270, commändis am besten mit ihm zu moenia Pl.«Mauernꝰ, d. h.«wer mit mir die Mauern teilt», vgl. Geselle. 43L. Gemeine, Gemeinde, f., mhd. gemeine, ahd. gimein?, got. gamainei f.«Anteil, Ge- meinschaft, Mitgenossenschafte, im Mhd. auch «zusammengehörige Ortsgenossenschaft und deren gemeinschaftlicher Grundbesitz»; da- neben mhd. gemeinde, ahd. gimeinida f., andd. gimẽntho m.«Gemeinschaft»(lat. communio f.), im Mhd. die Ortsgenossenschaft in bürger- lichem oder kirchlichem Sinne und deren Grundeigentum, vgl. got. gamainps f.«Ge- meinde, Versammlung. Gemeinheit, f., mhd. gemeinheit f.«Gemeinde, Gemeinde- besitzy, im 15. Jh.«Gemeinsamkeity, in der Bed. sittliche Niedrigkeit» erst am Anfang des 19. Jh. gemeiniglich, adv., mhd. ge- meinecliche neben gemeinliche, ahd. gimeinliho (zum Adj. mhd. gemeinlich, ahd. gemeinlih). gemeinsam, adj., mhd. gemeinsam, ahd. ga- meinsam. Gemeinsamkeit, f., 1482 im Voc. theut. 13 b, mnd. ménsamheit f. Gemein- schaft, f., mhd. gemeinschaft f.(auch«Ge- meinde, fleischliches Beiwohnen»), ahd. gimein- scaf f. gemeinschaftlich, adj., 1691 bei Stieler. ZUS. Gemeingeist, m., zuerst bei Herder, dann bei Schiller als UÜbersetzung des engl. public spirit, franz. esprit public. Gemeingut, n.: gemeinsamer Besitz, bei Bürger II. 1, 124, geistig bei Schiller 10, 383, 22. gemeinhin, adv.: gewöhnlich, bei Adelung 1796, gemeine hin 1734 bei Weber, dafür im 16. Jh. in der gemeine hin(Luther 4, 262 Jen.). gemeinnützig, adj., bei S. Franck Chron. 1482 gemein matzig, Paradoxa Nr. 180 gemeinnützig. Gemeinplatz, m., 1770 von Wieland 14, 293 als UÜbersetzung von lat. locus communis gebildet, wofür sonst Gemein- ort(Lessing 10, 190 von 1778). Gemeinsinn, m.: der gemeine Menschenverstand(lat. sen- sus commaunis, 1691 bei Stieler); Gemeingeist (bei Herder und bei Voß 2, 233). Anders
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
mhd. im 14. Jh. der gemeine sin(Mystiker 2, 538, 10 f.), entsprechend in der mittelalter- lichen Philosophie sensus commaunis, bei Ari- stoteles xotvi icéncic«der sechste allgemeine Sinn, in dem sich die Wahrnehmungen der fünf Sinne zur Einheit sammeln». Gemein- wesen, n., 1663 bei Schottel 442 b für lat. respublica. Gemeinwohl, n., im 18. Jh. bei Voß nach engl. common weal.
gemessen, Part. Pass. von messen(s. d.) als Adj.: genau abgemessen(Lessing 7, 67), kurz und knapp(Goethe 8, 124 gemessene Ordre).
Gemisch, n.(es, Pl.-e): Mischung, 1616 bei Henisch, aber schon ahd. gimisgi n. neben gimiskida f., mhd. im 14. Jh. gemischt n.
Gemme, f.(Pl.-n): Edelstein; geschnittner Stein, Ringstein. Mhd. gimme, ahd. gimma f., gegen 1200 ndrhein. gemme f., aus gleichbed. lat. gemma f.
Gemse, f.(Pl.-n): wilde Bergziege. 1537 bei Dasypodius Gems f. und bei Luther der Pl. Gemsen, mhd. gemeze, ahd. gamiza f. und das Dim. gamicin n., alemannisch Gamsch (bereits im 14. Jh.), Gemsch f., daneben mhd.- ahd. gamz m., im Teuerdank gembs m. mit schwacher Flexion, noch oberdeutsch Gems m., bayr.-tirol. auch Neutr., wie schweiz. Gemschi n. Ein Alpenwort, entlehnt aus gleichbed. ital. und welschtirol. camozza, chur- welsch comuotsch, chamotsch, ladin. gamoud, neuprov. camous, franz. chamois, span. gamuaa, camuaa, port. camuça, camurça f. und lat. im 5. Jh. n. Chr. amox(vgl. Much ZfdA. 42, 168, Lidén KZ. 40, 260). ZUS. Gems- bart, m.: Schmuck am Hute aus Gems- haaren. Erst im 19. Jh. in die Schriftsprache aufgenommen. Gemsbock, m., 1537 bei Dasypodius. Gems-, Gemsenkugel, f.: Ballen im Magen der Gemse, 1697 bei Ettner unw. Doctor 801 Gemsulgel.
Gemüll, n.(-s): durch Zermalmen Ent- standenes, aufgehäufter Staub, Kehricht. Mhd. gemülle, gemül, ahd. gamulli n., von mhd. mulllen, ahd. muljan, mullan zerreiben, zer- malmen»; dazu md. gemolle, mnd. gemulle, gemul n. S. Müll.
Gemüse, n.(-S, Pl. wie Sg.): aus Garten- oder Feldgewächsen gekochte Speise, eig. breiartige; dann jene Garten-, Feldgewächse selbst. In der 1. Bed. bei Luther 2 Kön. 4, 38, in der 2. Bed. bei Spee Trutznachtigall 30 B. Spätmhd. gemäese, mnd. gemôöse n. «Speise, Brei?, Kollektiv von Mus(s. d.).
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