Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
671-672
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67 1 Gemach

gemein 672

um 1400 gelzen(Rothe Dür. Chr. 565). Gelzer, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Schweineschneider. In der Schweiz und im Elsaß. ZUS. Gelzen- leichter, m.(-s, Pl. wie Sg.): Schweine- schneider. Noch in der Wetterau und am Vogelsberg. Md. um 1400 gelczenlichter m., zu mhd. lhten glätten, kastrieren»(noch bayr. leichten), von mhd. Mhte«glatty, Uchen, ahd. Uchön æglatt machen, polierenꝰ. Gemach, n.(-es, älternhd. auch Pl. Gre- mach): Ruhe, Wohlbehagen, Bequemlichkeit; (Pl. Gemächer, seltner Gemache) Bequem- lichkeitszimmer. In der 1. Bed. mhd. gemach m. n., ahd. gimh n., mnd. gemack, gemalce n., mndl. Semack, in der 2. Bed. mhd. gemach n. «Ort der Ruhe und des Sichpflegens, Zimmer, Wohnung», dann auch Abtritt(1316 ein haimlächer gemach), ebenso mnd. Von ge- mach, adj., wohl sich fügend, bequem, mit Bequemlichkeit langsam, mhd. gemach, ahd. gamah, gimah, Adv. gimahho, ags. gemcœc(eig.

«womit verbunden, wozu sich fügend, wozu

gehörigy, wie anord. maler«passend), zu- sammengehörig mit machen(s. d.). Davon gemächlich, adj.: zu Bequemlichkeit ge- neigt, nach Bequemlichkeit langsam, mhd. gemeéechlich, ahd. gimahläh, mndl. ghemackelick; dazu das Adv. ahd. gamahlihho, mhd. gemech- liche, im 15. Jh. auch gemélich, bei Rachel

Sat. 4, 111 Var. gemählich(vgl. allmählich). Gemächlichkeit, f., bei Fischart gl. Schiff

623 Gmachlichlait.

Gemächt, Gemächte, n.(-es, Pl.-):

Zeugungsglied. Im mrhein. Voc. ex quo 1469 gemechte n., spätmhd. gemecht n., weiterge- bildet aus dem gleichbed. mhd. gemaht f. und Pl. gemehte, ahd. gimaht f. und n. Dazu and. gimaht«penis» mndl. ghemahte. Zusammen- gesetzt mit ahd. maht f.(S. Macht), also zu- nächst«das Zeugungsvermögen des Mannes.

²Gemächte, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Gemachte, bes. Kunst- oder Handwerksarbeit; letztwillige Bestimmung, Testament(diese Bed. im 18. Jh. veraltet). Mhd. gemechte, gemecht n., von machen(s. d.).

Gemahde, m. f. n.(-n/, Pl.-n): Reihe niedergemühten Grases. Im westl. Mittel- deutschland(1208 bei Kehrein Nassau Nachtr. 17 gemãd f.«xwas ein Mann an einem Tage mähen kann»). Zsgs. mit mhd. mäde f.«Mahdy.

Gemahl, m.(-s, Pl.-e): der ehelich Ver- bundene. Alternhd. im 16. Jh. Gemlahel, mhd. genzahele und gemahel, ahd. gimahdalo m.«Verlobter, Bräutigam, ehelich Verbun-

denery, zu ahd. gimahalan und mahalen zu- sammensprechen, verloben», abgeleitet von ahd. mahal n.«Vertrag, Ehevertrag, eig. Ver- sammlung, Gerichtsversammlung, Gerichis- verhandlung, Gerichtsstättey(s. Mahl 1). Gemahl, n.(s, Pl.-e): ehelich verbun- dene Person, vorzugsweise die weibliche, spätmhd. im 15. Jh. genachel n.(Städtechron.

4, 123, 1), gemechel n. Fontes rer. austr. 2,

18, 493 von 1405), dann bei Luther Gemahl n. Gemahlin, f.(Pl.-en): Gattin, 1468 ge- mahelin(Germania 28, 367), dafür mhd. ge- mahele, gemahel f., ahd. gimahala, gimüla f. Verlobte, Braut, ehelich Verbundene?(eig. cdie Zusammengesprochene»); vgl. auch and. gimehlida f.«Gattin?.

gemahnen, v.: nachdrücklich oder stark erinnern. Mhd. und mnd. gemanen, ahd. und asächs. gemanön, ags. gemanian, zusammenges. mit mahnen(s. d.).

Gemälde, n.(s, Pl. wie Sg.): gemaltes Bild. Mhd. gemclde, md. gemélde, ahd. gimã- lidi n. neben gimali n., mhd. gemcle, älternhd. Gemal, im 17. Jh. Gemäãhl n. Von malen(s. d.).

Gemarkung, f.(Pl.-en): Gemeindegrenze und-gebiet, im 18. Jh.(Maler Müller 1, 304 von 1775). Nebenform zu Markung(s. d. unter Mark 1).

Gemäß, n.(¹es, Pl.-e): tiefes Maß; Mabart. 1543 bei Michelsen thüring. Rechtsdenkm. 50 Gemeß n., Kollektiv von Maß(s. d.).

gemäß, adj.: nach Verhältnis(urspr. nach dem Muß) übereinstimmend. Mhd. gemceze «Maß haltend, mäßig», dann mit Dat.«ange- messeny, md. geméze, ahd. gemdze ange- messen»y von messen(s. d.), wie genelim (s. d.) von nehmen; dazu mndl. gemaet, ags. gemcꝰte und mcꝰοte neben gemet, dem ahd. ginez, mez(in ungimez und unmez, asächs. ungimet) entspricht. 4 L. Gemäßheit, f., im 16. Jh. pei Kirchhoff Wendunm. 1, 539 Gemeßheit (zu gemäß entsprechend), aber mhd. gemcez- heit f.«Mäßigungy.

Gemäuer, n.(-s): Mauerwerk, bes. altes (bei H. Sachs Gemenwer). Mhd. gemiure n., Kollektiv von Mazer(s. d.).

gemein, adj.: mehr als einem, dann der Menge zusammen eigen oder zukommend; allzu vertraulich(bei Luther 1, 3632 J.); zur großen oder niedern Menge gehörig(mhd.), sowie derselben gemäß(in geringschätzigem Sinne 1616 bei Henisch, verächtlich in mora- lischer Beziehung 1775 bei Adelung, jedoch schon mhd. gemeine awip«allen ohne Unter-