Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
657-658
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657 Geier

Geisel 658

gehilfe f. Die Schreibung Gehilfe ist nicht mehr zulässig.

Geier, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Raub- vogel, lat. vultur; in Verwünschung und Aus- ruf verhüllend für Teufel(1660 bei A. Gry- phius Dornrose 51, 5). In der 1. Bed. bei Luther Geyer und Geir, md. 1470 geier, mhd. und ahd. gir m., mnd. gire m. Zusammen- hängend mit ahd. geri gierig»(in hoveglri m.«ᷣHofschmarotzer») und girheit f.«Gierig- keity, mhd. gèor(in schatzgir), gier, frühmd. gire«gierig, begierigy, im 15. Jh. md. und nd. geyrich gierig»(Diefenbach gl. 4115), 1540 bei Alberus dict. Vu geyerheit«Gierig- keity und 1550 in den Fab. 29, 20 das Adv. geierlich«gierigy, daher noch ostmd. geier «nach Wohlgeschmack wählerisch-begierig in Speisen»(schon 1540 bei Alberus dict. Vu und in den Fab. 4, 5 geier speisegierig, gierig») und Geiermaul n.(1612 bei Taubmann Plautus 1110 b Geyermaul«Feinschmecker»). Die romanischen Wörter ital. girfalco, franz. gerfaut, span. gerifalte sind nicht die Quelle des deutschen Wortes, sondern aus dem Germ. entlehnt.

Geifer, m.(-s): ausfließender Speichel. Mhd. im 14. Jh. geifer m., mit den Neben- formen gefer, gever im 15. Jh., Gäfer 1691 bei Stieler, wetterauisch Gäwer m. Ver- mutlich zusammenhängend mit isländ. geipr coffenen Mundes, gähnend», älternhd. im 16. Jh. geifen«gaffen, verlangend blicken» (Pauli Schimpf 123 Ost.) und geifferig«gierig» (Franck Paradoxa 199 a), bayr. gaifen«klaffen, auseinanderstehen», tirol. Geffe f. Maul), oberhess. geipen«Maulaffen feilhalten, gähner, nd. gipern«verlangen) und weiter zu der unter gähnen behandelten Wurzel. Davon geifern, v.: Speichel fließen lassen, mhd. geifern; geiferig, adj., 1561 bei Maaler, aber bei Stieler 1691 geifericht, gäfericht; Gei- ferer, m., bei Luther, im 15. Jh. gifferer m.; Geiferlätzchen, n.: Lätzchen für geifernde Kinder, 1775 bei Adelung, Geifertüchlein 1741 bei Frisch, Geiffertuch 1664 bei Duez(s. Schlabbertuch); Geiferwurz, f.: Bertram (§. d.), 1561 bei Cordus.

Geige, f.(Pl.-n): Violine. Mhd. im 12. Jh. gige f., mndl. ghighe, anord. gigja f. Wahr- scheinlich ein einheimisches Wort, benannt nach der gaukelnden Bewegung des Streich- bogens, zu mhd. gugen gagen«von der Wieges, anord. geiga«schräg gehen(von Geschossen)y. Die Neuerung an der Geige war das Griff-

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

brett, das der ältern Fiedel(s. d.) fehlte. Die Etymologie ist unbekannt. Vgl. Meringer Idg. Forsch. 16, 128. Aus dem Germanischen entlehnt afranz. gigue, ital. und provenz. giga f. Geigey». 432L. geigen, v.: auf der Geige spielen, mhd. gigen, auch bildlich einem die wörheit gigen«einem derb sagen» von dem Hin- und Herfahren des Bogens; dazu anord. gigja. Geiger, m.: Geigenspieler, mhd. gigœre, giger m.

geil, adj.: zu üppig(von Pflanzen); all- zuviel von Geschlechtslust in seiner Natur getrieben. Mhd. und ahd. geil«von wilder Kraft, sich allzuviel fühlend, übermütig, mut- willig, üppig, überaus freudigy, die Bed.«un- keuschy vereinzelt schon im 13. und 14. Jh. (Renner 3108, Keller Schwänke 7), ahd. im Substantiv keil? f.«petulantia carnis»;«üppig wucherndy vom Weinstock 1527 bei Luther, «fruchtbary vom Acker und von Tieren 1482 im Voc. theut. K 6 b. Dazu asächs. gél«über- mütig, üppig, leichtfertigy, ndl. geil«brünstig, ags. gäl cüberaus freudig, voll Geschlechts- lusty, got. in gailjan cerfreuen». Urverwandt mit lit. gailus«jähzornig, scharf, Schmerz empfindend, mitleidig, abg. 26lâ«heftigy, vielleicht auch aind. héld Leichtsinn, Sorg- losigkeit⸗, vgl. v. Bradke KZ. 28, 298. S. aber auch E. Schröder ZfdA. 42, 644. 4BL. Geile, f.: Geilheit, im Pl. Geilen schon mhd. die Hoden⸗. Mhd. geile, ahd. geil? f.«Obermut, Lustigkeito, daneben spätmhd. geil m.«Uber- mut» und mhd. geil n.«Fröhlichkeit, lustiges Wachstum, Wucher, Hode»(s. Bibergeil), mhd. geilheit f.«fröhliche Tapferkeit, Aus- gelassenheit». geilen, v.: ausgelassen, über- mütig sein(Schiller 1, 221, Fiesco 1, 9), mhd. geilen, ahd. geilén; trans. mhd. geilen«fett, üppig machen», noch bayr. östr. düngen». Dagegen gehört Geiler, m.: Bettler, Land- streicher, bayr. von frechen Bettlern Geiler, Bettelgeiler, mhd. gilcœære, giäler m., zu mhd. gilen«betteln», bei Luther und noch im 18. Jh. bei Hamann und Blumauer geilen.

Geisel, m.(-s, Pl. Geisel und Geiseln): Leibbürge. Häufig im Nhd. auch Fem., vereinzelt bei Luther, Rädlein, Steinbach, Heine Romanz. 93. Mhd. gisel m. u. n., ahd. gisal m., ags. gisel, anord. gisl m.«wer sich im Kriege gegen seinen Feind gefangen und in die volle Gewalt seines Besiegers hingibt, dann überhaupt, wer mit seinem Leibe wo- für bürgty. Urverwandt mit altir. giall m. Geisel». Dazu Geiselschaft, f.: Bürgschaft

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