649 Geflügel
Geflügel, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gesamt- heit von Flügeltieren; Vogel(Opitz 1, 61, selten); Gefieder(Maler Müller 1, 37). In der 1. Bed. spätmhd. geflugel n., von Fligel als dessen Kollektiv.
geflügelt, Part.: mit Flügeln versehen, 1537 bei Dasypodius gefläglet.
Geflüster, n.(-s): anhaltendes Flüstern (Maler Müller 1, 31). 1777 bei Adelung Ge- flister n. Von flüstern(s. d.).
Gefolge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Gesamtheit der begleitenden Personen, Hofstaat(1616 bei Henisch Gefolg); dann bildlich Begleitung (bei Gellert). Ahd. im 9. Jh. gafolgi n.«das Folgen»; dazu ndl. 1598 ghevolgh Gefolges, anord. ſlgi n. eUnterstützung, Beistand», fylgd f.«Begleitung, Gefolge». 4L. Ge- folgschaft, f., im 19. Jh.
Gefräß, n.(tes, Pl.-e): Speise als derber Ausdruck; Schlemmerei; Maul(1582 bei Fi- schart Garg. 337, noch in der Volkssprache). Mhd. geurcœze n. ͥdas Fressen, Schlemmen, Lüsternheity. Kollektivum zu Fraß(s. d.). gefräßig, adj.: viel fressend, 1616 bei Henisch, mhd. vrczic.
Gefreiter, der Gefreite(-n, Pl. n): vom Schildwachestehen befreiter Soldat. 1617 bei Wallhausen Corp. mil. 109 Gefreyter. Part. Prät. von freien, mhd. urien«wovon frei- machen, befreien(1596 bei Fronsperger Kriegsb. 1, 18² so sol ein jeder under das- selbig Fendlin gehõrig auff die Wacht ziehen und deß miemandt gefreget seyn).
gefreund, adj.: als Freund d. h. durch Verwandtschaft verbunden. Nur noch alter- tümlich. Mhd. gevriunt, substantivisch Pl. gevriunde, md. gefrunt, ein zu mhd. vriunt m. Freund, Verwandter' gebildetes Adj., auch bei Luther als Substantiv der und die Gefreundte, bestimmter die Gefreundin(Werke 8, 127 Jen. von 1543); davon verschieden das gleichbed. Part. gefründet im 14. Jh.(Städtechron. 8, 379, 8), bei Luther 8, 41 b gefreundet, zu mhd. vriunden, gevriunden«zum Freunde d. h. durch Verheiratung zum Verwandten machen.
gefrieren, v.: zusammen:, fest-, anhaltend frieren. Mhd. gevriesen, ahd. ga-, gifriosan. Von frieren(s. d.) und ge, das hier noch die alte Bedeutung czusammen» hat. Dazu das Part. gefroren: durch vermeintliche Zauberei unverwundbar, fest(Schiller Wallen- steins Tod 5, 2), 1626 im Fadingerlied und 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 174° ent- sprechend ahd. gafroran c«in Eis verwandelt».
Gefüge, n.(-s, Pl. wie Sg.): Verbindung oder Zusammensetzung eines Körpers, 1734 bei Steinbach. Im 17. Jh. in der Bed.«Schick- salꝰ. Zu fügen(s. d.).
gefüge, gefügig, adj.: sich leicht an- passend, wozu schickend. Mhd. geviege, md. geväge, auch«fügsam, schicklich, höflichy, ahd. gafögi«zusammenhangend, passend, ge- eignet»; davon abgeleitet spätmhd. im 15. Jh. gefügig«die Schicklichkeit beobachtend, 1734 bei Steinbach in der Bed.«sich einfügendꝰ. Gefügigkeit, f.: Biegsamkeit, 1808 bei Campe, spätmhd. gevuegecheit«Wohlanständig- keit neben gleichbed. mhd. geveocheit f.
Gefühl, n.(-S, Pl.-e): Sinn des prüfen- den Berührens; Seelenbewegung und stim- mung. 1678 bei Krämer Gefühl n. in beiden Bed., 1691 bei Stieler Gefiile n., aber schon md. im 14. Jh. gevaälen«fühlen», gevillich cfühlendy, gefulichkeit f. Gefühl»(Myst. 1, 26, 27), gevülunge f. das Fühleny». Z0S. gefühllos, adj., bei Gottsched. gefühl- voll, adj., 1769 bei Herder.
gegen, präp. mit Akk.: in der Richtung auf.. hin oder her;(nhd.) annähernd, bei- nahe. Mhd. gegen, zusammengezogen gein, gén(s. gen), früh am Niederrhein gagen, ahd. gagan, gegin, md. auch jegen, kegen, kein, kén; dazu mnd. jegen, mndl. jeghen. Ur- sprünglich mit dem Dativ verbunden, der noch im 17. Jh. und selbst 1767 bei Lessing 7, 135 vorkommt, daneben im Mhd. und Mnd. bereits mit Akk., ebenso ags. ongéan mit Dat. oder Akk., géan mit Dat. Dazu das mhd. Adverb gegen, gegene, gagen, gagene, ahd. gagani, gagene«entgegen⸗, ags. géan, ongéah, engl. again«wieder»; nur adverbial in Zu- sammensetzungen steht asächs. gegin, anord. gagn. Vgl. entgegen. Die Herkunft ist dunkel. Seit alter Zeit versucht man es mit gehen zu verbinden, vgl. G. E. Karsten Btr. 16, 564, doch ist das sehr unsicher. 4L. Gegend, f.(Pl.-en): sich ausdehnende Richtung, aus- gebreitete Landfläche, Landschaft. Mhd. ge- gende, gegent, spätahd. gegende f., aber md. gegenõte, geinõòte, génõte und geinde f., mnd. jegenõde und jegenet f., mndl. jeghenode. Da- neben mhd. gegene, früh gegine, mnd. jegene, gegene f. Gegend, Landschaft», älternhd. Gegenheit f. Gegend»(z. B. bei Luther 3, 96 ²). Von gegen, wie ital. contrada f. und franz. contrée f.«Gegend» von dem lat. Adv. contra«gegen», also urspr.«das entgegen- liegende Gelände und Nachbildung des Ro-


