Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
647-648
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647 gefällig

geflissen 648

dann in der heutigen Bed.(mhd. immer mit dem Zusatz wol, baz, beste, übele), die von der Beute- oder Erbteilung durchs Los aus- gegangen ist, urspr. mir gevellet eg wol oder übele«mir fällt ein gutes oder schlechtes Los zu, ein willkommenes oder unwillkommenes». ZUS. Gefallsucht, f., von Campe als Ver- deutschung von Koketterie gebildet(s. Hey- natz Antibarb. 2, 16), ebenso das Adj. ge- fallsüchtig für kokett.

gefällig, adj.: wohlgefallend, gelegen; Gefallen erweckend, freundlich, anmutig. Mhd. gevellec, gevellic, ahd. gefellig«zufallend, an- gemessen, passend, schicklich, günstig, an- genehm; dazu mnd. gevellich«gefallend, paß- lich⸗, ndl. gevallig. Adjektivbildung zu ge- fallen und Gefallen. 4L. Gefälligkeit, f.: gefälliges Tun(1691 bei Stieler); gefälliges Wesen, Anmut(Günther 177); Wohlgefallen (Goethe 24, 67). Mhd. gevellekeit f.«göttliches Wohlgefallen, Huld», 1482 im Voc. theut. k5 b gefelligkeit, bequemkeit«Paßlichkeity.

Gefangenschaft, f.: das Gefangensein, mhd. 1383 gevangenschaft f.(Mone Ztschr. 6, 111). gefänglich, adv.(und dann adj.) zum Part. gefangen, mhd. im Adv. gevangen- liche, gefenglichen«nach Art eines Gefangenemw, als Adj. 1519 bei Murner Gäuchmatt v. 943. Gefängnis, n.(-nisses, Pl.-nisse): Ent- ziehung der Freiheit; Ort der Gefangenen (1476 bei Kriegk Bürgertum 2, 353 gefengnis). Mhd. gevancnisse, gebencnisse, gebancnusse f. n.«Gefangenschaft, Gefangennahme», neben gleichbed. vancnisse, venchisse f., dazu mnd. gevenlenisse n., mndl. gevancnesse, undl. ge- vongenis f. Von fangen(s. d.).

Gefäß, n.(-es, Pl.-e): Geschirr, Behälter; Wasserfahrzeug(auf der Weichsel, wie 1464 foss n. Lastschiff auf dem Rhein», bei Mone Ztschr. 9, 29); am Degen die Stelle, wo man ihn faßt(1616 bei Henisch); Riemen, womit man den Falken faßt und hält, das Geschühe, die Fessel(1580 bei Sebiz Feldbau 570, mhd. gevazzede n.). Ursprünglich Substantivbildung zu fassen in verschiedenen Bed., wie ahd. givãzi n.«Proviantladungy, noch bayr. Ge- fäß n. die Ladung eines Isarfloßes»(schon

im 17. Jh.), neben ahd. givagzidi n. Lasty,

und md. geuéze n.«Schmuck, Ausrüstung» (h. Elisabet 904) zu mhd. vagzen, ahd. fazzön caufladen, beladen, ausrüsten, schmücken. Die wie ein Kollektiv zu Faß(s. d.) er- scheinende Bed.«Geschirr» ist mitteldeutsch, im 13. Jh. gevéze n.«Speise- und Trinkge-

(holtes Flattern.

schirr als Gesamtheit», ebenso im 14. Jh. gefése n.«Böttchergefüß»(Michelsen Rechts- denkm. 270), vom einzelnen Geschirr gevéeze n. 1343 bei Beheim Evangb. Marc. 7, 4; dazu mnd. gevete n. Die unverkürzte Form Gefäße n. noch bei Brockes 3, 195 und Goethe 2, 106.

gefaßt, adj.: bereit(1642 bei Duez, im 16. Jh. gerüstet); innerlich vorbereitet(P. Fleming 341 gefast). Eig. Part. Pass. zu fassen und sich fassen.

Gefecht, n.(es, Pl.-e): Kampf mit Waflen. Mhd. gevehte, im 15. Jh. auch ge-

vicht, ahd. ga-, gifeht, einmal gifiht, ags. gefeoht n.

Unverkürzt Gefechte n. noch bei Lessing 5, 32. Zu fechten(s. d.).

Gefieder, n.(s, Pl. wie Sg.): Gesamt- heit von Federn am Vogel, am Pfeil usw.; Gesamtheit von Vögeln(Schiller Tell 3, 3); Vogel(Lessing 1, 112). In der 1. Bed. mhd. gevidere, gevider, selten geveder n.&Gesamt- heit der Federn am Vogel, am Pfeil, auf einem Helm, im Federbett»; in der 2. Bed. Federvieh? 1482 gefieder(Voc. theut. k 4⁵). Kollektiv zu Feder(s. d.), wozu das Adj. md. geveder, ahd. gafedar«befiederty.

gefiedert, adj.: mit Federn zum Fluge versehen. Bei Luther gefiddert, mhd. ge- vidert, ahid. gefideret, Part. Prät. von fiedern.

Gefilde, n.(*s, Pl. wie Sg.): Gesamtheit oder Gebreite des Feldes. Mhd. gevilde, ahd. gifildi n.«freies Feld, Flachland. Kollektiv von Feld(s. d.). Der Plur. Gefilder bei P. Fleming 17 usw. und Wieland 31, 53 schon ahd. bei Notker Kefilder.

Geflatter, n.(-S): unmittelbar wieder- 1741 bei Frisch. Im Ab- lautsverhältnis Geflitter und Geflatter bei Goethe 2, 89, md. im 14. Jh. geblitter n. cheimliches Lachen, Gekicher?.

Geflecht, n.(es, Pl.-): Flechtwerk. 1482 im Voc. theut. K 5 b geflecht. Unverkürzt bei Goethe Faust 8367 Geflechten. Zu flechten(s. d.).

geflissen, Part.: unausgesetzt woraufhin tätig, entschlossen; absichtlich. Mhd. ge- vlizzen, ahd. giflizan, giflizzan, Part. Prät. von ahd. lizan, giflizan, mhd. vllzen, gevlizen «Fleiß anwenden, sich befleißen»(s. Fleiß und befleißen). Davon Geflissenheit, f., im 15. Jh. bei Wyle 311, 17 geflissenhait und 294, 16 gefliessenhait f. geflissentlich, adj. eifrig, bestrebt, absichtlich, urspr. Adv. zu geflissen, 1741 bei Frisch, ohne eingeschobenes t im 16. Jh. geflissenlichen(Limm. Chron. ² 3, 391, 11).