Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
631-632
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631 Gaul

Gaze 632

gokelle f. Gaukler, m.(-S, Pl. wie Sing.): Taschenspieler, Jahrmarktskünstler; mhd. goukelœre, gougelœre, ahd. coucaläri, gougulãri, mit Umlaut bei Luther geuckler, geugler; dazu mnd. gokeler, mndl. gokelere, entlehnt anord. Kallari m.; im 15. Jh. rhein. jawukxeler, jeukeler(Diefenb. Gl. 307) und nd. joxeler mit dem sachlich übereinstimmenden mlat. Jjoculãrius, joculãris, joculãtor in Berührung gebracht. Davon Gauklerin, f., 1541 bei Frisius 525 2 gaucklerin, im 15. Jh. geufrlerin (Diefenb. Gl. 307), und gauklerisch, adj., 1541 bei Frisius 1622 gaugglerisch, gaucklerisch 5512. ZUS. Gaukelbild, n.: trügerisches Bild, mhd. goukelbilde n. gaukelhaft, adj., 1775 bei Adelung. Gaukelspiel, n., mhd. goukel-, gougelspil n.

Gaul, m.(-es, Pl. Gäule, unüblich Gaule Lichtwer Fab. 1, 5, Rückert 1, 22): geringes Pferd, aber auch stattliches Roß(Luther Jerem. 8, 16, Goethe 8, 102, Voß II. 4, 500). Frühmhd. gol m.«Ungetüm»(vom Teufel, gale von einem Götzen, urgl von einem Eber), seit dem 14. Jh. verächtlich vom Pferde gebraucht(Liedersaal 3, 619, 14, im Pl. giule), daneben schon mnd. gãl, güle ni. vom starken Streitroß, 1429 im Lib. ord. rer. 14 gaul«Beschälhengsty. Dazu ndl. guil f. «Stuten, die noch nicht geworfen hat, im 17. Jh. ghuyl alter Hengst», 1599 pei Kilian guyle«Pferd; in schwed. Mundarten gule, kule m. caltes Pferdy, gula, kula f.«alte Stute, Mähre». Die Etymologie ist ganz unsicher. Von Charpentier KZ. 40, 441 zu aind. ghölas«Pferd» aus*ghöltas gestellt. Vgl. noch Wood Btr. 24, 528.

Gaumen, m.(-s, Pl. wie Sg.): die als Geschmacksorgan geltende obere Wölbung im Munde. Die Nebenform Gaum(-es, Pl. -e,-en), noch bei Goethe, Schiller, Bürger usw., ist auf die Dichter- und Volkssprache be- schränkt. Mhd. goume, goum neben guome, guom, md. gome, gom und gime(letztres noch bei Luther Hiob 29, 10), ahd. goumo neben guomo und giumo m.; dazu mnd. gumè, ags. gôma(engl. gums«Zahnfleisch»), anord. gomi und gomr, schwed. gom m., dân. gumme«Gaumen. Verwandt lit. gömurls m. «Gaumen), lett. gãmurs Luftröhres. Vom gleichen Stamme auch wohl lat. faux f. «Schlund, Kehlen, gr. xaovoc auseinander- klaffendy. Aus der schwachen Deklination tritt schon das gekürzte mhd. goum und guom in die starke über, bei Ickelsamer 12

findet sich der Gen. gumens. 4 L. gäumeln, v.: lüstern sein wonach(1754 bei Rost schöne Nacht 2). Vgl. kärnt. gaimen oder gämen (d. i. gäumen, gaumen) clüstern sein», 1808 bei Campe Gaumelei f.«Lüsternheit, Leckereiy. Gauner, m.(-s, Pl. wie Sing.): listiger Betrüger. 1753 bei Lessing d. junge Ge- lehrte 1, 6 Gauner, bei Frisch aus einer Biberacher Pürschordnung von 1722 Jauner (noch bei Schiller 1, 209), rotwelsch im 15. und 16. Jh. und noch heute joner m.«Spieler, im Land umherstreichender Falschspieler (Weimar. Jahrbuch 4, 98, auch pei Fischart Großm. 50, Philander v. Sittewald 2, 634), von rotwelsch jonen«spielen»(im 15. Jh. und noch heute), 1494 bei Seb. Brant Narrensch. 63, 46 junen, aus hebräisch Jänã(bei den Juden jono gesprochen)«Gewalttätigkeit üben, übervorteilen, betrügen, überlisten». 4 BL. Gaunerei, f., gaunerisch, adj., gaunern, verb., sämtlich 1803 bei Jagemann, 1787 bei Kramer Jaunereg, jaunerisch, jaunern. Gaupe, f.(Pl.-n): Giebelvorbau mit Offnung, aber auch Dachöffnung mit vor- springender besondrer Bedachung und be- weglichem Verschlusse, Dacherker. In Franken, Oberhessen, am Mittelrhein, im 15. Jh. gpe f. Nach der Nebenform Gaulce f. zu schließen, wohl s. v. a. Ausguck, von gauken aus- spähen, gucken?, 15. Jh., Liliencron 1, 432²), obersächs. gäxen«gaffeny, hess. geipen cgaffenꝰ, engl. schott. gou, goulc«spähend oder starr blicken?. gauzen, verb.: bellen; bellend reden: scheltend anfahren. In der Schweiz, am Rhein und im westl. Mitteldeutschland. 1540 bei Alberus Dict. Q gautzen, im 15. Jh. kautzen(Diefenb. Gl. 70 b). Zusammenhangend mit ags. géad f.«Torheit, Leichtsinns, anord. geuja(Prät. 95)«bellen, ausschelten», gaud f. «das Belleny, dän. gjé«bellen, scheltenꝰ. Weiter sind vielleicht stammverwandt aind. häãvati«rufty, abg. zubati«rufeny. Gavötte, f.(Pl.-n): eine Art Tanz; Musikstück. Über gleichbed. franz. gavotte aus provenz. gavoto. 1791 bei Roth. Gaze, f.(sprich Gäãse, Pl.-n): Flortuch, Schleiertuch. 1649 bei Spee Trutzn. B. 113 Silbergaßß, 1715 bei Amaranthes Gaze oder Gage(spr. Gasche), bei Wieland Klelia 1, 85 Gase f. Aus gleichbed. franz. gaze, span. gasa f., benannt nach der Philistäerstadt Gaza in Palästina, woher das durchsichtige Gewebe bezogen wurde.