Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
625-626
Einzelbild herunterladen

625 Gas

Gasse 626

aber die Gutturale nicht stimmen), auf t lat. hortus m. Gehöft, Gehege, Garten), cohors f. Gehege, Hofs, gr. Xiproc m. Ge- hege, Viehhof, Weideplatz». Aus dem Ger- manischen entlehnt sind abg. gradu m. Garten, Stall, Stadt, Mauerꝰ, russ. gorod«Stadtꝰ, poln. grod, böhm. hrad«Burg», ferner rumän. gard ZLaunꝰ, ital. gicrdino, prov. jardin, gardin, franz. jardin m.«Garteny, aus dem afranz. gardlin wiederum engl. garden. Der Plur. lautet mhd. garten, noch bei Luther Garten, vereinzelt Gerten, der Umlaut schon 1439 in den Weisth. 6, 167 Gärten, daneben vom 16. bis ins 18. Jh. der starkflekt. Plur. Gärte (Gryphius 1663 S. 199, Lohenstein Rosen 106, Günther 269, Kleist Frühling 43). 4.8L. Gärtner, m.(-s, Pl. wie Sg.): Gartenkünstler; (in Nordostdeutschland) Kossat, Hintersasse (1422 im Voc. Vrat.). Im 16. Jh.(bei Luther) bis ins 17. Jh. oft ohne Umlaut Gartner, mhd. gartenœre, spüter auch gertencre(Fundgr. l, 372 b), ahd. gartinäri neben ülterm gartari m. (das erste von der schwachen Form, das zweite von der starken oder vom Stamme ge- bildet), aus dem Germanischen entlehnt abg. gradinar! und gradarl m.«Gärtnery». Davon Gärtnerei, f.(Pl.-en), 1716 bei Ludwig, dagegen 1678 bei Krämer Gärterey; gärt⸗- nerisch, adj., 1718 bei Kirsch; gärtnern, v.: Gartenpflanzung treiben, 1808 bei Campe, für das frühere gartnen(1556 bei Frisius und noch schweiz., gärtnen bayr.-alem.), gärteln (1703 bei Weismann gärtlen), nd. gardenéren, garnéren, daher in Norddeutschland Gärtnierer m. Gärtner».

Gas, n.(Gen. Gases, Pl. Gase): luftförmig entwickelte Flüssigkeit. Ein von dem Alchi- misten Johann Baptista van Helmont aus Brüssel(gest. 1644) zur Bezeichnung der durch Kälte erzeugten feinen(wässerigen) Ausdünstung willkürlich erfundenes Wort, bei dem ihm das gr. Chaos(s. d.) vorschwebte. 1712 bei Hübner, 1779 bei Krünitz, 1796 bei Adelung verzeichnet, durch die Luftballon- fahrten seit 1783 aufgekommen und beson- ders durch die Gasbeleuchtung seit 1826 ver- breitet. Bei Helmont als Neutr., am Mittel- rhein als Fem., in Obersachsen als Mask. gebraucht, mit langem Vokal, aber in Nord- deutschland im Nom. Sg. meist kurz aus- gesprochen(daher im Plur. bei Immermann Münchh. B. 6, Kap. 10 Gasse), während die Bühne Gäs fordert.

gäschen, v.: aufbrausen, schäumen. 1691

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

bei Stieler das Subst. Geschung, 1741 bei Frisch gäschen(aber 1734 bei Steinbach Jjeschen, Prät. josch, Part. gejoschen), fränkisch im 14. Jh. geschen(Buch v. guter Speise 6, 14), zu mhd. jesen, ahd. jesan«gäͤren»(s. d.). Vgl. gischen. Davon Gäscht, m.(-es): Gärschaum, Schaum. Bei Lohenstein in Hoffmannswaldaus usw. Ged. 6, 14 Gäscht, 1562 bei Mathesius Sar. 1522 Gescht(neben Gesch 212 b), aber bei Lohenstein Ros. 88 und Günther 496 Jäscht, 1711 bei Rädlein Jescht oder Gäst, im 15. u. 16. Jh. gest(Diefenbach Gloss. 548), mhd. jest m.; dazu ndl. bei Kilian 1599 ghest, ghist m. Vgl. Gischt.

Gasél, n.(-Lels, Pl.-e) und Gaséle f. (Pl.-n): Name einer bei den Persern sehr beliebten Form lyrischen Gedichte. Aus arab. ghazal«Liebesliedy. Durch Platen, Rückert u. a. eingeführt.

gassäten gehen: müßiggängerisch auf der Gasse umherschwürmen, besonders des Nachts. Im 16. Jh.(1574 bei Höniger Narrensch. 99 ²), aus dem gleichbed. studentischen gassatim gehen(bei Grimmelshausen Simpl. 348), dessen gassatim halblateinisches Adv.; dafür gassatun gehn(bei Fischart Garg. 271, noch 1703 bei Weismann).

Gasse, f.(Pl.-n): zwischendurchgehender Weg, enge Straße(von letzterm Worte, das urspr. die breite Land- und Heerstraße be- zeichnet, in neurer Zeit in Norddeutschland mehr und mehr verdrängt). Mhd. gazze(stark- und schwachbiegend), ahd. gazza, gaaa f.; dazu mnd. gate,(entlehnt) engl. gate«Tor, Wegy, anord. gata f.«Pfad, schmaler Gang, Gasse, schwed. gata, dän. gade, got. gataoο f.«Gassey. Vielleicht gleichen Stammes wie ältermd. gat, gaz, asächs.-mnd. ndl. gat n.«Offnung, Lücke, Loch, Höhle», ags. geat n. Tür, Tory, anord. gat n.«Höhle», dän. gat«Loch»(da- her Kattegat«Katzenloch») oder mit Falk- Torp aus Präfix ga- und*teuoon Reihe?, das zu nhd. Zeche gehört; Grundbedeutung wäre dann das Gereihtes. ZUS. Gassen- hauer, m.(-S, Pl. wie Sg.): gemeines Gassen- lied. Im 16. Jh. Gassenhauaer, zunächst s. v. a. Gassenläufer(1586 bei Mathesius Syrach 1, 52 ³), von älternhd. und bayr. hauen «laufen⸗, dann Tanz auf der Gasse mit der Tanzweise(1536), endlich 1517 bei Aventin 1, 542, 12 gassenhawer die man auf der lauten schlecht, 1556 bei Frisius ein gemein und schlächt gassenlied, ein gassenhauwer, um 17. und 18. Jh. auch ohne tadelnden Nebensinn

40