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16. Jh. genserich(bei Alberus Dict. EE 4²) aus grenserich(1470 bei Diefenbach mlat.- hochd.-böhm. Wb. 219, auch bei Lonicerus), das Kraut heißt auch Grensing, mhd. gren- sinc, grensich, aber schon ahd. gensinc neben grensinc m. ZUS. Günseblume, f.(Pl.-n): Maßliebe, 1561 bei Maaler gensblúme, aber mhd. gensebluome m. f.«ligustrum?(weiße Glocken- blume). Gänseei, n.(-es, Pl.-er), 1522 bei Luther Genßey, mhd. gansei n. Gänse- fuß, m.: das Kraut chenopodium, Melde, gr. xnvérouc, im 16. Jh. gänsfuß(Diefenbach Gl. 77²; im Buchdruck Anführungszeichen, im Pl. Gänsefüäße 1800 bei J. Paul Titan 1, 57, Dim. Gänsefüßchen 1805 bei Täubel Wb. d. Buchdruckerkunst 1, 100, dafür bei Geßner Buchdruckerkunst(Leipzig 1743) 438 Günse- augen, 1775 bei Adelung Hasenéhrchen. Günse- haut, f.:(bildlich) Menschenhaut, die durch Kälte oder Schreck schaudert(bei H. Sachs 5, 151). Gänsehirt, m.(-en, Pl.-en), 1470 in Diefenbachs mlat.-hochd.-böhm. Wb. gans- hirt, 1517 bei Trochus G 1a genßeherte. Gänse- kiel, m.: Schreibfeder. S. Kiel. Gänse- klein, n.(-s): die edlen Eingeweide, Flügel und Füße der Gans, 1775 bei Adelung, süd- ostdeutsch Gänsejung n.; wenn mit dem Blute der Gans gekocht, Gänseschwarz n.(1741 bei EFrisch) oder Gnsepfeffer m.(1691 bei Stieler). Gänsemarsch, m.(-es): Marsch, wo einer einzeln hinter dem andern geht, um 1830 auf- gekommen, dafür 1808 bei Campe Gänsegang, schweiz. Katzenschwanz(Pestalozzi Lienhart 2, 27). Gänsewein, m.(-es): scherzhaft für Wasser, schon im 16. Jh.(1572 bei Fischart Pract. 5 günßwein).
Gant, f.(Pl.-en): gerichtlicher Verkauf an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung. Oberdeutsch; mhd.(im 14. Jh. am Oberrhein) gant f., aus gleichbed. ital. incanto m., von lat. in quantum«für wieviel? wie hoch?».
„Ganter, ndd. Form für Ganser(s. d.).
2Ganter, Kanter, m.(-S, Pl. wie Sg.): Kellerlager, Gestell für Bierfässer. Zurück- gehend über das Romanische(ital. cankiere m. «Werft, Stapel⸗, franz. chantier m.«Stapel- block, Stütze») auf lat. canthériunm n. Joch- geländer, jochartiges Gestell). In Oberdeutsch- land seit dem 16. Jh. belegt und noch heute in Osterreich, Bayern, Schwaben und der Schweiz lebendig.
ganz, adj. u. adv.: unverletzt, ungeteilt, unverkürzt, vollkommen;(dann) gesamt, voll- ständig. Mhd. ganz, ahd. ganz, kanz, Adv.
ganzo; vorgedrungen ins Mnd., Mndl. und Afries. gans, nfries. gantsch, entlehnt schwed. ganska, dän. ganske. Trotz verschiedner Ver- suche(vgl. Brugmann Idg. Forsch. Anz. 5, 18) dunklen Ursprungs. 43L. Gänze, f.(Pl. =n): ganzes, festes Gestein, im Bergbau be- reits im 16. Jh.(1562 bei Mathesius Sarepta 89 b). Mhd. genze, ahd. ganz? f.«Ganzheit, Vollständigkeit). gänzen, v.: ganz machen. Bis ins 17. Jh., mhd. genzen, ahd. genzan(in gigenzan), nur noch in ergänzen(bei Luther). Ganzheit, f., mhd. ganzheit und ganzenheit f. gänzlich, adj. u. adv.: vollständig, völlig, mhd. ganzlich, genzlich, im Adv. ganz-, genæ- Uche, genalichen.
gar, adj.: bereit, bereitgemacht, fertig; vollständig, völlig fertig gekocht(mhd.); fertig geerbt(mhd.);(als Adv.) vollständig, vollends. Im 16. Jh. garb(II. Sachs 9, 105) mit b aus, mhd. gare, gar(flekt. garezwer, garwer, Adv. auch gariwe), ahd. garo(flekt. garaνν, Adv. garo, garaνο); dazu asächs. garu, garo, ags. gearo(Adv. gearuave, gearwe), engl. are, anord. görr, Adv. görva. Da neben asächs. gartz, ugs. gearo æbereit» ein gleichbed. asächs. ar³⁵³, ags. ecra, isl. örr er- scheint, hat man das 9 als Rest der Partikel got. ga, nhd. ge aufgefaßt. Der Stamm a gehört vielleicht zu gr. àâpopickeiv«zusammen- fügen?, lat. artus m. Gelenk, Gliedy und deren Sippe. Auch aind. äãrpam«passend, zu- gegen, zurecht, genugy, ja lat. rvum n.«Saat- feldy, eig. das Zubereitetey könnten ver- wandt sein. 4L. Gare, f.: das Garsein, Zu- bereitetsein, z. B. des Kupfers in der Schmelze (bei Hübner 1712 Gar), des Leders(1775 bei Adelung), die Besserung, die man an den Acker durch Düngung und Bearbeitung wendet (1731 in Zincks öcon. Lex.). Mhd. garroe, ahd. 9aνιασισν f. Zubereitung, Zurüstung». S. Gäre. ZUS. Garaus, m.: völliges Ende (einem den garaues machen bei Fischart Garg. 355). Bei Luther neben garauß m. auch garaus n.(noch bei Günther 512 Neutr.), urspr. im 15. Jh. garauß m.(Tucher Bau- meisterb. 60, 5 fg., Städtechr. 2, 11, 8) die letzte Tages- oder Nachtstunde und das Ge- läute am Schluß derselben nach der alten Nürnberger Uhr, welche die Stunden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zühlte, sich also nach der Läůnge des Tages ver- änderte»; noch heute wird in Nürnberg Abends der Garaus geläutet. Garkoch, m.(es, Pl.-köche): Koch, der gewerbsmäßig zu jeder


