Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
617-618
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617 Gamasche

Gans 618

Veronica chamaedrys. 1482 im Voc. theut. k 1 b gamander, mhd. gamandrô f., mnd. gam- mandere. Aus ital. calamandréa f.«Vergiß- meinnicht», franz. germandrée f.(woraus engl. germander), span. camedrio m., von gr. Jat. chamaedryYs, gr. Xuudidpuc.

Gamäsche, f., bayr. östr. auch Kamãsche, (Pl.-n): Überstrumpf mit Knõpfen. Bei Goethe 30, 140 l. H.(Camasche(Weimar 33, 138 Gamasche ohne YVariante). 1714 bei Wachtler gamachen Oberziehstrümpfe der Soldaten», aus franz. gamache f.«Beinbeklei- dung», das über prov. garamacha, galamacha, aus span. guadamarci«Leder von Gadames» (Stadt in Tripolis) stammt.

Gambe, f.(Pl.-n): Kniegeige(mit den Knien gehaltene Geige). Im 18. Jh. aus ital. viola di gamba(viola f.«Altgeige?, gamba f. Beiny.

Ganasche, f.(Pl.-n): Unterkinnbacken des Pferdes. Aus franz. ganache, ital. ganascia f. Kinnbacke», das auf gr. Tvddoc f.«Kim- backen⸗ zurückgeht. 1727 bei Hübner Ga- naches oder Ganasses.

Gänerbe, m.(-n, Pl.-n): Miterbe einer Gemeinbesitzung mit dem Rechte zum Eintritt in die Verlassenschaft aussterbender Mitglieder. Heute nur noch herkömmlicher Ehrentitel, mhd. ganerbe, ahd. ganerpo m., d. i. Ge-an- Erbe(Mitanerbe). Davon Ganerbschaft, f. (Goethe 29, 77), 1400 ganerbschaft(Maurer Hesch. d. Markenverf. 482).

ganfen, v.: stehlen. Jüdisch-deutsch. Bereits zu Anfang des 16. Jh. im Liber vagatorum genfen stehlen, aus hebr. gãnabh «stehleny. 48L. Ganfe, f.: Kleinigkeits- diebin, oberhessisch. Ganfer, m.(-s): Dieb (oberhessisch), im 16. Jh. ganfer«plündernder Nachzügler»(Aventin Werke 4, 509, 1 Var.).

Gang, m.(-s, Pl. Gänge): das Gehen, die Fortbewegung; Waffengang mit einem Gegner(1618 bei Schönsleder, bildlich bei Luther Briefe 1, 525), auch der einzelne Auf- tritt oder Abschnitt desselben(B. Waldis Es. 4, 72, 27); Tracht Essen(im 16. Jh. bei Ayrer Dramen 3145, 19); Ort des Gehens, Weg, Kanal usw.(schon ahd.); Erzader(mhd.). Mhd. ganc(Gen. ganges), ahd. gang, ganc m.; dazu asächs. gang, mndl. ganck, gangh, ags. gang m., engl. gang, anord. gangr m.«das Gehen», gang n.«Wegy, schwed. gaͤng, dän. gang, got. gaggs m. Gassey. Zu ahd. gangan, got. gaggan«gehen»(s. d.). 4 L. gang- bar, adj., mhd. ganchœre(in ungancbœre

14. Jh.). ZUS. Gangspill, n. und Gang- spille, f.: große Winde zum Lichten der Anker, auf großen Schiffen, eig. der Wellbaum der Winde. 1794 bei Röding. S. Spill. gänge, adj.: unter den Leuten umgehend, verbreitet und üblich, heute meist in der Formel gänge(gäng) und gäbe(mhd. genge und gœhe Schwabensp. 254). Mhd. genge, ahd. gengi; dazu mnd. genge, ginge, selten gange, mndl. ghinge, ghenge, afries. genzie, ghinse, ganse, ags. genge, anord. gengr, schwed. gängse, dän. gängs. Verbaladjektiv zu ahd. gangan«gehen», wie gäbe(s. d.) zu geben. güngeln, v.: beim Gehen leiten, führen, eig. gehen machen(auch tändeln, schlendern, d. j. Goethe 1, 372). Bei Luther gengeln. lIterativ zu mhd. gengen«gehen machen). Davon Gängelband, n.: Band, an dem man ein Kind gehen lehrt, 1716 bei Ludwig. Gangspill, s. Gang.. Gans, f.(Pl. Gänse): der Schwimmvogel lat. anser. Mhd. gans(Gen. gense), ahd.-ndl. gans, cans f.; dazu mnd.-mndl.-fries.-ags. 9õs, engl. goose, anord. gãs, schwed. gàs f., dun. gaas. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit lat, anser m.(aus*hanser), gr. Xiy m. f., lit. 24s 5 f., aind. hqsãs m., hqst f.«Gans»; abg. 9as f. ist wohl aus dem Germanischen entlehnt. Neben gans steht ein Stamm ohne auslautendes s und mit einer Dentalerweiterung in dem vom Plinius hist. nat. 10, 22 erwäühnten ganta f., dem mnd. gante«Gänserich», ags. ganot m.«Wasservogel», engl. gannet«Rot- gansy, ahd. ganazo, ganzo, mhd. ganze, ganzer (nhd. noch als Eigenname)«Gänserisch» ent- spricht(s. u.). Dieser Stamm ist auch ins Romanische gedrungen, prov. ganta, ganto, afranz. gante, jante. Ein dritter Stamm liegt in ags. gandra m., engl. gander Gänserich» vor. 4BL. Ganser,(-s, Pl. wie Sg.), ge- bräuchlicher Gänserich(-s, Pl.-), m.: männliche Gans, 1408 in Grimms Weisth. 1, 573 Ganser, im 17. u. 18. Jh. auch Gänser, älternhd. auch Gansert, Gänsert, Gansart, Ganshart, im 16. Jh. noch Ganßer, mhd. ganzer neben älterm ganze, genz, ganiz(Mone Anz. 3, 50, 8), ahd. ganazo, ganizo, ganzo m.: dazu mnd. gante, nd. ganter, gantert und gante, mnudl. ghent, ndl. gent m.«Gänserich?, ags. ganot, ganet m., engl. gannet«Rotgans». Gänserich, eine Erweiterung von Ganser nach Enterich, im 16. Jh. Genserich(Kirch- hoff Wendunmut 234 b). Als deutscher Name der Pflanze potentilla anserina entstand im