Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
615-616
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Galle

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gall, anord. gall n., schwed. galle m., dän. galde. Wohl aus*galn⸗- entstanden. Der Lautverschiebung gemäß entsprechen gr. XoMh f. und Xxoc m. Galle, Zorn', lat. fel n., abg. Zlu Galle» f. Eigentlich wohl die gelbey. 4 BL. gällen, v.: gallig, erbittert werden(Schiller 8, 276, 32), mhd. gellen «cbitter machen, vergällen), dann«dem Fisch die Galle ausnehmen». gallig, adj.: Galle habend(1691 bei Stieler, gallicht bei Ludwig 1716); bitter wie Galle(um 1480 im Voc. inc. teut. g, dafür mhd. gellic); zum Zorn geneigt, zornig(Wieland 5, 16, bei Maaler 1561 gällig). ZUS. Gallsucht, f.: Gallen- krankheit, Gelbsucht(1719 bei Kramer, spätmhd. gallensunt f.); bildlich) Neigung zu Zorn, Grimm, Erbittrung(1718 bei Kirsch).

² Galle, f.(Pl.-n): geschwulstartige Stelle. In: Floß- oder Flußgalle f. Geschwulst über dem Knie an den Beinen des Pferdes», mhd. vlözgalle; Harzgalle f.«angesammeltes Harz zwischen den Jahrwüchsen im Nadel- holze?; Steingalle f.-hühneraugenartige Stelle am Fuße des Pferdes». Spätmhd. galle f. «Floßgalley, dazu ndl. gal f., engl. gall«Ge- schwulst, Schramme, Gallapfely. Nebst franz. gale f.«Krätze», ital. galla, span. agalla f. «Geschwulst, Beule(am Pferdefuß), Gall- apfelꝰ, aus lat. galla f.«Gallapfel»(s. d.). Im Volksmunde übertragen auf ähnliche Fehler an Naturdingen: Galle f. cunfrucht- barer, zu trockner oder zu nasser Fleck auf Acker und Wiese»(auch Brd-, Acker-, Brand-, Sand-, Wassergalle); Wassergalle f.«ein Stück Regenbogen»(bei Lohenstein, auch Wetter-, Regengalle); Stelle am Wolkenhimmel, Wind anzeigend?.

Gallerie, s. Galerie.

Gallerte, f.(Pl.-n) und Gallert, n. (es, Pl. e): zu einer durchsichtigen schlei- migen Masse eingedickter oder geronnener Saft von tierischen oder Pflanzenstoffen, Gelee. 1691 bei Stieler Gallerte, 1734 bei Steinbach Gallert, 1741 bei Frisch Galert f., 1727 bei Aler Gallert n.(auch bei Voß Idyll. 13, 137), 1678 bei Krämer Gallarte f., 1562 bei Matbe- sius Sarepta 47 b Galhart f., bei Luther Gal- redle f., mhd. galreide f.(mit den spätern Nebenformen galréde, galrat, galhart, galhert) und gekürzt galrei f.(daher älternhd. Galrey, Gallrey und noch bei Stieler Gallereyf). Viel- leicht eine Ableitung von lat. geläre«ge- frieren, gefrieren machen», zu lat. gelu n. Eisy, vgl. Gelee, Gelatine.

Windgalle f. cauffallend helle

Gamander 1 616

Gallöne, f.(Pl.-n): ein Hohlmaß. 1741 bei Hübner. Aus gleichbed. engl. gallon.

Galmei, m.(-es, Pl.-e): Kieselzinkspat. 1616 bei Henisch Galmey f., 1474 galmey m. (None Ztschr. 1, 44), aber 1546 bei G. Agri- cola Calmei, 1482 im Voc. theut. p 8b kalmel, md. um 1329 calmei(Böhmer Urkbch. v. Frankfurt a. M. 505), mhd. Kalemine f., aus gleichbed. span.- port. calamina, franz. cala- mine f., umgebildet aus gr.-lat. cadmia, cäd- mia, gr. xodueid, aduio(daher bei Henisch Gadmeyj,«vngeschmeltzt Ertz, Cobald).

Galöne, f.(Pl.-n), auch Galön, m.(-, Pl.-s): Randschnur, Borte, Tresse. 1678 bei Krämer Galone, 1694 bei Nehring Galaun, 1595 Gallone f.(bei Breuning v. Buchen- buch 82). Aus gleichbed. ital. galone, gallone, franz.'span. galon m., abgeleitet von ital.-span. gala(s. Gala). Davon galonieren, v.: mit Borten besetzen, verbrämen. Im 18. Jh. (Zacharin Ren. 130) aus ital. gallonare, franz. galonner.

Galôpp, m.(es, Pl.-e): Sprunglauf des Reittiers; rascher, dem Sprunglauf ähnlicher Tanz(auch Galoppãde f., im J. 1824 auf- gekommen, R. Voß Tanz 340). 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 8 Galop, 77 Galopp, aus franz. galop, ital. galoppo m., aber schon mhd.(neben galopeiz m.) walap m. aus nordfranz. ³lop; dazu engl. wallop. Galoppade f. aus franz. galopade, ital. galoppataf. «Ritt im Galoppy.. 1727 bei Hübner. Dazu galoppieren, v.: sich in raschen taktmäßigen Sprüngen fortbewegen, 1616 bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 11 galoppieren, schon mhd. galopieren, Kalopieren(daneben walo- pieren, walapieren), aus gleichbed. franz. galoper, ital. qaloppare, prov. gqalaupar.

Galösche, daneben auch Kalosche(in Bayern und Osterreich) f.(Pl.-n): Überschuh. Aus gleichbed. ital. qaloscia, franz. galoche, span. galocha f.: 1517 bei Trochus M 32 calotzchen, im 15. Jh. der Pl. cloczen(«fuß- solchin, qui induuntur in hyemey Diefenbach Gl. 156(), wahrscheinlich schon 1292 in dem Namen Heinrich genant Kaloze(Baur Arnsb. Urk. S. 168, 243).

galst(e)rig, adj.: faulschmeckend, ranzig. Nd. 1755 bei Richey. Zu ndrrhein. gol«ver- dorben, ranzig, sauer geworden», neben gleich- bed. ndl. goor(vgl. gar stig).

galt, s. gelt.

Gamänder, m.(-s, Pl. wie Sg.), Name der Pflanzen Teucrium chamaedrys und