609 Gackenest
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Kackelein n. Von gackeln, gebräuchlicher gackern, v.: vom Schreien des Huhnes, der Gans;(auf Menschen, besonders Frauen
angewandt) schwätzen(bei Wieland 18, 27).
1595 bei Rollenhagen kackeln, 1663 bei Schottel 1131 2 kakelen, nd. kalceln(auch bei Voß Luise 1, 289), ndl. gagelen, gaggelen, engl. gaggle: 1711 bei Rädlein gackern, aber schon md. um 1300 gägern in übertragner Bed.«be- wundernd anschreien, schwätzen, schnattern). Beide sind Iterativa zu tonnachahmenden gacken«gag schreien», 1414 bei Diefenbach Gl. 267 b von Hühnern, 1517 bei Trochus 03² von der Gans, gagen wie ein Gans 1541 bei Frisius 392 b, mhd. gägen«schreien wie eine Gans, krächzen wie ein Rabe»(lib. ord. rer. 24°).
Gackenest, n.(-es, Pl.-er): das letzte, schwächlichere Küchlein im Nest, Nesthäk- chen,(bildlich) das jüngste Kind, Schoß- kindchen, Muttersöhnchen. 1566 bei Mathe- sius Luthers Leben 153, 8 Gackennestle, 1711 bei Rädlein Gacke-Nestgen; dazu ndl. bei Kilian 1599 kack-in-nest, Kackert, vläm. Kalcke- nest m., Kakenestje n. Vgl. Frommann Mund- arten 5, 416.
gacksen, v.: vom Schreien des Huhnes, seltener der Gans; tief aus der Kehle unarti- kulierte Töne ausstoßen. In der 1. Bed. vom Huhn älternhd., im 16. Jh. und noch 1734 bei Steinbach gachsen, 1605 bei Hulsius gäcksen, 1561 bei Maaler gaxen, 1541 bei Frisius gagwen, 1517 bei Keisersberg Evan- gelibuch 672 gackzen(sonst gaxen), mhd. gagzen und gahzen(Mone Anz. 8, 396), ahd. gaccizon(in irgaccizön«in abgestoßenem Laute schreien»), gagizön«schnattern wie eine Gans»(Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 699, 2). Abgeleitet von gacken(s. gackeln, auch gatzen).
Gaden, m., dialekt. n.(-S, Pl. Gaden, auch Gäden): für sich abgeschloßnes Gemach, Zimmer, Kammer, Stall, Scheune, Hütte, Laden, Werkstatt, Stockwerk. Mhd. gadem, gaden, ahd. gadum, gadam n. aus einem Raum bestehendes Haus(auch Saalbau einer Burg, daher in Ortsnamen wie Berchtesgaden, urspr. Berchtoldesgadem), einzeln stehende geschloßne Räumlichkeit, geräumiges Ge- mach, Stockwerk», ins Nd. eindringend gadem n.«Stockwerk»(Sachsenspiegel 3, 66, 3). Ein eig. hochdeutsches Wort, das bis ins 17. Jh. in der Schriftsprache lebte und noch in Süddeutschland und in Teilen Mitteldeutsch- lands geläufig ist, auch vereinzelt von Dichtern
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
noch gebraucht wird(Wieland Oberon 4, 15, in Rückert brahm. Erzähl. 257, Uhland, Scheffel). Dunklen Ursprungs.
¹Gaffel, f.(Pl.-n): große Gabel(s. d.)
von Holz;(seemännisch) Segelstange, die mit, gabelartigem Ausschnitte um den Mast liegt,
besonders Besangaffel, an der die National- flagge aufgehißt ist. In der 1. Bed. bei Voß (Luise 1, 753), aus dem Nd. und mit Gabel identisch, aber schon 1691 bei Stieler Gafel f., noch jetzt luxemburg. gãfel, westfäl. gaffel. In der 2. Bedeutung bei Röding 1794.
²2 Gaffel, f.(Pl.-n): Abgabe, Zins, Steuer, insbesondere Abzugsgeld;(am Niederrhein) Gilde, Zunft, eig. Verein zu gleicher Abgabe. In der 1. Bed. 1775 bei Adelung(in einigen oberd. Gegenden), 1616 bei Henisch Gabelle, bei Kiechel Reisen 282 Gabell, clevisch 1477 gaffel, ndl. 1599 gabelle f.; dazu ags. gafol n., engl. gavel, und ins Romanische gedrungen mlat. gablum, gabalum n., ital. gabella, prov.- span. gabela f.«Abgabe, Steuery, franz. ga- belle f.«Salzsteuer). In der 2. Bed. 1575 bei Fischart Garg. 296, 1477 clevisch gaffel im Teuthonista, im 14. Jh. gaffel in den Köln. Chron. 1, 277, 8; 2, 56, 30 usw.
gaffen, v.: offenen Mundes sehen. Md. (selten mhd.) gaffen, ahd. nur in geffida f. «Betrachtungy; dazu mnd.-mndl.'ndl. gapen, (entlehnt aus dem Nord.) engl. gape, anord.- schwed. gapa, dän. qabe,«den Mund aufsperrenꝰ. Das in neurer Zeit auch bildlich für koffen- stehen, gähnen»(bei J. Paul, Thümmel, Voß Il. 14, 518) verwendete Wort trat durch die Sprache Mitteldeutschlands an die Stelle des gleichbed. und fast gleichklingenden, aber ganz verschiedenen mhd. affen, kapfen, kaphen, ahd. chaphén, kapfén, cafén eig. umherschauen, Umschau halten»(daher bei Luther gaffen canhaltend und eifrig, hoffnungsvoll blicken»); 1482 im Voc. theut. i 8b gaffen, kaffen cvmb- schen» zeigt sich die Mischung der beiden Wörter. Aind. jabh«schnappen» ist nicht ver- wandt, wohl aber Zioplis m.«wer mit offnem Munde gaffty. Das deutsche Wort also aus gja-. 432. Gaffer, m., bei Luther, nd. gaper, dagegen mhd. kapfœre, kapfer, md. kaffãre.
gagägen, v.: als Gans schreien(Schiller Xenien Nr. 83). Schon im 16. Jh.(Thomas Platter 24 B.), von dem Schrei der Gans gagag(bei B. Waldis 1, 50, 41), spätmhd. gãgäg. Vgl. mhd. gägen unter gackeln.
Gagät, m.(-es, Pl.-n): schwarzes stein-
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