Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
579-580
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friger); dazu andd. fri, mndl. vri, ndl. vrij, afries. fri, ags. frĩ und fréo, frig, engl. free, anord. in fria«freimachen», frian f. Be- freiung, Schonung», frjals«frei, eig.«einen freien Hals habend,(da der Ring um den Hals den Sklaven kennzeichnete),(entlehnt) schwed.- dän. fri, got. freis, Akk. Sg. frijana. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit aind. prijãs«liebend, geliebt, lieb, wert, als Subst. Liebhaber, Ehemann», Fem. prijt«Gattin», auch Tochter», denen wieder anord. ν m. Liebhaber, Freiery, asächs. fri n., ags. fiεο f.«Weiby, got. frijön çlieben»(s. freien) entsprechen. 43. freien, v.: freimachen oder geben. Mhd. vrien, vrigen; dazu ndl. vrijdlen, ags. fisogan, engl. free, afries. friaia, fria, anord. fria, schwed. fria, dän. fri. Frei- heit, f.(Pl.-en): Freisein; öffentlich aus- gesprochene Befreiung wovon als Sonder- recht, Privileg; von benannten Lasten und Beschränkungen freie Ortlichkeit(Möser patr. Phant. 1, 33); von einer größern Herrschaft ab- getrennter gefreiter Herrschaftsbezirk, öffent- licher Schutzort geflüchteter Verbrecher, Asyl; Ungezwungenheit, Anmut(Goethe Wahlverw. 1, 2). In diesen Bed. mhd. vriheit, ahd. fri- heit f.«Freisinn, Privilegy; dazu afries. fr- héd, ndl. vrijheid f. ZUS. Freibeuter, m.: plündernder Soldat, Seeräuber. 1579 bei Fischart Binenk. 29. Freibrief, m.: Frei- heitsbrief; Privileg; Reisepaß. 1775 bei Ade- lung. Freidenker, m., als Übersetzung des engl. free-thinker 1715 von Gombert 5, 11 nachgewiesen(bei Guhrauer Leibniz 2, 487). Freifrau, f.: Gattin eines Freiherrn, 1678 bei Krämer, mhd. vröwrouwe f. Freifräu- lein, n.: unverheiratete Tochter eines Frei- herrn, 1691 bei Stieler; für beide 1678 bei Krämer auch Freiin, f.(Pl.-nen), Ende des

14. Jh. bei Königshofen Städtechr. 9, 748, 13

frugin«Baronin», freigebig, adj.: gern und bereitwillig(mhd. mit vrier hant) gebend. 1534 bei S. Franck Weltb. 63 b. Freigeist, m.(-es, Pl.-er): PFreidenker; Religionsver- chter. 1663 bei Schottel S. 448(vgl. Laden- dorf), bei Luther 1, 74° in gleicher Bed. der Pl. die freien geiste; anders im 14. Jh. die valschen frien geiste(Vorrede der Theologia deutsch) mit Bezug auf die Sekte der Brüder des frien geistes. Freiherr, m.(-en, Pl. -en): Baron, mhd. vriherre m.«Edelmann, der nicht in einem Dienstverhältnis steht wie die Ministerialen). Freimaurer, m.: Mit- glied einer Gesellschaft zur sittlichen Hebung

der Menschheit, unter symbolischen Formen, die dem Maurerhandwerk entlehnt sind. Im 18. Jh. als Übersetzung des engl. free-mason aufgekommen, 1775 bei Adelung Freymäurer, 1780 bei Lessing 10, 288 Freymaurer. Frei- mut, m.(es): freier offener Sinn, mhd. vrimuot m.; davon freimütig, adj., mhd. vrimüͦetic. Freischar, f.(Pl.-en), erst in den 40 er Jahren des 19. Jh.; älter Frei- korps, n., 1775 bei Adelung. Freisinn, m.: freie Gesinnung, bes. in religiöser und politischer Hinsicht; davon freisinnig, adj., von Campe 1808 als neue Wörter bezeichnet, aber schon 1643 bei Moscherosch Insomnis cura 20 Freysinnigkeit; anders bei H. Sachs 5, 305 freisinnig«geistig gesundy im Gegen- satz zu unsinnig. Freistatt, Freistätte, f.: öffentliche Schutzstätte für flüchtige Ver- brecher. 1678 bei Krämer Freystatt. Ahn- lich bei Luther Jos. 21, 27 Freistadt f. Asyl- stadt für Totschläger». Freistuhl, m.: west- fülisches Freigericht, spätmhd. 1420 vristuol. freiwillig, adj., bei Luther.

freidig, adj. u. adv.: mutig, kühn, zu- versichtlich, wohlgemut, getrost und fest. Bei Luther 1. Sam. 18, 17, Weish. 11, 18, 2. Makk. 10, 28, aber allmählich nicht mehr verstanden und bereits 1604 an manchen Stellen durch das völlig verschiedene freudig ersetzt. Noch mundartlich in Bayern, Tirol, Kärnten, Elsaß und Schlesien. Mhd. vreidec, vreidic«abtrünnig, flüchtig, leichtsinnig, wild, trotzig, übermütig, keck, mutig, wohlgemut, muntery, ahd. freichig abtrünnig, flüchtigy, asächs. frédig«flüchtig, verbannty, abgeleitet von dem ahd. Adj. freidi«abtrünnig, flüch- tigy, mhd. vreide«flüchtig, kühn, verwegen), andd. fréthi«abtrünnig, flüchtigy. Dieses ist wohl das aind. prétja-«nach dem Tode, jen- seitsy von pra-«fort) und einer Ableitung von i gehen», vgl. auch prétig f.«Weg- gehen, Flucht». Davon Freidigkeit, f.: Mut, Kühnheit, Zuversicht, fester getroster Sinn und Entschlossenheit. Bei Luther 4. Mos. 23, 22, Apostelgesch. 4, 13. Mhd. vreidicheit f. Ubermut, Wohlgemutheit, Kühnheit».

ifreien, v.: freimachen, s. frei.

²freien, v.: zu ehelicher Verbindung werben für sich selbst oder für einen andern. Dem Oberd. fremd, aus dem Nd. und Md. durch Luthers Bibelübersetzung zur Geltung gekommen. Im ältern Md. vrien um ein Frauenzimmer aus Liebe werben», urspr. «lieben»; dazu mnd. vrien, ndl. vrijen«Liebes-