Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
577-578
Einzelbild herunterladen

577 Frau

frei 578

frasche«Possen, Albernheiten»,(dessen Sg. frasca f.«belaubter Ast, Bierzeichen», dann cleichtsinniger Fratz»), dem auch franz. frasgque f.«Possey entstammt.

Frau, f.(Pl.-en): Herrin; Verehelichte (Hausherrin); erwachsene Person weiblichen Geschlechts. Im Gen. und Dat. Sg. noch mit Bewahrung der alten schwachen Flexion Frauen bei Dichtern(Wieland Oberon 12, 25, Goethe Iph. 1965, nat. Tochter 2289, Faust 9221) und in dem formelhaft erstarrten Genitiv unserer lieben Frauen(Jungfrau Maria), selten im Akk.(Goethe Pater Brey 31). Alternhd. frauwe(altertümelnd noch bei Eichendorff Taugenichts 13 Fraue), mhd. vrouewe, gekürzt vrou, vor Namen als Ehrentitel ver, fer, ahd. frouaa f.; dazu andd. fräa, mndl. vrozoe, ndl. vrou, afries. frowe, anord.(der Name der Göttin) Fregja. Weibliche Form von ahd. frõ, got. frauja, asächs. fräãho, fröho, frjo, ags. fréa und frigea m.«Herrꝰ(s. fron), anord.(Name des Gottes) Freyr, abgeleitet vom Stamme fra vorn:, wie ablautend aind. pärvas, purujäs«vorderery, aw. pourva-, abg. präüvã«vorderer, erster) stimmen. Vgl. Furst. ZUS. Frauenbild, n.(-es, Pl.-ey), in eig. Bed. und in übertragener für Frau schon mhd. vroweenbilde n. Frauensperson, f.(Pl.-en), 1616 bei Henisch frauenperson, ndrrhein. 1474 vrauuen persoen(Wienstraat S. 9 Groote), köln. im 15. Jh. vrauavenper- schone(Frommann 3, 57²). Frauenzimmer, n.(*§, Pl. wie Sg.): abgesondertes Gemach für die Frauen und Dienerinnen am Hofe(spät- mhd. im 15. Jh. vrouwenzimmer), dann(vom Anfang des 16. bis gegen Ende des 18. Jh.) Gesamtheit der darin wohnenden Frauen, weib- liches Gefolge(Liliencron 3, 74 vom J. 1512), Gesamtheit von Frauen(Teuerdank 20, 123), endlich(seit Anfang des 17. Jh., 1622 bei Opitz 2, 257 Amst., 1648 bei Zesen Ibr. 478) Person weiblichen Geschlechts von Stande, heutzutage in Norddeutschland Frauens- persony mit verächtlichem Nebensinne. Frauen- in Tier-, Pflanzen- und Mineral- namen ist fast immer gekürzt aus unserer lieben Frauen(s. o.), z. B. Frauendistel, f.: Mariendistel, spätmhd. frowendistel(Diefen- bach Gloss. 393). Fraueneis, Frauen- glas, n.: Marienglas, ersteres 1612 bei Thur- neisser, letzteres 1741 bei Frisch. Frauen- haar, n.: die Pflanze Adiantum capillus Veneris, spätmhd. vrouwenhär(Diefenbach Gloss. 97²). Frauenkäfer, m.: Marienkäfer,

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.

lat. coccinella. Frauenschuh, m:: die Pflanze Cypripedium calceolus, Marienschuh. Fräulein, n.(-s, Pl. wie Sg., auch-): unverheiratete weibliche Person von Stande; Ehrenbezeichnung einer noch Unverheirateten (Schiller Picc. 3, 8). Im Gedanken an das natürliche Geschlecht auch Fem.(Opitz 1, 206 Amst., A. Gryphius Lustsp. 450 P., Goethe 19, 257), abgeschwächt Fräulen f.(Hagedorn neue Fab. 128), oberd. Fräuale f.(Goethe 2, 229), wetterauisch(auch bei O. Ludwig) Fräle f. Alternhd. fräwelin, mhd. vrouawelin, vrõuzwelin, vrüulin n.(Dim. zu vrouabe f.) «Herrin, Frau oder Jungfrau von Stande, Dame», aber auch als schmeichelnde Anrede

an Kinder, sowie an Mädchen niedern Stan-

des, endlich sogar in der Bed.«feile Dirney; im 14. Jh. bei Megenberg 116, 7 u. 9 Tier- weibchen», so noch bei Luther Frewlin 1. Mos. 6, 19, aber 1. Mos. 1, 27 und Mark. 10, 6 auf den Menschen angewandt«Weibchen». frech, adj.: sich vordrängend wozu, allzu frei. Mhd. vrech«mutig, kühn, keck, leb- hafty, ahd. freh«ungezähmt begierig wonach, habsüchtig»; dazu got. friks«gierig»(nur in faëhufrils«geldgierig»), ndl. vrek«frech?, ags. frec«begierig, kühn, verwegen», anord. freler chabsüchtig, begierigy; schwed. fräck, dän. fräls(aus dem Deutschen). Auch ins Romanische gedrungen: afranz. frique, prov. fric, nprov. fricaud«munter, lebhaft. Ver- wandt sind ferner asächs. frökan«wild, ver- wegen, frechy, ags. frécen n.«Gefahr, fyéche cgefährlich, schrecklich, kühn», anord. frön, frökcinn«mutigy und außerhalb des germ.- kymr. Theioyjdd Geilheit», gr. cnapydetv «schwellen, strotzen, voll sein», lett. spirgt «frisch werden». 4 BL. Freche, f.: Ver- wegenheit(Goethe 1, 119); Geilheit, Brunst (bayrisch). Mhd. vreche«Kühnheit, Keck- heity, ahd. frech«Habsucht», got. frikei f. Giery(nur in fahufiikei«Geldgiers). Frech- heit, f., mhd. vrecheit f.«Kühnheit. Fregatte, f.(Pl.-/): dreimastiges schnelles Kriegsschiff. 1573 bei Fronsperger Kriegsb. 157 b fg. Fragatte, Frogate, Frugatte, Fre- gatten, 1616 bei Henisch Fregat«navigium exploratorium». Aus franz. frégate, ital. fre- gata, span.-port. fragata f., urspr.«kleines

Ruderschiff). Dunkler Abstammung. frei, adj.: unabhängig, selbständig, durch

nichts anderes beschränkt; die Schranke der

Sittsamkeit übertretend. Mhd. vrd(flektiert

auch vrijer, vriger), ahd. fri(flektiert auch 37