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anord. fregna(erkunden, Prät. frrã, Pl. frãgum), auch asächs. Prät. fragn, 3. Pl. frugnun. Aus der nd. Volkssprache machte sich bei nord- deutschen Schriftstellern im 18. Jh. das starke Praät. frug geltend(1732 bei Liscow 69, 1758 bei Ew. v. Kleist neue Ged. 57, auch bei Goethe venez. Epigr. 34 b, Schiller Karlos 2, 8 und Picc. 4, 6), sowie der Ind. Präs. frägst, frägt (du frãgest, er frget, wie die Nieder-Sachsen gern sprechen Freyer 1722), auch bei Goethe, der auf Analogiebildung nach tragen, schlagen beruht(nicht auf der schwach flektierten mhd. und besonders md. Nebenform vregen), und den schon Freyer Orthographie 279 ver- wirft, ebenso Gottsched Grundlegung 271 und Adelung 1775, die sich auch gegen frug er- klären. Verwandt sind lat. precãri«bitten?, preces f.«die Bitten», procus m. Freier, lit. prasiti«fordern, bitten, pifsti«den Frei- werber machen», abg. prositi«bitten», aind. pragnãs Frages, aw. porosaiti«er fragts, apers. aparsam cich fragtey, arm. harç«Frages, harçanem cich fragey». 4L. fraglich, adj.: in Frage stehend. Bei Campe, ahd. fragelicho adv. in fragender Weise»v. ZUS. Frage- wort, n.(-es, Pl. örter), 1691 bei Stieler. Fragezeichen, n., um 1522 bei Ickelsamer 48 fragzeichen. fragwürdig, adj.: zweifel- haft, zuerst bei A. W. Schlegel Hamlet 4, 1 als UÜbersetzung des engl. questionable.
Fragmént, n.(-S, Pl.-e): Bruchstück. 1571 bei Rot, aus gleichbed. lat. fragmentum n. 4B2. fragmentarisch, adj.: in Bruch- stücken. Im 18. Jh.
Fragner, m.(-S, Pl. wie Sg.), eigentlich Pfragner: berechtigter Kleinhändler in Mehl, Gemüse u. a., in Bayern und sterreich. Mhd. pfragener, pfragner, pfregener, pfregner, vragener, fragner«Kleinhändlery, ahd. pfrage- nari m. Marktmeistery, abgeleitet von ahd. pfragina f.«Schrankes(im 11. Jh.), mhd. pfragen m.«Markt, Handel, Wuchery». Dies gehört wohl zu got. anapraggan«bedrängen», ndl.-ndd. prangen, mhd. pfrengen«drücken, presseny. Dazu schwed. prang enge Gasse, Schlund, das Johansson KZ. 36, 346 mit gr. gprXoc&Luftröhre, Schlundy verbunden hat. Fraisen, Pl., auch Sg. Frais u. Fraisch f.: krampfhafter An- und Zufall; Fallsucht; Schaueranfall bei einem Kinde; peinliches Gericht. In Franken, Bayern u. Osterreich. 1616 bei Henisch fraiß, freiß Epilepsiey, bei Musäus Volksm. 1, 96 Fräâsch n., 1578 bei Lonicerus Freislich n. Aus mhd. vreise,
ahd. freisa f.«Gefhrdung, Gefahr, Schrecken, Verderben»; dazu asächs. frésa f.«Gefahr, Lebensgefahr», ndl. vrees, früher vreese f. «Angst, Kummer, Furcht, Schreckeny, zu got. frãisan«versuchen, in Versuchung führen', das vielleicht zu aind. prégas m.«Antrieb, Be- strebungy, prés-Adj.«vordringend, drängend gehört.
Fraktiön, f.(Pl.-en): Teil einer poli- tischen Partei. Bei Campe. Aus lat. fractio f. Brechung.
Fraktür, f.(Pl.-en): Knochenbruch; ge- brochene Eckschrift, gewöhnliche deutsche Druekschrift. 1571 bei Rot, aus lat. fractära f. Bruch» von lat. frangere«brecheny. Redens- art F. mit jemand sprechen«derb, grob mit ihm reden); über F. schreiben vgl. Gombert ZfdW. 7, 139.
Franje, f., s. Franse.
frank, adj.: unabhängig, frei. 1482 im im Voc. theut. i 22 franck, franchto. Aufge- nommen aus franz. franc, ital.-span. franco, von dem ums J. 400 vorkommenden deutsch- lat. francus æ«fränkisch». S. Franke.
Frank, auch Franlcen, m.(-en, Pl.-en): französische Silbermünze im Werte von 80 Pfennigen. Bereits im 17. Jh. aus der franz. Benennung franc, von franz. Franc Franzoses; aber schon 1385 in deutschen Reichstagsakten kommt frankte m. als Bezeichnung einer 21 ½ Weißpfennig geltenden Münze(Germania 20, 31), 1393 als Goldmünze(Städtechron. 9, 998, 27) vor.
Franke, m.(-n, Pl.-n), Volksname, der bei lat. Schriftstellern seit der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. hervortritt; auch für Franzose (1616 bei Henisch, besonders seit der Revo- lution von 1789). Mhd. Franke, ahd. Francho; dazu ags. Franca, anord. Fralki m. Die Annahme, daß das Volk nach seiner Lieb- lingswaffe, ags. franca, anord. fraba, dann westgot. im 7. Jh. francisca, benannt sei, ist kaum haltbar. Vielmehr heißt die Waffe wohl nach dem Stamm. Franken, n., deut- scher Landesname, mhd. Vranken, Franken, ahd. in Frankon, ist Dat. Pl. des Volksnamens. 4B L. fränkisch, adj., mhd. vrenkisch, fren- kisch, ahd. frenkisg. ZUS. Frankreich, n.: Landesname, mhd. Francriche, Frankenriche.
frankieren, v.: versendungs-, postfrei machen. Im 17. Jh.(bei Schupp 256). Aus ital. francare«frei machen», von franko, adj.: versendungs-, postfrei. Im Anfang des 17. Jh. aus ital. franco cfreiy, s. fron.


