56 7 Folklore
fördern 568
Kab. 4, 7). In der urspr. Bed. 1506 in Dürers Briefen 27 Folig, Folg f. und 1562 bei Mathe- sius Sar. 81 b Folie, aus dem mlat. Plur. folia «Metallblättchen», ital. foglia f., woraus 1678 bei Krämer Folia f. Folio, n.: Blattform des Papierbogens, Papierbogengröße,(bild- lich) größte Form. 1678 bei Krämer in Folio, aus lat. in folio«in Blattgrößey. Ital. foglio m. Bogen Papiery.
Folklore, f.: Wissenschaft von der Volks- kunde; Volkskunde. Aus engl. folklore, 1846 von William T. Thoms vorgeschlagen und bald aufgenommen.
Follikel, m. u. n.(—s, Pl. wie Sg.): kleiner lederner Sack; Drüsenbläschen;(botan.) Balg- frucht. Aus lat. folliculus m.«Sack, Schlauchy.
Folter, f.(Pl.-n): Marterwerkzeug. Erst nhd.(1616 bei Henisch Folter, bei A. Gry- phius 1, 30 Folder, aber schon 1468 wolter- gerüst«eculeus» Diefenbach nov. gl. 144²). Aus mlat. poledrus, poletrus, puledrus m. «Fohlen, Füllen?(s. d.), woraus auch span.- port. potro m. junges Pferd und Marter- gestelly. Jenes Marterwerkzeug war urspr. ein scharfkantiges Gestell mit vier Füßen nach der Gestalt eines Pferdchens, wie schon bei den Römern, die daher ihre Folter equuleus m. 4Pferdchen, Füllen nannten. Davon foltern, v.: auf der Folter martern. 1466 foltren Diefenbach nov. gl. 368 2, 1470 fultern Hätzlerin 2, 25, 160, dann 1526 bei Luther foltern.
Fond, m.(spr. †%): Grund, Hintergrund, und Fonds, m.(spr. 70): Grundvermögen; Grundgeld, Geldvorrat. 1714 bei Wächtler Fond und Fondo, 1703 im Zeitungslex. Vond, aus franz. fond und fonds m., ital. fondo, von lat. fundaus m.«Grund, Bodenv.
Fontäne, f.(spr. fotäne, Pl.-n): Spring- prunnen. 1477 clevisch fonteine, mhd. fontäne, im 17. Jh. Fontäne, aus franz. fontaine, von mlat.-ital. fontana f., dies von lat. fons m. (Gen. fontis)«Quelley.
Fontanélle, f.(Pl.-n), auch Fontanéll, n.(-es, Pl.-e): künstliches kleines Ableitungs- geschwür. 1593 bei Helber 18 fontanell. Aus mlat. und ital. fontanella f.«Quellchen, Brünn- lein», dem Dim. von fontana(s. Fontäne).
foppen, v.: zum besten haben, neckend plagen. Aus dem Rotwelschen(Gaunersprache), wo am Anfang des 16. Jh. vopen, voppen cbetrügen, lügen» im liber Vagatorum(Kluge Rotwelsch 35, 78) vorkommt. Schon 1343 begegnet im Augsburger Achtbuch fopperin
cdie nement sich unsinne an und versagens» (Kluge 2), um 1450 vopper(Kluge 13) in den Basler Betrügnissen, 1457 bei Matthias von Kemnat wopper, wapper(Kluge 26), 1561 bei Maaler vwoppen«praevaricariy, 1618 bei Schönsleder foppen«vexirn), aber noch 1691 von Stieler als«vocabulum plebejum et sordidumy, von Adelung 1775 als niedrig und niedersächsisch bezeichnet. 4 BL. Fopperei, f., 1561 bei Maaler vopperey.
Force, f.: Kraft. 1714 bei Wächtler aus franz. force f., gleichzeitig die volkstümliche Aussprache Forsche. S. forsch. 4BL. for- cieren, v.: mit Gewalt nehmen oder durch- setzen, überanstrengen. 1673 bei Weise Erzn. 152. Aus gleichbed. franz. forcer.
Förde(mit langem ö), f.(Pl.-n): lang- gestreckter Meerbusen. Nd. aus dem Norden entlehnt, anord. ſördr m., dän.-norw. jjord, schwed. Härd, schott. firth«Meeresbuchty(aus dem Nord.). Es gehört mit deutsch Furt zu lat. portus m. Hafen u. a.
fordern, v.: zu erkennen geben, daß es womit vorwärts kommen solle, dann daß es man haben wolle oder müsse. Mhd. vordern, ahd. fordarön, abgeleitet vom ahd. Adj. for- dar cvordery, Adv. mhd. vorder«vorwärts». Daneben mit Ausstoßung des r, die auf Dissi- milation beruht(wie im 14. Jh. bei Megen- berg das Adj. voder«vordery, bei Luther das Adv. fodder«vorwärtsy und wie Köder aus mhd. guerder), urspr. ostmd. fodern (beim Volke mit kurzem, im spätern Nhd. mit langem 0), schon im 14. Jh. bei Megen- berg vodern, bei Luther gewöhnlich foddern, selten fordern, bei Henisch, Duez, Stieler, Ludwig fordern und fodern, letzteres nament- lich in der Dichtersprache festgehalten(Les- sing 1, 4, Schiller 12, 366, Goethe Tasso 1273, Rückert 1, 359). 4BL. Forderung, f.(Pl. -en), mhd. vorderunge, ahd. fordarunga f.
fördern, v.: vorwärtsbringen;(bergmän- nisch) in und aus dem Schacht fortschaffen (1562 bei Mathesius Sar. 1962 födern, s. u.). Alternhd. fürdern, mhd. vuürdern, ahd. furdiren, abgeleitet vom Adv. ahd. furdir, mhd. vir- der, nhd. fürder, förder«vorwärts». Daneben mit Ausfall des r(wie schon spätmhd. fisder, füder statt fürder, vgl. auch fordern) md. födern bei Ayrer 2049, 31, Opitz, Logau, Lessing Nathan 1, 1, spätmhd. 1445 füldern (Schmeller 1, 753), 1429 füederen(Lib. ord. rer. 25). 4 BL. Förderer, m., spätmhd. furderer, daneben fudrer. förderlich, adj.,


