Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
551-552
Einzelbild herunterladen

551 flektieren

fliehen 552

Dazu fleißen, v.(Röm. 15, 20), jetzt befleißen G. d.), mhd. vllzen, ahd. flizan«Sorgfalt woran wenden», and. andflätan«sich bemühen, streben?, ags. flitan«kämpfen, streiten?, engl. flite«zanken, streiten». 4B. fleißig, adj., mhd. vlizec, ahd. flizgic, mndl. vlitech. Davon älternhd. fleißigen, v. refl., bei Luther, mhd. vlizigen, heute sich hefleißigen. flektieren, v.: biegen, insbes. ein Wort.

Erst spät im 18. Jh. Aus gleichbed. lat.

Hlectere.

flennen, v. mit verzogenem Munde weinen (Schiller Räub. 1, 2). Eig. den Mund ver- ziehen, zum Hohnlachen(Lohenstein Ibra- him 2) oder zum Weinen, ahd. fannen den Mund verziehen», neben mhd. vlans m.«Maul?. Unbekannter Herkunft. 1540 bei Alberus dict. Ji 3 b ich flenn«strecke die Zunge heraus», 1559 bei S. Franck verbütschiert Buch 145 b flannen«weinen?, in gleicher Bed. 1691 bei Stieler fennen neben dem Subst. Flanner m. S. Flansch.

Flet, n.(-es, Pl.-e), auch Flete f.(Pl.-n/): schiffbarer Kanal der Stadt. Aus mnd. vlek n. «Fluß, Rinnsal, von mnd. vleten cfließenp. Bei Adelung flethe f. S. Fließ.

fletschen, v.: ins Breite dehnen; flach, breit schlagen; die Zähne zeigen. Mhd. uletschen «die Zähmne zeigen», vletzen causbreiten», zu ahd. flaz«flach, platté. S. Flöz, Fläeæ. ZUS. Fletschzahn, m.: hervorstehender, von der Lippe nicht bedeckter Zahn.

Fletz, n., selten m.(es, Pl.-e): Fuß- boden, Hausflur. Alternhd. und noch in Bayern. S. Flöz.

Flexiön, f.(Pl.-en): Biegung, insbes. Veränderung eines Wortes zur Bezeichnung grammatischer Verhältnisse. Erst spät im 18. Jh., aus lat. flecio f.«Biegung»(nur in 1. Bed.), von lat. flectere«biegen». S. flelctieren.

Flibüstier, m.(-s, Pl. wie Sg.): See- räuber. In der zweiten Hälfte des 17. Jh. auf den Antillen so benannt nach den leichten Schiffen, den Flibusten, deren sich diese Prei- beuter bedienten. Flibuste, f., aus engl. fly-boat«fliegendes Eilboot», franz. flibot m., holl. vlieboof.

Flicken, m.(-S, Pl. wie Sg.), daneben Flicke, m.(-hn, Pl.-n): Stück Zeug zum Ausbessern. Aus nd. flikke. 1775 bei Adelung. Von flicken, v.: eine schadhafte Stelle aus- bessern, mhd. vlicken«einen Fleck(Lappen) aufsetzeny, s. 1Fleck. Dazu Flicker, m., bei Luther Tischr. 200; Flickerei, f., 1664

bei Duez. Flickwerk, n., im 15. Jh. in den Fastnachtsp. 793, 10. Flickwort, n., 1641 bei Schottel 360.

Flieder, m.(-s): der Holunder, sambucus nigra. Aus dem Núd. 1616 bei Henisch Fleder baum und Fliederbeer, 1574 bei Fischart Onomast. 192 Flidder, Flier, Vlierbaum, mnd. vleder, 1420 bei Diefenbach Gl. 509 vlieder, 1599 ebenfalls als nd. bei Kilian 626 b vledder, ndl. vlier. Dunklen Ursprungs. Auch auf die Syringe übertragen, 1741 bei Frisch spanischer Flieder.

Fliege, f.(Pl.-/): das geflügelte Insekt lat. musca. Mhd. liege, ahd. flioga, fliega, and. fliega, ndl. ulieg, ags. flõoge f., engl. y; aber auch ahd. als Nebenform fliuga, mhd. Hiuga, fleuge, älternhd. fleug, 1537 bei Dasy- podius T 1 flüg, mit kurzem Vokal anord. flaga, schwed. fluga f., dun. flue. Von fliegen, v.(Prät. flog, Part. geflogen): sich schwingend und schwebend durch die Luft bewegen und von derselben getragen werden. Mhd. vliegen, ahd. fliugan, fliogan; dazu ndl. vliegen, afries. fliaga, ags. fléogan, engl.; anord. fjäga, schwed. flyga, dän. fyuve. Obwohl infolge ihrer Begriffsverwandtschaft bis in neuere Zeit oft miteinander vermengt(Luther 5, 294 b, Spr. Sal. 23, 5, Schiller 3, 167), sind fliegen und fliehen etymologisch nicht verwandt, wie der urspr. Anlaut im got. Fliachan cfliehen⸗ und im got. Faktitiv usflaugjan«emporfliegen macheny zeigt. Etymologisch ist das Wort nicht sicher aufgeklärt. Einige stellen es zu lat. plüma f.«Flaumfeder, Flaumꝰ», lit. Plunksna f.«Feder», vgl. Walde s. v. Andre denken an Ableitung von einer Wz. plau cfließen?(s. d.). Das Präs. flektiert in der 2. und 3. Sing. älternhd. bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. und noch dichterisch im 19. Jh. fleugst, fleugt(Wieland Idr. 114, Schiller Tell 3, 1), der Imp. fleug(Lessing 1, 101, Uhland 173), entsprechend dem mhd. Nliugest, vliuget, vliuc; das Prät. mhd. vlouc, Pl. vlaugen, md. vlõc, vlög, danach die nhd. Formen log, Pl. flogen gebildet. ZUS. Fliegengott, m.: Bezeichnung des Teufels nach der Ubersetzung von Beelzebab in der Septuaginta.

fliehen, v.(Prät. Hoh, Part. geflohen): sich schnell wovor fortbewegen, davonmachen (mit sein, doch trans. mit haben). Mhd. bliehen, ahd. fliohan; dazu asächs. fliohan, ndl. vlien, gewöhnlich wlieden, afries. la, ags. fléon, engl. flee, anord. Hs⁴ρ, schwed. fly, dän. lνi, got. mit urspr. im Anlaut Sliuhan