53⁵ Finkeljochem
Firlefanz 536
in der romanischen Benennung(ital. pincione, franz. pinson). Im Sg. geht das Wort öfter zur starken Flexion über. In der Studenten- sprache«Student der keiner Verbindung an- gehört), seit den 20 er Jahren des 19. Jh. in Halle und Jena aufgekommen, vgl. Götze, ZfdW. 8, 100.
Finkeljochem, m.: Branntwein. Bei Günther 925. Aus der Gaunersprache, wo es 1687 belegt ist, s. Jochem. Zu rotwelsch finkceln, fankeln«kochen», Funkert«Feuery.
1Finne, f.(Pl.-n): fleischige Floßfeder großer Seefische. Aus dem ndd. finne f.; dazu ndl. vin f., ags. ſinn m., engl. fin, schwed. fena, wohl verwandt mit dem gleichbed. lat. pinna f.(s. Pinne), air. ind«Ende, Spitzen. Weitere Anknüpfungen bei Walde s. v. Bei Trochus 1517 J 2 b ein vinne von dem fische.
2Finne, f.(Pl.-n): Bläschen mit Würm- chen im Fleische, besonders der zahmen Schweine; kleine spitzige Blatter im Gesicht. Mhd. pfinne, vinne f., auch«fauler, ranziger Geruch»; dazu mnd. vinne, ndl. vin f.«Blattery. Dunkler Herkunft, vielleicht dem vorigen gleich. Nach dem Ndd.-Ndl. ist die Form mit f ursprünglich, mhd. pfinne erklärt sich wohl durch Einfluß von pfinne«kleiner spitziger Nagel»(s. den folgenden Art. und Pinne). Auch das ältere Nhd. kennt Pfinne (noch bei Frisch 1741). 45L. finnig, fin- nicht, adj.: voll Finnen, mhd. pfinnec, vinnec, auch vinneht; dazu mnd. vinnich, ndl. vinnig.
sFinne, f.(Pl.-n): kleiner spitziger Nagel oder Pflock. Mhd. pfinne f.; dazu mnd. pin, pinne, ndl. pin f. Mit Ubergang des Begriffes aus lat. pinna f.(s. Pinne).
Finnfisch, m.: eine Art Walfisch, dän. finneftsk, schwed. finnfisk m. Der Name wegen der 3— 4 Fuß hohen Fettfinne(s. 1Finne) auf dem hintern Teil des Rückens.
dinnicht, finnig, s. 2Finne.
finster, adj. u. adv.: des Lichtes erman- gelnd. Mhd. vinster, ahd. finstar, ein nur hochd. und noch asächs.(asächs. finistar, n., finistri f.«Finsternis?) auftauchendes Wort, scheint eins mit ahd. dinstar, mhd. dinster, indem wie auch sonst(s. F'eile) f an Stelle eines ursprünglichen F(daraus hd. d) ge- treten ist, das noch asächs. Himm dunkel» zeigt; finster entspricht dann genau lat. fene- brae f.«EFinsternis», aind. famisräã f. dunkle Nacht», s. Dämmer und auch düster. 4B L. Finstere, f.(Schiller Räuber 2, 3): Finster- nis, mhd. vinster, ahd. finstard, finstri neben
dinstri(Hoffmanns Williram 32, 17 thimstre) f.; dazu asächs. ſinistré f. Finsterling, m.: Gegner geistiger Aufklärung. 1788 von Wie- land(29, 23) gebraucht und bei Campe 1808 verzeichnet. Vgl. Gombert Zfd W. 2, 66 und Ladendorf. finstern, v.: finster machen, in verfinstern, mhd. vinstern, ahd. finstarren, früher auch«finster werden», mhd. vinstern, ahd. finstarén. Finsternis, f.(früher auch n., so bei Luther 1. Mos. 1, 4. Math. 4, 16). Mhd. vinsternisse f. n., ahd. finstarnessi, fin- starnissi n.
Finte, f.(Pl.-a): Trugstoß beim Fechten; Verstellung, Kniff. Zunächst in der 1. Bed. übernommen aus ital. finta f. Listy, franz. feinte f.«Verstellung, Trugstoßy, das urspr. das Fem. des Part. Prät. von lat.-ital. fngere cerdichten, fälschlich vorgeben, täuschen', franz. feindre ist. 1644 bei Duez 182 in der 1. Bed.«ictus simulatusy, 1648 bei Kemnitz schwed. Krieg 1, 344 b und bei Schottel 1663 in der 2. Bed.(inte machen«callide aut insidiose agere»).
finzelig, adj.: überfein. In der Schweisz, aber auch in Norddeutschl. Herkunft un- bekannt, vgl. schweiz. Id. 1, 877.
fippern, v.: ängstlich und rasch umher- tasten. So bei Hermes Sophiens Reise 1, 427. Schon im 16. Jh. hochd. u. ndd. in der Bed. «sich in raschem Zittern bewegen», auch s. V. a.«xrasch zitterndes Licht von sich geben, glitzerny. Wohl aus lat. vibräãre in der Bed. «sich zitternd bewegen, zittern, schimmern, funkeln), s. auch wibrieren.
Fips, m.(-es, Pl.-e): Schneller mit dem Mittelfinger an die Nase, Nasenstüber. Wohl die substantivierte Interj. ſips!(Hermes So- phiens Reise 1, 683), die lautnachahmenden Ursprungs ist.
Firlefanz, m.(-es, Pl.-e): gebärden- volles, überhaupt unnötiges albernes Tun und Wesen; ein sich lächerlich Gebärdender (Goethe Faust 11670). Mhd. firlifanz, firla- famz(bei Wolkenstein), in ursprünglicherer Form firlafei, ferleifei, firlei«ein lustiger rascher Springetanz der Dorfbewohner», be- ruht auf franz. virelai«Ringeltanz?; die Form Firlefanz erklärt sich durch Anlehnung an md. Firl Kreisely, auch«hurtiger behender Menschy, und obd.-md. Fanz«Possen, Possen- macher», vgl. auch Alfanz und Weise Zfd W. 3, 122. Die übertragene Bed.«geckenhaftes, al- bernes Zeugy findet sich schon im 16. Jh.(1582 bei Fischart Garg. 181 Firlefans). 4BL.


