Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
527-528
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527 feuerjo

fickfacken 528

feuerjo(Schiller Räub. 2, 3), feurio: nachdrücklicher Feuerruf, im 15. Jh. viterd, fiuriõ(Gesamtabenteuer 2, 308. 688). Im Mhd. wird zum Nachdruck ä an Substantive, Imperative und Partikeln angehängt, z. B. wüfenã auch fen6«Waffen herbeily, hilfä chilfl), neind«nein!?. Gleicher Bildung sind die Hilferufe diebjo, feindjo, mordjo, nach- barjo, sowie der dem Fährmann geltende Ruf holla chol über!).

Feuersbrunst, Feuertaufe usw., s. Feuer.

Feuilletön(spr. fãjete), n.(-S, Pl.*s): Unterhaltungsteil einer Zeitung. Das franz. feuilleton, eig. Blättchen», von feuille m. «Blatt), das von lat. folium n. stammt. Bei Campe 1813.

Fex, m.(-es, Pl.-e): Blödsinniger(Goethe Faust 6199 Hexenfe); närrischer Kerl; Spaß- vogel; wer durch Sonderbarkeiten Aufsehen erregen will(Bergfex). In Bayern und Osterreich ist Fex(dazu das Fem. Feckin) zunächst s. v. a.«Kretin». In der Literatur des 17. Jh. erscheint Feia m. als«Stuben- hocker, einfältiger Mensch», dann«angehender Student»(s. Fachs und feixen). In Wien bedeutet das Fem. Fex die Hexe⸗(Loritza 42 ²). Ein schon im 15. Jh. übliches(Sachsen- heim Mörin 263), auch im 16. vorkommendes narrifer scheint nicht hierher zu gehören, sondern Nachbildung lateinischer Formen wie artife; zu sein.

ff, s. f.

fl, interj. des Abweisens, Abscheus, Ekels. Mhd. vi, das aus dem franz.-ital.«pfui⸗ aufgenommen ist.

Fiaker, m.(J, Pl. wie Sg.): Lohnkutscher; Mietkutsche. Nach dem franz. am Ende des 17. Jh. üblichen facre. Von dem heiligen Piacre(latinisiert Fiacrius), dessen Bild das Zeichen des in der Straße St. Antoine zu Paris gelegenen Hauses war, in dem man solche Mietkutschen haben konnte, und das der Franzose Sauvage, dem 1650 das Privi- legium zur Einrichtung öffentlicher Kutschen verliehen wurde, bewohnt haben wird. 1728 bei Sperander nur der Plur. Fiacres, im Sinne von Mietkutschen auf den Straßen von Paris».

Fiäsko, n.(-S, Pl.-s), in der Redensart F. machen«Mißerfolg haben». Nach dem ital. far fiasco, eig.«eine Flasche macheny. Uber den Ursprung vgl. Hildebrand Vom deutschen Sprachunterricht 156.

Fibel, f.(Pl.-n): Abcbuch. Mnd. Ahel, auch in md. Glossaren des 15. Jh., z. B. 1469 Phihel im voc. ex quo, seit Luther allgemeiner gebraucht; da daneben in gleicher Bed. auch bibel vorkommt, ist Entstehung aus diesem Worte anzunehmen. Die ältesten Fibeln ent- hielten Lesestücke aus der Bibel.

Fiber, f.(Pl.-n): Faser, Muskelfaser. Aus lat. fibra f.«Fasery». 1766 bei Lessing 6, 516.

Fichte, f.:(Pl.-/): Nadelholzbaum mit vierkantigen rings um die Zweige herumge- stellten Nadeln und hängenden Zapfen, in Norddeutschland Rottanne genannt. Mit Kür- zung des Vokals(im ältern Obd. noch Fiechte) aus mhd. viehte, ahd. flohta und fiuhta f.(da- nach bayr. Feuchten), and. fiuhtia f., sonst im Germ. nicht vorhanden. Es gehört mit ableitendem Dental zu dem gleichbed. gr. reuxn, lit. pusis f., preuß. peuse. 4 BL. flch- ten, adj., mhd. viehtin, auch in Zusammen- setzungen wie Fichtenbaum, Fichtennadel usw.

Ficke, f.(Pl.-n): Tasche an einem Klei- dungsstücke. Niederdeutsches Wort(schon im 16. Jh. belegt), auch im östlichen Mittel- deutschland verbreitet(Weise Erzn. 103, Gün- ther 166, Weiße Op. 3, 6), von Schottel 1663 (Filkte) und Stieler 1691 angeführt. Jetzt auch obd.(schweiz. figge). Aus dem Nd. auch schwed. ficka f., dän. filcce. Wohl urspr. s. v. 2. ins Kleid ein- oder angehefteter Beutel, vgl. mlat. ficacium Tragbeutel», von prov.- altspan. port. jicar, ital. ficcare, franz. ficher can-, einheften», woraus auch mhd. vicken chefteny.

ficken, v.: kurze, rasche Bewegungen hin- und hermachen; Rutenstreiche geben. Alter- nhd. ficken«jucken, kratzen, scharren, reiben» (Schon 1558 auch obszön), 1475 clevisch vgcken «mit Ruten schlagen»(Teuthonista), im 14. Jh. niederrheinisch vicken«reiben», ahd. mich vifchit«mich juckty. Vielleicht verwandt mit anord. fiᷣᷣ«eileny, schwed. fica«streben nach etwasy, daher engl. fidge«unruhig seiny, ags. ficol, engl. fichle«unbeständigy und weiter wolll zu lat. piget«es verdrießt mich, erregt Widerwillenꝰ, vgl. schweiz. figgen«verdrießen?.

fickfacken, v.: ohne Absicht hin- und wiederlaufen; geschäftig sein; Böses anzetteln; Rünke schmieden; Blendwerk machen; unzu- verliüssig handeln oder reden; mit Ruten schlagen. Gebildet von ficken, s. d., das sich in fickfachen ablautend wiederholt, vgl. Kling- klang, Schnickschnack, Wirrwarr. Aus dem