519. Felonie
fergen 520
Felonie, f.(Pl.-n): alles, was gegen Rittersitte verstößt; Bruch der Lehnstreue von seiten des Lehnsmannes, Treubruch am Herrn. Aus franz. ſélonie f. Verletzung der Vasallenpflichty, ital.-altspan. fellonia f. Ruchlosigkeit», von ital. fellone m., altspan. fellon«großer Bösewicht⸗, abgeleitet von ital. fello, afranz. fel«grausam, gottlos, treu- los», eig. wohl«Schindery, von ahd. fillen c«schinden, geiselny. Bei Nehring 1710.
Fels, m.(Gen. u. Pl. Felsen), Felsen, (-s, Pl. wie Sg.): große Steinmasse. Mhd. vels, ahd.-asächs. felis m.(umgelautet aus falis) mit starker Flexion, daneben mhd. velse,
ahd. feliso m.(auch felisa f.) mit schwacher
Flexion. Ob anord. fjall n.«Bergs(mit Ablaut aus*filza-), schwed. äll n., dän. fjeld«Gebirg, hoher Felsy, hierher gehört, ist zweifelhaft. Herkunft unbekannt. Viel- leicht zu aind. pãsanäs m. Stein, Probier- stein» aus*pãlganas, gr. n-lœο«Stein,- (Hesych), falls aus*re¼ca. Vgl. J. Schmidt Kuhns Ztschr. 32, 387. Bei Luther steht Fels mit starker Flexion neben dem schwach flektierenden Felse, Felsen(im Pl. nur Felsen); jetzt sind von F. starke Kasusformen außer dem Dat., Akk. Sg. Fels nicht mehr üblich, während Felsen einen Gen. Felsens bildet, doch auch noch öfter Felsen. 4 BL. felsig, felsicht, adj., mhd. velseht.
Felüke, f.(Pl.-n): kleines Ruderschiff ohne Verdeck. Aus franz. félouque, ital. feluca, span. faluca f., das auf arab. folk «Schiffy, zurückgeht. Bei Krämer 1678 Fe- lucque f., bei Aler 1727 Falacke.
Feme, f.(Pl.-n): auf roter, d. h. west- fälischer oder sächsischer Erde gehegtes heimliches Freigericht. Mhd. veime, in md. Quellen auch veme f.«Strafe, Strafgericht», aber auch mnd. veme, veime f. Vielleicht zu lat. poeua, gr. notwi f.(mit p aus kao), aw. kaend Strafes zu stellen(dazu auch gr. riveiv«rächen»), oder auch zu mhd. véhen cfeindselig behandeln», asächs. a-féhit«straf- fälligy, s. Fehde. Andre sehen mit Rück- sicht auf mndl. veime, veme f., nndl. veem f. n. «Vereinigung, Zunft»(s. auch Fant) als urspr. Bed. die von Vereinigung an(woraus die Bed.«Vereinigung um Ubeltaten zu rächen» hervorgegangen wäre) und vergleichen Feim Haufey, s. d. Das Wort ist im ältern Nhd. fast verschollen(Stieler 1691 hat nur Feym- stat locus supliciiy, Frisch 1741 verzeichnet es als Fehm) und wird später durch die
Ritterstücke wieder bekannt. 4 L. femen, v., in verfemen: einen als außer allem Ge- richtsschutze stehenden Missetäter erklären mhd. vervemen, verveimen.
Femel, s. Fimmel.
Fench, m.(-S, Pl.-e): Art wilder Hirse, mhd. pfenech, fenech, ahd. phenih, fenih m. mit and. penik n., aus mlat. panicium n., von lat. pãnicunm n. citalienische Hirse.
Fenchel, m.(-s): eine Dillart, anethum foeniculum. Mhd. venechel, ahd. fenahhal mit ags. finol m., engl. feunel aus der lat. Be- nennung féniculum, foeniculum n., die auch ins Rom. übergegangen ist(franz. fenouil, ital. finocchio m.).
Fenn, auch Fehn, n.(-es, Pl.-e): Sumpf- land mit Graswuchs; Moorkolonie. Mhd. in rheinischen Quellen venne n., aus mnd. afries. fenne n.«Moorland, weidey, ndl. veen n., ags.-engl. fen, anord. fen n.«Sumpf, Morast», zu got. fani n.«Koty, vgl. die entlehnten ital. fango, franz. fange m.«Schlammꝰ. Auch ahd. kommt fenni, feuna f., and. feni«sumpf⸗ vor. Diese gehören weiter zu apreuß. panneaun «Moorbruch», gall. ana-«Sumpfy. Vgl. Lidéen Bezz. Btr. 21, 93.
Fenster, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Tages- licht einlassende Offnung, bes. mit Glas- scheiben, von Zeesen mit Tageleuchter) verdeutscht. Mhd. venster, ahd. fenstar n., ndl. venster n., mit Wechsel des Geschlechts (durch Einfluß der ältern Benennung ahd. augatora, got. ugadauro n.) eig. Augentor» (s. dazu Meringer Idg. Forsch. 16, 125) aus lat. fenestra f., das auf gr. qaiveiv«sichtbar macheny zurückgeht oder mit diesem urver- wandt ist. 4BL. fenstern, v.: vor dem Fenster der Geliebten stehen. Frühnhd. (H. Sachs Fastnachtssp. 9, 109), jetzt meist (bayr.) fensterln. S. ausfenstern.
Ferdinand, aus span. Fernando und dies aus span. Hernando, d. i. ahd. Herinand (zu got. nanfjan in anananpjan«wagen, sich erkühnen).
Ferge, m.(-n, Pl.-n): Fährmann. Mhd. verje, verige, verge, auch vere, ver, ahd. ferio, ferigo, ferro, fero, zu ahd. ferian, ferran, mhd. vern, asächs.-ags. ferian, got. furjan c«schiffen, überführen zu fahren, s. d. In der Bibel(Hes. 27, 27) und wieder bei neu- ern Dichtern; landschaftlich z. B. am Mittel- rhein immer üblich geblieben.
fergen, v.: mit Anstrengung fortschaffen, fördern; abfertigen. Schweizerisch, auch
*


