491 Fahr
Fährmann 492
«Umhang, Kleid», peti«spanneny, lit. pifti cflechteny(vgl. Sinnen) vergleichen. Das ursprüngliche Mask. erhält sich im Obd. im 17. Jh.(Zincgref 1, 164), daneben auch als Neutr.(noch bei Haller 105). 4B L. Fähn- lein, n.(-s, Pl. wie Sg.), das Dimin., mhd. venelin. Die Bed. unter einer Fahne ver- einigte Schar Kriegery zuerst 1475 in dem schweizerischen venli(Liliencron 2, 63). Fähn- rich, m.(-s, Pl.-e): Fahnenträger. Dafür mhd. vanere, vanre, venre, ahd. faneri m., wo- her schweizerisch Fenner m., später mit An- lehnung an die Bildungen auf-rich venrich und mit eingeschobenem d vendrich(Lilien- cxon 2, 562), dazu ndl. vaundrig m.(1599 bei Kilian 574 2 vaendkigh). ZUS. Fahnen- junker, m.: dem Fähnrich beigeordneter Fahnenträger. 1664 bei Duez. Fahnen- schmied, m.: Hufschmied bei einer Reiter- schwadron, im 17. Jh. Fahnenträger, m., 1482 im Voc. theut. h 5 fantrager, im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 617 ²2 vanendreger, fanetreger.
Fahr, f.: Gefahr, nur noch altertümlich und poetisch(von Wieland Oberon 2, 16 ge- braucht und im Glossar erklärt, dann z. B. von Schiller Tell 3, 1; Rückert 2, 237). Bei Luther fahr. Mhd. vöre f., vär f. m.«Hinter- list, Gefahr, Furcht», ahd. fära f.«Auflauern, Nachstellung, Hinterlisty; dazu asächs. fãr m. Hinterlist, ndl. vaar m.(veraltet)«Ge- fahry, ags. ſr m. Furcht, Gefahry, engl. feur«Furchto, anord. für n. Not, Unglück, dän. fare«Gefahr», got., wohl nach ferja m. Auflauerer, Aufpassery zu schließen,“*féra f. Das Wort, von dem mhd. vären, ahd. färén (8. befahren), asüchs. färon auflauern, nach- stellen», ags. cran, engl. fear«fürchten» abgeleitet ist, geht zurück auf die Wurzel von fahren(s. d.), indem aus der Bed.«hin- überbewegen, durchdringen? die von«ver- suchen, in Gefahr bringen» hervorgegangen ist, vgl. die zu der gleichen Wurzel gehörigen lat. experiri«versucheny, periculum n. Ge- fahrꝰ, gr. weĩpa f.«vVversuch, Probe, Anschlagy. 4B L. Fährde, f.: Gefahr, Arglist(Goethe 1, 121). Mhd. œrde(in gevcrde f. n.)«Hinter- listy, ahd. färida in bifärida f. Aufruhry. Fährlichkeit, f.: Gefahr. Mhd. vcœærlicheit, abgeleitet von mhd. vœrlich c«hinterlistig, ge- führlich», ahd. fürlih, auch älternhd. fürlich, voc. 1482 verlich periculosus».
Fahre, f., nordd. Form für Furche(s. d.).
Fähre, f.(Pl.-n): flaches Fahrzeug und Ort zur Flußüberfahrt. Mhd. vere, ver f. n.;
dazu ndl. veer n., anord. ferja f., schwed. färja f., dun. fœrge, engl. ferry. Zu mhd. vern, ahd. ferian, ferran, asächs. ferian, ags. ferian, anord. ferja, schwed. färja«schiffen, übersetzen, überführen», abgeleitet von fahren. S. auch Ferge.
fahren, v.(Prät. fuhr, Konj. führe, Part. gefahren): sich fortbewegen; sich mit Ge- schwindigkeit wohin bewegen; auf einem Werkzeug zum Fortbewegen fortbewegt wer- den oder fortbewegen; sich befinden, leben (z. B. fahr wohl). Der Ausdruck fahrende Habe(schon mhd. varndin habe)«bewegliches Eigentum», wofür auch Fahrhabe(schweiz.) und Fahrnis(s. d.). Mhd. varn, ahd. und got. faran; dazu ndl. varn, asächs.-ags. faran, engl. fare, afries.-anord-schwed. fara, dän. fare. Verwandt ist gr. nepdv durchdringen, durchgehem, öpoc m. Durchgango, ropebetv cfahren, übersetzem, wopebecbar«reisen, geheny, lat.(übertragen) peritus«erfahrer, abg. prati cfahren, springen», aind. piparti«führt hin- über», aw. par- chindurch-, hinübergehenv. S. auch Fahr.
Fährgeld, n.(-es, Pl.-er): Lohn des Schiffers für die Überfahrt. Bei Luther(Jon. 1, 3 fehrgeld), dafür mhd. verlön, zusammen- ges. mit mhd. vern«übersetzen», s. Fähre.
fahrig, adj.: nicht gehalten, unbeständig. Dialektwort, das Adelung 1793 noch nicht kennt, von Goethe oft gebraucht, abgeleitet von fahren.(Bei Maaler 1561 ferig churtig', mhd. veric«fertig»).
fahrlässig, adj. u. adv.: aus Unachtsam- keit unterlassend, aus Säumigkeit unachtsam. Im voc. praed. q 2 b varlessig«negligens»(aber bei Eychmann 1483 m 7 b verlesig), dann bei Keisersberg bilgerschafft 142 d farlessig, später als Rechtswort oft gebraucht. Kaum ge- bildet von fahren lassen«geschehen lassen, nachlassen, aufgeben», sondern wohl mit An- lehnung an fahren entstellt aus einem mhd. verlãẽzec, vürlczec, abgeleitet von verlz, vürläz m.«Lässigkeit, Versäumnis», vgl. die Bildungen hinlässig, nachlässig usw. 43L. Fahrlässigkeit, f., im voc. praed.— 2 b var- lessigkeit(dagegen bei Eychmann 1483 n 7 b verlassigkey-t), bei Keisersberg sünd. d. munds 78 b farlessigkeit, in Wedels Hausbuch 281 u. o. fahrlosigkeit.
Fährlichkeit, s. Fahr.
Fährmann, m.(-, Pl--männer): Ferge. Zusammenges. mit mhd. vern«übersetzen?, s. Fähre. Bei Comenius 1640.


