Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
477-478
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477 essen

Etikette 478

essen, v.(Prät., Part. gegessen): Nah- rungsmittel in sich aufnehmen. Mhd. ezzen (Prät. ãz, Part. gezzen), ahd. ezzan; dazu asächs.-ags. etan, ndl. eten, afries. eta, engl. eat, anord. eta, schwed. dãta, dän. äde, got. ſtan. Der Lautverschiebung gemäß stimmend mit dem gleichbed. lat. edere, gr. édeiv, abg. 1. Sg. Jam(aus*em⁷), lit. édmi cich fressen, aind. ddmν«ich esse». Das Part. Prät. lautet bei Luther vereinzelt schon mit nochmals vorgetretenem ge- gegessen(Pred. Sal. 2, 25), meist geessen, gessen, wie auch Clajus an- setzt; im 17. Jh. dringt gegessen durch, doch hat noch Goethe aus der Volkssprache gessen. Davon der Inf. als Subst. Essen, n.(-J, Pl. wie Sg.): Handlung des Essens, aufge- tragene Speise; Mahlzeit. Mhd. ezzen, ahd. ezzan n. S. auch Aus. 43L. eßbar, adj.: zum Essen tauglich oder dienlich. 1482 im Voc. theut. h 32 eßper. ZUS. Eßlaube, f. (Pl.-): Speisesaal, Speisezimmer. Bei Luther 1. Sam. 9, 22 Esseleube, mhd. ezzeloube f. «Speisehalle, Vorratskammer. S. Lauhe. Eßlust, f. Bei Stieler 1691, aber schon 1475 clevisch ctensluyst(Theuton. 93). Ver- deutschung von Appetit, die am Schluß des 18. Jh. noch nicht durchgedrungen war (Kindleben 1781 führt Eßlust unter den Provinzialwörtern auf). Eßware, f. (Pl.-n). Bei Henisch 1616, wohl nach dem Ndl.(1599 bei Kilian 107 eetzwaere. Essénz, f.(Pl.-en): Kraftauszug, eig. das Wesentliche, aus Kräutern, Früchten usw. Aus lat. essentia f. das Wesen einer Sache, von lat. esse sein», danach schon mhd. essenzje (Germ. 18, 272), in der jetzigen Bed. im 16. Jh. Essig, m.(-S, Pl.-e): mittelst Verwesung (Oxydation) des Weingeistes(Alkohols) oder mittelst Zersetzung durch Hitze unter Ab- schluß der Luft aus Pflanzenkörnern ge- wonnene Flüssigkeit. Spätmhd. ezzic, auch im 15. Jh. und bei Luther Essig, mhd. aber ezzich(danach älternhd. Essich, noch bei Steinbach 1734), ahd. ezæik, ezalh, wie mnd. ettil, ndl. edlik m., schwed. äãttila f., dün. eddlile mit Versetzung der Konsonanten (gleichsam ratecun) aus dem gleichbed. lat. acꝰtumn n., abgeleitet von acére«sauer sein», das unversetzt dem asächs. ecid, ags. eced, got. akeit n., sowie auch abg. ocitäé m. zu- grunde liegt. ZUS. Essigmutter, s. Mutter. -est, Superlativendung, mhd.-est, ahd. und altsächs.-ist und-öst, ags.-est und-ost, anord. bei Adj.-str und-astr, bei Adv.-St

und-ast, got. bei Adj. ists und-ösks, bei Adv.-ist. Das Suffix-ist bewirkte Umlaut.

Esträde, f.(Pl.-n): mäßig erhöhter Teil eines Raumes. Aus gleichbed. franz. estrade, das über provenz. estrada auf ein vulg.-lat. *strata(lat. strãtum n.«Lager, Polster») von sternere chinbreiten» zurückgeht. 1813 bei Campe.

Estrich, m. n.(-es, Pl.-e): mit Steinen ausgelegter oder mit Gipsüberzogener Zimmer- boden; ähnliche Zimmerdecke. Mhd. esterich, esterich, estrich, ahd. astraih, esterih m. and. estrih«mit Steinen ausgelegter Fufßboden», mit ndl. estrik m. aus mlat. astricum, astra- cum n.«Steinboden, Pflastery, von dem gleich- bed. mlat. astrum, n.; dies, im Klassischen Lat. s. v. a.«Sternbild, Gestirn», geht wohl zunächst auf die den Fußboden verzierenden sternförmig zusammengesetzten Steinplatten. Vgl. Heyne Hausalt. 1, 78. 251.

etablieren, v.: gründen, errichten; in rechten Stand bringen. Aus franz. éfablir, das auf lat. stabilire«festmachen, befestigen zurückgeht. Bei Wächtler 1711, 1703 im Zeitungslex.«feste setzeny.

Etäge(spr. etäze), f.(Pl.-n): Stockwerk. Aus franz. étage, ital. staggio m.«Aufenthalt, Wohnung, Stockwerk», das auf ein mlat. staticum n., von lat. stüre«stehen, sich auf- halteny zurückgeht. Bei Sperander 1728.

Etäppe, f.(Pl.-n): Verpflegungsort durch- ziehender Truppen; Rastplatz; Abstand von einem Rastplatz zum andern. Aus franz. étape f., urspr.«Ort des Mundvorrates beim Marsche, Warenniederlage, Stapelplatzy, afranz. estaple f., von ndl. stapel. S. Stapel. Bei Sperander 1728 in der 1. Bed.

Etät(sprich etäh), m.(s,-s): Voranschlag, namentlich des Staatshaushalts. Aus franz. état m. Staat, Zustand und Beschaffenheit einer Person oder Sachey, in welcher Be- deutung es im 17. Jh. ins Deutsche entlehnt wurde. Die jetzige Bedeutung 1791 bei Roth.

Ethik, f.: Sittenlehre. Aus lat. ethice, ethica, dem substantivierten Fem. des Adj. gr. lat. ethiczus, gr. leixc«sittlich», abgeleitet von ſeoc n.«Gewohnheit, Sittey. 1663 bei Schuppius 955 u. 974. ethisch, adj.: sittlich. Um 1700(bei Thomasius philosophia aulica 126).;

Etikétte, f.(Pl.-/): Bezeichnungszettel einer Ware; Höflichkeitsförmlichkeit. Aus franz. étiquette f., eig.«aufgeheftetes Zettel- cheny, hennegauisch estiguete«zugespitztes