Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
475-476
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475 Esch

Esch, m. n.(-es, Pl.-e): Ortsflur; Gesamt- heit aneinander liegender Acker, die zu ein und derselben Zeit entweder bebaut und ab- geerntet oder als Brachfeld benutzt werden. Obd., auch im westlichen Niederdeutschland (ostfries. est«fruchtbares, zum Getreidebau sich eignendes Land auf der Geest). Mhd. esch, zusammengezogen aus ezzesch, ezzisch m., ahd. ezzisc m.; dazu got. atisk n.«Saat- feld, das vielleicht zu lat. ador m.«Getreide- art, Spelty gehört. Anders Walde s. v.

Esche, f.(Pl.-n): der Laubholzbaum lat. fraxinus; Eschenlanze. Mhd. selten esche f., meist asch m., ahd. asc(Plur. esci) m.; dazu ags. Ese m., engl. ash, anord. asker m., schwed.- dän. ask f. S. auch 4sch. Verwandt ist abg. Jasika f., lit. tosis m., preuß. ³sis «Eschey, alb. ah m.(aus faska)«Buchey, gr. öron f. Buche» und weiter lat. ornas cwilde Bergesches, kymr. onnen(aus*osnen) Eschey, arm. haçi Eschey. Literatur bei Walde s. v. 4 B. eschen, adj., mhd. eschin, auch in Eschenholz, Eschenlaub usw.

Esel, m.(-s, Pl. wie Sg.): das Grautier lat. asinus; dummer Mensch. Mhd. esel(auch als Schimpfwort), ahd. esil m.; dazu asächs. esil, ndl. ezel, ags. esol, eosol, got. asilus m. Entlehnt mit Wandelung des n in!, wie in Kümmel, Orgel(s. d.), aus dem gleichbed. lat. asiπιs m., das mit gr. 6voc m. f. unsichrer Herkunft ist. Vgl. Brugmann Idg. Forsch. 22, 197. Aus dem German. stammt abg. 0Oslld, lit. dsilas m. Redensarten: Einem einen E. bohren«im Spott den Zeige- und kleinen Finger gegen ihn ausstrecken(wührend die übrigen drei eingebogen werden), um die Eselschren anzudeuten⸗(schon mhd. einem eselören machen). Dem Esel zu Grabe läuten cdie hangenden Beine vor- und zurückbaumeln lasseny(nach Jer. 22, 19). 4L. Eselei, f. (Pl.-en), mhd. eselle. eselhaft, adj., bei Comenius 1640 eselhaftig, mhd. dafür eselbœre, eselisch. Eselin, f.(Pl.-nen): mhd. eselin, eselinne, ahd. esilin, esilinna, got. dafũr asilus f. Z.S. Eselsbrücke, f.(Pl.-n): Hilfsmittel für Träge, um Schwierigkeiten zu überwinden. Bei Günther 462(ein Schulfachs, der die Eselsbrücke tritt). Der Ausdruck stammt aus der scholastischen Philosophie, wo mit pons asinorum ein logischer Mittelbegriff bezeichnet wurde. Darauf geht auch die Bed.«Schwierig- keit für Unwissende»(bei Adelung) und «selbstverständliche Sache», wie franz. ponl-

aunes zurück. Eselsohr, n.(-es, Pl.-en),

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mhd. eselõre, esels öre n. In der Bed.«ein- geschlagene Ecken in Büchern» schon bei Duez 1664. Eselswiese: Die Sprechsaal- artikel der Zeitungen. Etwa seit 1870.

Eskadrön, f.(Pl.-en,-s): Reiterschar, Schwadron(s. d.). Aus franz. escadron, span. esquadron, ital. squadrone m.(daher bei Wallhausen Kriegskunst zu Pferd 1616 S. 13 fg. Squadron m.)«Heeresabteilung, von ital. squadrare«viereckig machen», das ein mlat. exquadrare(guadrare von quadrus «viereckigy) voraussetzt. Zur Zeit des 30- jährigen Kriegs entlehnt(belegt bei Homburg Clio C5). Vgl. auch Geschabader.

eskamotieren, v.: verschwinden lassen, durch Kunstgriff beiseite schaffen. Aus franz. escamoter, nach span. port. escamotar, das wohl zurückgeht auf span.-port. escamar«ab- schuppen?, im Port. auch«betrügen», mlat. exæsquamare von lat. squäma f. Schuppey. Bei Campe 1801.

Eskörte, f.(Pl.-/n): Schutzgeleit; Be- deckungsmannschaft. Aus dem gleichbed. franz. escorte, ital. scorta f. von ital. scorgere «wahrnehmen, begleiten», das auf ein mlat. excorrigere«xegieren, zurechtweisen, geleiten⸗ zurückgeht. 1703 im Zeitungslex.

Espe, f.(Pl.-n): hochstämmiger Baum mit zitterndem Laube, LZitterpappel. Im 15. Jh. espe(1469 im Voc. ex quo und 1482 im Voc. theut. h 3⁴) neben aspe, mhd. aber aspe, ahd. aspa f.; dazu ags. cespe, engl. asp, anord. öSp f. und lit. pesis, pr. abse, lett. apse, abg. osina f.«Espey. Vgl. noch Lidén Idg. Forsch. 18, 490. 4BL. espen, adj., mhd. espin. Auch in den ZUS. Espenlaub, mhd. espon loup, Espenholz, mhd. espin holz.

eßbar, s. essen.

1 Esse, f.(Pl.-n): Schmiede-, Feuerherd; Feuermauer(Rauchfang) über dem Herde. Mhd. esse, ahd. essc f.(mit Umlaut aus*ssi) Herd der Metallarbeiter»; dazu schwed. äsja f., dän. esse. Vgl. auch mnd. ase f.«Rauch- kammery. Herkunft unsicher; vielleicht mit, Asche zu lat. Grickus(aus as-)«trocken»(eig. durch Hitze) zu stellen. In der 2. Bed. bei Ludwig 1716.

2Esse, n.: ein Sein nach Herzenswunsch, in der Redensart in seinem Esse sein. Der lat. Inf. esse als Subst. Schon bei dem Mystiker Eckhart entlehnt isse«das Sein»(er sitzet in sum isse, allez in sich, mergen dzer sich 121, 14), mnd. so lange dat kloster in eße(Wohlsein, Wohl- stand) gewesen Schiller-Lübben 1, 748.