Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
473-474
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Erz-

es 474

Erz-, erz- als untrennbares erstes Wort einer Zusammensetzung bezeichnet das Ur- sprünglichste, Erste, Vorzüglichste des durch das 2. Wort Ausgedrückten. Mhd. erze-, erz- geht, wie ndl. aurts-, zurück auf mlat. arci-, lat. archi-, gr. pxtr, von äpxeiv«der Erste sein, anfangen?. Es steht zunächst in den Wörtern, die den lateinischen Bildungen mit archi- nachgebildet sind, z. B. Erz- bischof, mhd. erzebischof, ahd. erzibiscof, aus gr.-Jat. archiepiscopus m.; Erzengel, mhd. erzengel, aus gr.-lat. archangelus m., denen sich andre kirchliche Worte wie 2. B. Erzvater nach lat. patriarcha m. anreihen; später auch bei Hofämtern, z. B. Erzkanzler, aus mlat. archicancellarius m. und wegen der Gleichstellung mit den Kurfürsten, die als Verwalter der Reichserzämter auch Erz- fürsten hießen, Erzherzog(mlat. archidux) als Titel der Fürsten und Prinzen von Oster- reich, der erst 1453 auf Anordnung Kaiser Friedrichs III. allgemeine Anerkennung fand. Im spätern Mhd. werden mit erz- auch Spott- und Scheltnamen gebildet, zunächst für das Hofgesinde, z. B. erzbuobe archi- scurra», und dergleichen Bildungen sind bei Luther sehr gewöhnlich, z. B. Erzketzer, Erznarr, Erzschalk. Schließlich wird Erz- auch zur Bildung von Adjektiven, namentlich von solchen übler Bed., verwendet, z. B. erzböse(bei Luther), erzdumm usw. Im Got. findet sich arkaggilus m. Erzengel», das die Aussprache des c in mlat. arci- als Verschlußlaut voraussetzt, entsprechend ags. arce-, anord. erki-, z. B. ags. arcebiscop, anord. erkibiskup m. Erzbischofy, schwed. arke-, dän. erke.

erzählen, v.: in Worten darstellen, bes. Begebenheiten. Früher(noch bei Lessing) meist erzehlen. Mhd. erzeln, erzellen ͥder Zahl nach darlegen, aufzählen»(noch bei Luther), dann«auseinandersetzen, ausdrücken, in Worten darstellen»; dazu ags. ãtellan aus-, aufzählen». 4 BL. Erzählung, f. Im 15. Jh. eræelungef.(Frankf. Reichskorr. 2, 186 von 1461).

erzeigen, v.: hervor-, darzeigen, sehen lassen(Sir. 36, 7); sichtbar zukommen lassen, in die Sinne fallend zu erkennen geben. Refl. sich e. Mhd. erzeigen.

lerzen, adj.: von Erz. Im 16. Jh. ertzin. Dafür meist ehern, s. d.

zerzen, v.: mit Er anreden. Gebildet wie duzen, ihrzen. Denkm. 402, 14).

Im 15. Jh.(Eschenburgs ags. incer, anord. Mlcar, got. iggara.

erziehen, v.: fort-, wegziehen; unter leiblicher oder geistiger Pflege aufwachsen machen(vgl. lat. édäcäre cerziehen», zu dũcere«ziehen»). Mhd. erziehen, ahd. irziohan cherausziehen, aufziehen, leiblich großziehen, aufnähren, unter geistiger Pflege heranwachsen lasseny, auch s. v. a.«wegziehen»; dazu asächs. ãtiohan cheranziehen, gebären», ags. dtéοn cheraus-, wegziehen, behandeln, sich wohin begeben», got. ustiachan«hinausziehen, hinaus- führen, vollkommen machen, endigeny. Auch das einfache ahd. zichan bed.«säugen, auf- nähreny, dann auch«geistig nähren», d. h. «lehren?, asächs. tiohan aufziehen). 4. Erzieher, m.(-F, Pl. wie Sg.), bei Stieler 1691. Davon erzieherisch, adj. u. adv., erst in der neuern Sprache. Erziehung, f., bei Stieler 1691.

erzielen, v.: erzeugen, hervorbringen, mhd. erziln; als Frucht, Ergebnis gewinnen; zielend, als Ziel abreichen Schiller(Br. v. M. 1, 7).

Erzt, s. Erz.

les, Nom. und Akk. Sing. des neutralen Pron. der 3. Pers., in Verkürzung angehängt's, s. er. In gewissen Verbindungen ist es als Gen. Sing. dieses Pron. anzusehen, entspre- chend mhd. es, ahd. is, es, asächs.-got. is, ags. Eis, z. B. Gott walte es, ich bin es über- drüssig, ehe ihr es euch verseht(Wieland 1, 252), Sie sollen mir es noch Dank wissen (Lessing 2, 400), er hat es nimmermehr Ge- winn(Bürger Leonore Str. 8), du hast's auch Ursache gehabt(Goethe Bürgergeneral 2. Auftr.), er hat es gar keinen Hehl(Schiller Parasit 5, 3). Sonst wird dies es jetzt durch dessen oder seiner vertreten.

2es,'s, in Volksliedern gekürzt aus älterem sich, z. B. meister Paul ist ers genant(Soltau 1, 146), mhd. der kere was sich Morolt genant (Eilhart Trist. 292); auch auf die I. und 2. Person bezogen daß das es ſdich] Willst scheiden vonm mir(Erk Liederh. 28, vgl. Grimm Gramm. 4, 319).

3es, ös, im Bayr.-Ostr.(z. B. es habts cihr habty) Nom. u. Akk. des alten Duals der 2. Person, jetzt auch für den Plural gebraucht, mhd. az, ahd. vermutlich i3, alt- sächs.-ags. git, anord. it, später Pit, nordfries. jat, lit. judiu. Dazu der Dat. und Akk. Dualis bayr.-östr. enkc«euch», mhd. enkx, alt- sächs. ink, ags. inc, anord. r, got. iggis, sowie der Gen. bayr.-östr. enker euer»(zu- gleich Possessivpronomen ceuer»), mhd. enker,