Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
469-470
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469 erschüttern

ersuchen 470

erschreclcen, daneben erschrichen, ahd. ir- scricchan«aufspringeny, dann cerschüttert auf-, zusammenfahrenꝰ, s. Schreck. Die starke Flexion dringt erst vom 11. Jh. an durch, daneben noch mhd. erschricken mit schwacher Flexion. Dazu erschrecken, v.(Prät. er- schreckte): erschrecken machen, in Schrecken setzen. Mhd. erschrecken(Prät. erschrahle, erschracte), ahd.(bei Notker) irscrecchen, das Faktitiv von irscricchan. 48L. er- schrecklich, adj. u. adv. Mhd. erschrecke- lich. KAlternhd. oft erschröcklich, das auf mhd. erschrockenlich(vom Part. Prät. er- schrocken) zurückgeht. Erschrecknis, f. n. Mhd. erschrecknis f.

erschüttern, v.: in Bewegung geraten (noch im 18. Jh.; bei Luther erschuttern); in Bewegung versetzen. Mhd. ohne Ableitung erschütten, ahd. irscutten«erschüttern, er- schüttert werden).

erschwingen, v.: schwingend in Bewe- gung setzen, mhd. erswingen; im Schwunge reichen(so mhd., auch bildlich);(von Kosten) caufbringen(Hans Sachs 4, 343). 48L. erschwinglich, adj., nach der letzten Be- deutung des Verbs, 1774 bei Adelung.

ersetzen, v.: wiedersetzen, d. h. den gleichen Wert erstatten. Mhd. ersetzen, ahd. irsetzen in dieser Bed., dagegen ags. dsettan czusammensetzen, errichten, einrichten», got. ussattjan«aussetzen, ausschicken, draufsetzen, pflanzen, gründen, zeugen).

ersprießen, v.: wachsend zur Höhe sich heben; förderlich sein. Mhd. erspriezen. 4BL. ersprießlich, adj. u. adv.: gedeihlich, förderlich. In der frühnhd. Kanzleisprache (Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 502), 1524 von Luther noch bekämpft(Bindseil 7, 315).

erst, mit dem bestimmten Artikel der, die, das erste: Ordnungszahlwort von eins. Mit Präp. in aufs erste, fürs erste, am ersten, zum ersten adverbial. Davon Akk. Sing. des Neutr. erst als Adv.: vor allem andern, vor allen andern; vor allem; vor allem einmal; anfangs; nicht früher; nicht weiter oder mehr als. Mhd. érest, érst, ahd. érist; dazu asächs. érist, ndl. eerst, afries. Srost, ags. Srest, der Superl. zu eher, s. ehe. Davon erstens, genitivisches Adv. für früheres am, zum ersten. Erst bei Adelung als Wort des ge- meinen Lebens angeführt. ersterer, der erstere. Mit Komparativendung von erst gebildet. Im 17. Jh., zunächst ohne strenge Scheidung von der erste, dann zum Hinweis

auf das erste von zwei genannten Personen oder Dingen gebraucht. 4L. erstlich, adv.: am ersten, zum ersten. Bei Luther. Erstling, m.(-S, Pl.-e): das zuerst Her- vorgebrachte. Bei Luther.

erstatten, v. ergänzend geben(bei Luther); schadlos machend geben; überhaupt geben (in Bericht e.). Mhd. erstaten ersetzen». S. statten.

erstaunen, v.: in Staunen versetzt wer- den(1541 bei Frisius 818 b); in Staunen ver- setzen(zundchst das Part. erstaunend«staunen machend» bei Steinbach 1734 und Frisch 1741, danach die übrigen Formen, z. B. bei Goethe, Schiller usw.). S. staunen. 4 BL. erstaun- lich, adj. u. adv.: Staunen erregend. Bei Stieler 1691.

erstecken, s. ersticken.

erstehen, v.: sich erheben, mhd. erstän, erston, ahd. irstantan, ebenso asächs. dstan- dan, got. usstandan; überstehen, aushalten (frühnhd.); am Auktionstisch stehend er- werben(mhd. durch Stehen vor Gericht er- werben); überhaupt erwerben, kaufen.

erstens, ersterer, s. erst.

ersticken, v.: 1) intr. mit sein: aus Mangel an Luft aufhören zu leben. 2) trans. mit haben: durch Entziehung der Luft auf- hören machen zu leben. Mhd. ersticken, ahd. irsticchen ist intr.«ersticken), urspr. wohl durch Steckenbleiben des Atems zum Tode benommen sein. Ein transitives mhd. erstichen findet sich in der Bed.«aus-, vollstopfenꝰ, dann im Mitteldeutschen des 14. Jh. wie unser transitives ersticken, so auch von Luther ge- praucht. Es verdrängte das üblichere mhd. erstechen(Prat. erstahte), das noch im 17. Jh. bei den schlesischen Dichtern und noch jetzt dialektisch im Bayr. vorkommt.

erstlich, Erstling, s. erst.

erstummen, v.: stumm werden(Luk. 1, 20). Mhd. erstummen, ahd. irstunmén.

erstunken, adj.: übelriechend geworden, in erstunkcen und erlogen«verabscheuenswert gelogen»(bereits bei Murner Geuchm. 46 und bei Luther). Das Part. Prät. von älternhd. erstinkeen, mhd. erstinken«in Gestank oder Fäulnis übergehen, stinkend werdeny.

ersuchen, v.: aussuchen(1. Sam. 13, 14); inständig bitten(bei Luther); in förmlicher Weise bitten(aus der Kanzleisprache). Mhd. ersuochen ist«ausforschen, ergründen, unter- suchen, heimsucheny, ahd. irsuochen ver- suchen, erprobenꝰ, got. ussölan untersuchem.

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