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zudeuten, z. B. erblicken, erlauben. Die urspr. mit der Partikel zusammengesetzten Subst. und Adj. wahren’ dagegen die betonte, ur- spränglichere Form ur-, z. B. Urahn, uralt, urbar, Urbild, Urheber, Urkunde, Urlaub, ur- plõtzlich, Urquell, Ursache, Urschrift, Ur- sprung, Urteil usw. In neuern Bildungen hat aur-, mit Substantiven verbunden, den Be- griff des Anfänglichen, Ersten. Mhd. er-, ahd. ur-, ar-, ir-, er-; dazu asächs. d-(aus ar-), betont ur-, ags. d-, betont or-, anord. nur vor Substantiven und Adjektiven or-, got. us-, uz-, ur-. Im Got. und Ahd. auch für sich stehend, und zwar als Präp. mit Dat. in der Bed. c«hervor, aus, von).
zer-, gekürzt aus ker-, bei Luther erab (2. Mos. 11, 8)«herab», erauf(2. Kön. 3, 23) cheraufy, eraus(2. Mos. 8, 18; Jos. 8, 5)«her- ausy, erein(1. Mos. 27, 5) cherein usw.
1-er, an Namen von Orten, Gegenden, Län- dern, z. B. Frankfarter Bürger, das Mecklen- burger Land, Pfälzer Weine. Es ist urspr. der Gen. Plur. männlicher Substantiva auf -er(mhd.-œre,-ere, ahd.-ari,-ari), z. B. Thuringer Marle, ahd. Duringãrõ marca, d. i. Grenzland der Thüringer.
2-er, Komparativendung der Adjektiva, mhd.-er, ahd.-iro und„öro, asächs.-iro (-ero) und öro, ags.-ra, anord.-ri und-ari, got.-iza und-öza. Die Endung ahd.-irο bewirkt Umlaut des Wurzelvokals.
erachten, v.: dafür halten. Mhd. er- ahten, ahd. irahtön«ermessen, erwägen, be- stimmen». Davon der Inf. als Subst. Er- achten n., in meines Erachtens, 1535 bei Micyllus Tacitus 340³, 1545 in Schertlins Briefen 38.
eräugen, eräugnen, s. ereignen.
erbarmen, v.: zu tätigem Mitgefühl be- wegen. Refl. sich e. und unpers. es erbarmt mich mit Gen. des Gegenstandes(bei Luther, 2. Mos. 33, 19). Mhd. erbarmen(mich oder mir erbarmet ein dinc, auch refl. sich er- barmen und trans. cbemitleiden, selten unpers.), ahd. irbarmén, zurückgehend auf ir-bi-armén, got. arman, s. barmherzig. Davon der Inf. als Subst. Erbarmen n., auch schon mhd. 4BL. Erbarmer, m., mhd. erbarmcœre m. erbärmlich, adj. u. adv. Mhd. nur als Adv. erbermeliche, ahd.(bei Notker) erbarmellh «zu bejammernd». Erbarmung, f., mhd. erbarmunge f.; dazu and. erbarmunga f.
erbauen, v.: baulich bearbeiten, anbauen; durch Bau hervorbringen oder gewinnen;
durch Bau auf-, errichten;(bildlich) geistig aufrichten oder erheben; durch Fortpflanzung oder Nachkommenschaft bestehen machen (1. Mos. 30, 3, 5. Mos. 25, 9). Mhd. erbätwen, erbiuaven, erbouswen«an-, bebauen, durch Bau hervorbringen, baulich aufrichten(eig. wie bildlich), bereiten, ausrüsteny. Refl. sich e. «sich geistig aufrichten oder erhebeny. Bei Ludwig 1716. 4B. erbaulich, adj. u. adv.(zu sich e.). Bei Stieler 1691. Er- bauung, f. Bei Stieler 1691.
Erbe, m.(-u, Pl.-n): wer ein Erbe zu erwarten hat oder überkommt. Mhd. erbe, ahd. erbo, eribo, erbeo, drbeo m.; dazu anord. arfl, got. arbja m. Von Erbe, n.(-): nachgelassenes Grundeigentum, hinterlassenes Stammgut; was auf den Sterbfall an einen andern übergeht. Mhd. erbe, ahd. erbi, arbi n.; dazu asächs. erbi, ndl. erf, ags. Yrfe n., anord.(ohne J-Suffix) arfr m., schwed. arf, dän. arv n., got. arbin. Da man mit Sievers Btr. 12, 174 von dem Ntr. Erhe«be- wegliche Hinterlassenschaft) ausgehen mub, so kann man lat. orbus m. Waise?, orbäre cverwaist machen, beraubeny, gr. öpqpovoc m. Waisen(ohne Ableitungssuffix in ôpꝙoßörne &Waisen erziehend), altir. comarpi«Miterbes vergleichen; die Grundbed. von Erhe würe, cwas zum Verwaisten gehörty. Ob die Bedeu- tung«Vieh?, anord. arf m.«Ochse», ags. yrfe orf n.«Vieh», aus der von«Erbe» entwickelt ist, oder umgekehrt, ist nicht ganz sicher. 4B2L. erben, v.: eine Nachlassenschaft zum Besitz erhalten; als Nachlassenschaft auf jemand übergehen. Mhd.-ahd. erben, ndl. erven, schwed. drfva, dän. arve. erblich, adj. u. adv. Mhd. als Adv. erbelichen, im 15. Jh. auch als Adj. erblich. Erbin, f. Bei Pomey 1690, wührend vorher der Erbe auch von der Erbin gesagt wird, z. B. Spr. Sal. 30, 23. Erbschaft, f., mhd. erbeschaft f. ZUS. Erbfall, m.: Anfall eines Erbes, mhd. erbeval m. Erbfeind, m., mhd. erbe- vint m. Erblasser, m.: wer beerbt wird. 1663 bei Schottel S. 333. Vgl. mhd. daz erbe län«das Erbe hinterlassen». Erbschichter, m.: wer ein Erbe ab-, einteilt(Luk. 12, 14). Mhd. erscheint erbeschichtunge f.«Erbteilungy, vgl. schichten. Erbschleicher, m.: der sich in unredlicher Weise um ein Erbe bemüht. 1696 bei Thomasius Ausübung der Sitten- lehre 292. Erbsünde, f.: die angeborne Neigung zur Sünde als Erbe Adams. Mhd. erbesunde f.


