Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
451-452
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451 entwerfen

Epigramm 452

entwerfen, v.: bildend leicht(in Um- rissen) von sich geben(hinwerfen). Mhd. entwerfen zunächst von der Bildweberei ge- braucht, dann s. v. a.«zeichnen, malen, ge- stalten». Entwurf, m. Im 17. Jh., bei Philander(Frankf. 1645) 3, 238; Zesen Ibr. 153.

entwickeln, v.: auseinander wickeln(bei Krämer 1678); aus verworrenem, unvoll- kommenem Zustand genauer im einzelnen gestalten(erst im 18. Jh., bei Adelung 1774). 4BL. Entwicklung, f. Bei Adelung 1774, in der Bed.«Erklärung, Deutung» schon 1645 bei Zesen adriat. Rosenmund 240.

entwischen, v.: mit größter Geschwindig- keit entgehen. Mhd. entischen, ahd. inttoisken.

entwohnen, v.(mit Gen.): aus der Ge- wohnheit kommen, nicht mehr in Gewohn- heit haben(Goethe Faust 4405, Schiller Picc. 1, 3). Mhd. entwonen, ahd. inkwonén, zu- sammenges. mit dem in gewohnen stecken- den ohnen.

entwöhnen, v.: von der Gewohnheit, pes. von der Mutterbrust abwenden und sie vergessen machen. Bei Luther entabehnen und entwenen; im 17. Jh. meist enkzoöhnen (Krämer 1678). Mhd. enkzwenen, ahd. int- wennen. S. gerwwöhnen.

Entwurf, s. enteoerfen.

entziffern, v.:(Schriftzeichen usw.) ent- rätseln. Nach franz. déchiffrer, zu Zifper, das hier wie franz. chiffre die Bed.«geheimes, rätselhaftes Schriftzeichens hat. Bei Adelung 1774 entziefern, 1771 bpei Wieland Amadis 9, 27 entkziffern.

entzücken, v.: im Geist oder Gefühl hinreißen. Mhd. entzucken, entzlchen ist«wo- von wegzucken, wegreißen»; die jetzige Bed. bei Luther. 48L. Entzückung, f. Früh- nhd.(bei Trochus Prompt. O 1b entzuchang cextasis»).

entzünden, v.: in Feuer setzen. Mhd. entzinden, ahd. intzunten. Bei Th. Körner (Schreckenstein V 63), A. Grün und H. Heine im Part. Prät. nach der Volkssprache stark flektiert entzunden.

entzwei, adv.: zerbrochen, zerrissen. Mit ent für frühres en aus mhd. enzoei, ahd. in zxbei, d. i. in mit dem Akk. Plur. des neu- tralen zuwei, urspr.«in zwei Teiley. 4.5.L. entzweien, v.: uneins machen, refl. sich e.: uneins werden, spätmhd. sich enaweien.

-enzen, Ableitungsendung an Verben, bei denen sie ein Khnlichsein, ein Hingeneigtsein zu oder ein Riechen und Schmecken nach

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dem mitteilt, was das Stammwort ausdrückt (S. faulenzen). Mhd.-enzen, ahd. enzön. Material für diese früher häufigere Bidung bei Kluge ZfdW. 6, 40.

Enzian, m.(-S, Pl.-é): die Bitterwurz, lat. gentiana. Im 15. Jh.(Diefenbach. Gl. 260 b, 1491 bei Brack 47); aber schon ahd. encian, genciane. Aus lat. gentiãna f.

Enzyklika, f.(Pl.-en): Rundschreiben des Papstes. Fem. des nlat. Adj. encyclicus, das auf gr. Efxuxxoc(s. d. f.) zurückgeht.

Enzyklopädie, f.(Pl.-n): Lehrkreis der Wissenschaften, auch nur der zu einem Fache gehörigen. Aus dem gleichbed. franz. ency- clopédlie, das auf gr. erxuxkonaideio f.(Erxuxxoc ckreisförmigy und noideia Unterricht») zu- rückgeht. Im 18. Jh. entlehnt(in lat. Porm 1727 bei Hübner), in kürzrer Form bereits 1582 bei Hayneccius Hans Pfriem 3322 Cyclo- pede f., wie engl. cyclopaedia. 4BL. enzy- klopädisch, adj., nach franz. encyclopédique. 1772 in den Frankf. Gel. Anzeigen 583.

Epaulétt, n.(-s, Pl.-en), Epaulétte, f. (Pl.-n): Achselstück. Das gleichbed. franz. épaulette f., Dim. von épaule f.«Achsely. Im 18. Jh. entlehnt(Wagner Kinderm. 289).

ephemérisch, adj.: einen Tag dauernd, eintägig, von Campe mit dauerlos ver- deutscht. Aus gr. éqnuépioc, zusammenge- setzt aus eq-(emi)«füry und einer Ableitung von epa f. Tagy. Im 18. Jh.

Epidemie, f.(Pl.-/): herrschende Krank- heit, Seuche. Aus mlat. epicemia, dem Fem. des Adj. epidemiues, gr. émidmuioc«über ein Volk verbreitete(gr. eni«darauf, darüber?, duoc m.«Volk»), näml. võcoc f.«Krankheit». Bei Sperander 1728. 48L. epidémisch, adj.: seuchenartig. Von Gombert 8, 20 aus dem J. 1681, epidemlalisch vom J. 1574 nach- gewiesen.

Epigönen, Plur.: Nachgeborene, Nach- kommen. Von dem gleichbed. gr. enirovor (éxi darauf, danach?, vTvor Pl. von †évoc«Ge- borenery zu rifveiv«gebären»). Bei Adelung.

Epigrämm, n.(-s, Pl.-e): Sinngedicht. Von gr. Jat. epigramma, gr. entrpauua n., eig. «Aufschrift⸗(von emi[s. oben] und vpdua zu Tpdceiy«schreiben»), dann«Sinngedicht». Im 18. Jh., meist mit dem Plur. Epigrammen (Lessing 12, 119. 8, 469 u. ö.). 4BL. epi- grammätisch, adj. Nach gr.-lat. epigram- maticus. Bei Lessing 5, 60. Aber epigram- matisieren bereits 1668 bei Erasm. Francisci ost- und westind. Staats- u. Lustgarten 1, 185 2.