Ehre 408
407 ehemals
ehemals, adv. Mhd. 5 mäles, d. i. é als Präp. mit dem Gen. von mäl Zeitpunkty (S. Mal), bei Luther noch getrennt ehe mals, sonst auch älternhd. cehemal. 43. ehe- malig, adj. Bei Stieler 1691.
Ehemann, s. Ehe.
ehender, adv.: eher. Oberdeutsch(älternhd. auch in der Literatur, z. B. bei Albertinus, Grimmelshausen). Mit Anlehnung an ehe und angetretener Komparativendungzurückgehend auf mhd. end, ent, konj.«ehe, bevors, ahd. enti «frühery; dazu ags. end, anord. ãdry«vorher», lat. aute«vory usw.
Ehepakten, s. Ehe.
eher, s. ehe. Vgl. auch zwannehr.
ehern, adj.: aus Erz bestehend. Bei Luther ehrn und(unter Einfluß von kupfern, steinern usw.) ehern. Aus mhdâ.-ahd. érin, abgeleitet von ér, s. Erz.
ehest, Superlativbildung zu eche. In der Kanzleisprache des 16. Jh. Davon ehestens, adv.: in nächster Zeit. Entstanden mit an- getretenem s aus dem Gen. des ehesten(da- neben auch älternhdl. ehestes).
Ehestand, s. Ehe.
Ehre, f.: das Ansehen, das jemand auf Grund seiner Stellung oder seiner Vorzüge genießt, sowie die Bekundung dieses Anschens durch andere, Auszeichnung; das auf dieses Anschen begründete Selbstbewußtsein. Schon bei Luther und Dasypodius 1537 mit dehnen- dem h Ehre. Mhd. ére, ahd. éra f.; dazu asächs. éra f.«Ehre, Schutz, Gnade, Gabey, ndl. eere f., ags. dr f.«Ehre, Glanz, Gnade, Hilfen, anord. eir f. Gnade, Barmherzigkeity, (entlehnt) schwed. ära, dän. ärye f. Got. wäre diza f. anzusetzen, zu dem aistan«sich vor jemand scheuen, ihn achten⸗ gehört, das mit lat. aestimäre«würdigens» verwandt ist. Dazu weiter gr. didonar«scheue, verehre?, didic«Ehrfurcht, Scheu, Scham», und viel- leicht auch ai. 7d5 verehre, preise, flehe any. Doch bleiben lautliche Schwierigkeiten. Vgl. Walde s. v. Ehren, Ehrn vor Namen(z. B.
Ehren Loth Bürger 226) gehört urspr. nicht hierher, sondern geht zurück auf mhd. ern (zum Nom. er), abgeschwächte Form aus herren(au herre). 4B. ehrbar, adj. u. adv. Mhd. érbœre, dazu ndl. eerbaar. ehren, v., mhd. ëren, ahd. érén, éron; dazu asächs. érön, ags. drian. ehrlich, adj. u. adv. Mhd. érlich, ahd. érlih canständig, herrlich, ehren- hafty; dazu asächs. érläk, ags. drlic. Ehrlich bedeutet im ältern Nhd., z. B. bei Luther,
noch«ansehnlich, vornehm; redlich, ohne Falsch; ziemlich, anständig», während heute neben der allgemeinen Bedeutung zuver- lässig in bezug auf fremdes Eigentum) die von«tüchtig, ordentlich, ziemlichy vorliegt. ehrsam, adj. u. adv., mhd.-ahd. ersam ehr- bary, so auch im ältern Nhd., besonders in Titeln üblich und dann im Gefühlswert sinkend. ZUS. 1) mit Ehr-: ehrerbietig, adj. u. adv. Schon im 15. Jh., wie auch Ehrerbietung, f.(Germania 28, 365), Ehr- erbietigkeit, f. 1562 bei Mathesius Sa- repta 131 b. Von mhd. eineyz ére erbieten. Ehrfurcht, f., am Ende des 17. Jh. auf- gekommen(1698 bei Chr. Gryphius poet. Wälder 303), aber noch 1759 von Dornblüth 139 als neu ersinnt bezeichnet. Dagegen das Adj. ehrfürchtig schon im 16. Jh. Ehr- geiz, m. Bei Luther, während sonst im 16. Jh. noch oft Ehrgeit(Alberus Dict. cc 3²), s. Geiz. Davon ehrgeizig, adj., bei Luther, daneben ehrgeitig, wie bei Alberus und Maaler. ehrlos, adj. u. adv. Mhd.-ahd. érlös, ags. arléas. Ehrsucht, f. Bei Luther. Ehr- würde, f., im Pl. Ehrwürden, Titel geist- licher Personen. Im 16. Jh. Davon das Adj. ehrwürdig, mhd. érewirdic, auch als Ehr- bezeichnung für geistliche Personen üblich. 2) mit Ehren-: Ehrenamt, n., 1536 bei Polychorius Sueton 48 b ehrenämpter. ehren- fest, adj. Spätmhd. érenvest als auszeich- nendes Beiwort. Ehrengericht, n.: Ge- richt, das in Ehrensachen entscheidet. Bei Adelung. ehrenhaft, adj. u. adv., 1598 bei Sebiz Feldbau 404 ehrnhafft, dafür mhd. érhaft. Ehrenmann, m., frühnhd. (Murner Narr. 13, 74). Ehrenpreis, m., die (vor andern heilkräftige). Pflanze veronica. 1500 in Brunschwygs Kunst der Destillirung und 1540 in Bocks Kräuterbuch 762 erenbreiß, 1571 in Carrichters Kräuterbuch und 1574 bei Fischart Onom. 42 Erenwerdt, auch Grund- heil(Grundthegl bei Fuchs 1542) und Heil aller Schadden, Heil aller Welt(schlesisch). ehrenreich, adj., mhd. érenrich. ehren- rührig, adj., frühnhd. Ehrensold, m., von Campe gebildet. ehrenvoll, adj., 1616 bei Henisch 811. ehrenwert, adj. u. adv., bei Luther. Ehrenwort, n.: Aussage, für die man seine Ehre zum Pfande setzt, 1789 bei Ludwig; früher in der Bed. chöfliche Redensarty, 1561 bei Maaler Kerenaort, wäh- rend Henisch 1616 Ehrwort hat und schon 1512 Murner Narrenbeschw. 88, 17 Erwort.


