Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
397-398
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397 Durst

Düte 398

Durst, m.(-es): Verlangen zu trinken; (bildlich) heftiges brennendes Verlangen wo- nach. Mhd. ahd. durst m.; dazu asächs. thurst, ndl. dorst, ags. Pyrst m., engl. thirst, anord. horstim., schwed.-dän. först, got. weitergebildet haurstei f.«Durst». Abgeleitet mit Erhaltung des ursprünglichen s von der Wurzel des got. Bairsan(s. dorren und dürr). Es weist also urspr. auf Därre im Schlunde, die zum Trinken reizt. 4B L. dursten und(nament- lich in übertragenem Sinn) dürsten, V.: Durst empfinden. Mhd. dursten, dürsten, ahd. dursten; dazu asächs. thurstian, ndl. dorsten, ags. Byrstan, engl. thirst, anord. Hyrsta, schwed. första, dän, törste. Im Got. ohne ableitendes- Paursjan«dürsteny, das der Lautverschiebung gemäß mit aind. tysſati dürsten» übereinstimmt, vgl. auch aind. frsüs cdurstig, verlangend», den Lauten nach das deutsche dürr(s. d.), eig.«verlangend nach etwas». durstig, adj., mhd. durstec, ahd. durstac; dazu asächs. fhurstig, ndl. dorstig, ags. Pyrstig, engl. thirsty, schwed.-dän. törstig.

dürstig, adj.: verwegen, s. kürstig.

dürstiglich, durstiglich, adv., s. fiürstig.

dus, adj.: in sich gekehrt, schüchtern, still; glanzlos matt. In ober- und mitteld. Mundarten, auch bei H. L. Wagner Kinder- mörderin Akt 5 sie war immer 30 daß, S0 fromm aie ein Lamm. Nicht aus franz. douæ «sanft, mild, ruhig», das allerdings eingewirkt haben kann. Vielmehr zu dösen(s. d.) und Dusel(s. d.) gehörig, s. auch düsseln. Frühnhd. und noch jetzt mundartlich erscheint auch ein abgeleitetes dusam, dusmig, adv.«schüch- tern, still; trübe», das schwerlich aus doucement hervorgegangen ist.

Dusche, f.(Pl.-n): Brause; Sturzbad. Aus gleichbed. franz. douche f., das aus ital. doccia f. stammt. Dies setzt ein vulgärlat. quctia voraus, das von däcere«führen» ab- geleitet ist und eigentlich«Wasserleitung⸗ bedeutet. Neue Entlehnung.

Düse, f.(Pl.-n): Mündung des Gebläses in Hüttenwerken. Aus czech. duse f.«Höhlung des Geschützesy, abg. dusa f.«Hauch, Seele, Kerny. 1562 bei Mathesius Sar. 211 b küsel, 2132 thäsel m.

Dusel auch Dussel, m.: Schwindel; Geistesbetäubung; Geistesdumpfheit; Glück. Daneben Dusel, Däsel, m.: dummer Kerl. Zunächst ndd., aber auch in ober- u. mitteld. Volkssprache(im 16. Jahrh. dusel, dussel Dämmerungy, obd. auch«Qualm, ansteckende

Krankheit»). Mit d für ursprüngliches t wie in dus, dösen(s. d.), dösig. Vgl. noch ahd. tusic«geistesstumpf, unverständig, töricht», mnd. dusich«betäubt, schwindelig», ndd. däsig (mit Unrechtjetzt diesig geschrieben), ags.-εig ctöricht, engl. dizzy,«töricht, schwindeligꝰ. Verwandt ist auch noch mit Übergang des s in r Tor m.(s. d.). 45 L. duselig, dusselig (Goethe 27, 371), adj. Dazu ndl. duizelig «schwindeligy. duseln, dusseln, v.: betäubt sein, schlummern: geistesbetäubt, geistesdumpf handeln. Dazu ndl. duizelen«schwindelig seiny. 20S. Duseltier, n.: Schimpfwort in Nordd.

düsseln, v.: leise reden(Schiller 1, 343); sich still verhaltend worauf sinnen(Schiller Räuber 1, 2). Aus dem Schwäb.-Alem., wo düsle neben düseme steht, vgl. dus. Mhd. täz astill», küzen estill seins, tützen, ahd. kutzen rum Schweigen bringen?(s. verdutzt) sind wohl fernzuhalten.

Dust, m.(-es): Staub. Bei Goethe Faust 1116 und 6758. Aus dem Nâd.(mnd. dast m.«Staub, Spreu», daher bei Schottel 1663 dust«Dampf, Rauch»); dazu ndl. duist n., ags. däüst, engl. dust, anord. dust n.«Staubs. In allen diesen Formen ist vor weg- gefallen, das Wort ist also eig. mit Dunst (§. d.) identisch.

düster(mit F), adj. u. adv.: dunkel, trübe, lichtlos. Aus dem Ndd., schon mnd. daster; dazu asächs. fhiustri, ndl. duister, afries. fhius- tere, ags. Pistre, Péostre«dunkel). Kaum entsprechend dem von thimm(s. Dämmer) abgeleiteten asächs. thimstar, ahd. dimstar(s. finster), wiewohl sich ein Übergang zeigt in älternhd. dünster(von dumpfem Geklingel, Simpl. 3, 98, 31 Kurz). Das Wort ist im 16. Jh. hochd. noch selten, Luther hat ver- einzelt duster, Mathesius tuster, Henisch 1616 duster, im 17. wird es häufiger(z. B. Mo- scherosch Phil. 2, 585), auch von Schottel und Stieler verzeichmet, doch weist es noch Adelung 1793 den gemeinen Mundarten zu. Jetzt ins Pfälz. und Schwäb.-Alem. als duster eingedrungen, hess.-nass. mit regelrechter Ent- wicklung des alten i zu eu deuster. Davon Düster, n. Am Ende des 18. Jh.(Voß 2,233). 4BL. Düsterheit, daneben Düstern- heit, f. Bei Stieler 1691. düstern, v.: düster werden(Goethe 6, 182, unpersönlich 3, 19), düster machen(Goethe 16, 352). Nâd. im 15. Jh. dustern. Düsternis, f. Ndd. u. md. im 15. Jh. düsternis.

Düte, s. Tüte.