395 Durchmesser
dürr 396
drängt, nach Adelung nur Kanzleiwort(doch noch bei Schiller Wall. Lag. 11).
Durchmesser, m.: eine gerade Linie, die eine Figur in zwei gleiche Teile teilt. Als Ubersetzung von Diameter m., gr. did- Herpoc f. 1670 bei Joh. Christoph Sturm teutscher Archimedes.
durchs, zusammengezogen und verschleift aus durch das. Mhd. durchz, durchez aus darch daz.
Durehschlag, m.(-es, Pl. Darchschläge): siebartiges Gerät zur Absonderung des Flüs- sigen, Feinern vom Gröbern; Kopie der Schreib- maschine. Spätmhd. durchslag m., von darch- slahen, ahd. daranslahan«durchlöchern, durch- drückeny.
Durchschnitt, m.(es, Pl.-e): Durch- schneidung(1561 bei Maaler); eine durch- schneidende Linie(Beleg von 1684 bei Gombert 8, 9), im 17. u. 18. Jh. Durchmesser(1853 bei Harsdörffer mathem. Erquickstunden 3, 394); Darstellung eines durchschnitten gedachten Gegenstandes(bei Ludwig 1716); Mittelzahl, Mittelwort(Brockes 3, 233). 4L. durch- schnittlich, adj. u. adv.(nach der letzten Bed. von Durchschnitt). In der neuern Sprache.
Durchsicht, f.: Blick durch etwas hin- durch; zu einem solchen Blick geeigneter Ort; prüfendes Durchlesen. Erst bei Stein- bach 1734. Gebildet von dem Adj. durch- sichtig, mhd. durchsihtec.
durchstankern, durchstänkern, v.: in kleinlicher Weise durchsuchen, eig. durch- schnüffeln, durchriechen. S. stankern. Im 17. Jh. in Mitteldeutschland(z. B. bei Weise Hauptverd. 28), aber von Gellert 4, 20 als nicht schriftsprachliches Wort gerügt.
Durchstecherei, f.: in heimlichem Ein- verständnis mit andern bewirkte Betrügerei. Bei Frisch 1741 aus älterer Quelle belegt. Von dem älternhd. mit einem durchstechen (noch bei Lessing 10, 209): mit einem andern Betrügerei heimlich verabreden, eig. wohl «die Karten durch Durchstechen kenntlich macheny, vgl. abkarten. Andre knüpfen an die betrügerischen Kniffe der Riemenstecher (s. d.) an, die sich auf Jahrmärkten produ- zierten. Schon mnd. dorchstelcen hat den Sinn cbetrügen».
durchtrieben, adj.: von Anfang bis zu Ende bewandert und ausgelernt; aller Schlau- heit voll und unermüdlich darin. So in Bez. auf Böses schon mhd. durchtrihen, das
Part. Prät. von durchtriben ædurchstreifen, durchwandern», dann s. v. a.«geistig durch- dringenꝰ.
durchwamsen, s. v. wie abzwaꝛsen(s. d.).
durchwég(und dürcheoeg), adv.: ohne Ausnahme; allemal. Zusammenrückung der Präp. durch mit dem Akk. Sg. Weg, vgl. himweg. Das von Adelung 1793 noch nicht verzeichnete Wort wird von Heynatz 1796 als niedersächsisch aufgeführt.
dürfen, v.(Präs. darf, Pl. dürfen, Prät. durfte, Konj. dürfte, Part. gechurfk): nötig haben(noch häufig bei Luther, auch später altertümelnd, z. B. Claudius 3, 130, heute dafür bedlürfen); Ursache haben; Freiheit wozu haben. Mhd. dürfen, durfen«nötig, Ursache, Freiheit haben», ahd. darfan Not leiden, Not habeny; dazu asächs. Hardan, ndl. durven, ags. pur fan, afries. ihurua, anord. purfa, schwed. karfva, dän. tarve, got. Haurban(Präs. arf, Prät. Paurfta)«nötig haben». Die Grundbed. ist entbehren, wie sie auch in darhen(s. d.) erscheint, vgl. noch bieder, verderben. Mit älternhd. kitrren(s. d.)«sich getrauen, wageny, das durch dirfen völlig verdrängt wurde, hat dieses Wort nichts gemein. Das Prät. lautet mhd. dorfte, Konj. dörfte, Part. gedlorft, im Nhd. ist meist(schon bei Luther) nach dem Inf. dürfen u eingedrungen, doch haben andre in umgekehrter Ausgleichung dörfen, Praät. dorfte, Part. gedörft, so 1574 Olinger Gramm. 89 und noch bis ins 18. Jh.(1741 bei Frisch dörfen). Das Part. lautet schon frühnhd.(anch bei Luther) in Verbindung mit einem Inf. irfen.
Durft, nur in Notdurft(s. d.).
dürftig, adj. u. adv.: wie bedürftig; Mangel an Unentbehrlichem leidend, arm; armselig, unzureichend. Mhd. dürftic, ahd. darflic; dazu asächs. fhurftig, anord. Hurftugr. 43 L. Dürftigkeit, f., mhd. dürflicheit f.
dürr, unverkürzt(bei Luther) dirre, adj. u. adv.: der innern lebenskräftigen Feuchtig- keit günzlich benommen; mager. Mhd. dürre, ahd. durri; dazu asächs. thurri, mndl. dorre, ndl. dor, ags. Pyrre, anord. purr, schwed. torr, dän. för, got.(mit der ursprünglichen Laut- verbindung /s) Haursus. Zu dem bei dorren (8. d.) angegebenen got. Wurzelverbum Hairsan, vgl. auch Durst. 4BL. Dürre, f., mhd. därre, ahd. durri f. ZUS. Dürrfleisch, n., auch (mit der md. Form dörr= dirr) Dörrfleisch n.: in Rauch gedörrtes Fleisch. Schon bei Hans Sachs 1, 330°.


