Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
357-358
Einzelbild herunterladen

357 Dietrich

dingen 358

Dietrich, m.(-s, Pl.-e): Nach-, Diebs- schlüssel. Schon spätmhd. dieterich, bei Luther dietrich, bei Alberus Dict. Bb. 2 b dietherich. Wohl von dem Mannsnamen Dietrich, mhd. Dieterich, ahd. Diotrih, latinisiert Theoderi- cus(zusammengesetzt aus mhd. diet, ahd. diot Volk», s. deutsch und-rich«Herrschery, s. rich), zumal da der Nachschlüssel im Ndd. neben Dierken(von Dierk, der ndd. Diminutiv- und Koseform von Dietrich, daher schwed. dyrlc und dän. dirk m.«Nachschlüssel») auch Peterkxen, d. i. Peterchen heißt. Spätahd. sagte man afterslazel m., mhd. miteslitzzel m., auch im 14. Jh. diebslissel.

dieweil, adv. u. konj.: in der Zeitdauer daß; aus der Ursache daß. Die zusammen- gerückten Akk. Sg. die wile, ahd. dia wila, die zunächst als Adv. der Zeitdauer gebraucht wurden. Verstärkt mhd. alle die zwile, al dlie w3le, woraus unser veraltetes alldiezweil.

differieren, v.: verschieden sein. Aus dem gleichbed. franz. différer, das auf lat. difperre«auseinandertragen» beruht. Im 16. Jh. entlehnt(Rot 1571 hat diferirn in der Bed. caufschieben»). 4BL. Differénz, f.: Unter- schied. Aus lat. differentia f. Schon spätmhd.

diktieren, v.: in die Feder sagen, zum Nachschreiben vorsagen; befehlendzuerkennen. Aus lat. dictäãre«wiederholt sagen, vorsagen, befehlen», abgeleitet von dicere«sprechen». Frühnhd.(Reichs-Ordnungen 822 v. J. 1512). 4BL. Diktätor, m.(-S, Pl.-en): unum- schränkter Machthaber. Aus lat. dactãtor m. Frühnhd.(1534 bei Franck Weltb. 75 ²2). dik- tatorisch, adj., Beleg von 1735 bei Gom- bert 8, 5. Diktatür, f.: Machthaberwürde, Hochgewalt. Aus lat. dickäãtũra f. Frühnhd. (Sallust M 2a).

Dilettänt, m.(en, Pl.-en): Kunstlieb- haber. Aus ital. dilettante, eig. Part. Präs. von dilettare«ergötzen, vergnügeny, das aus dem gleichbed. lat. déleckäre. Um 1750 auf- gekommen(bei Wieland Amadis 257, Idris 8 Dilettante, bei Hermes Soph. Reise 3, 52 als «neumodisch» bezeichnet).

Dill, m.(-es, Pl.-): starkriechende, als Zutat an Speisen dienende, in Gärten gezogene Doldenpflanze, anethum. Mit d für ursprüng- liches t(bei Luther noch Till) aus mhd. tille f. m.(n.*), ahd. tilli n.; dazu ndl. dille f., ags. dile f., engl. dill, schwed.(entlehnt) dill m., dän. dildd. Dunkler Herkunft. Im 18. Jh. meist Dille f.(1722 bei Freyer 271 noch T'ille), so bei Heynatz 1775 und Ade-

lung, der das Mask. Dill(das bei Frisch 1741 angesetzt ist) für dialektisch erlärt. Das Fem. ist heute noch bayr.-österreichisch.

Dille, f.: Schloßbeschlag um das Schlüssel- loch, s. T'älle.

Dimensiön, f.(Pl.-en): Ausdehnung. Aus lat. dmensio f.«Abmessung». Bei Wächtler 1711.

Dinér, n.(-*s, Pl.-S): Mittagsmahl. Aus dem gleichbed. franz. diner, eig. subst. Inf. des V. diner, afranz. disner, disgner, ital. disinare, desinare zu Mittag esseny, das wahrscheinlich auf ein mlat.*disjejunare«das Fasten brechen»(von lat. dis- und Jéjtnus «nüchtern) gebildet) zurückgeht. 4 BL. dinieren, v.: ein Mittagsmahl einnehmen. Von franz. diner. Beide im spätern 18. Jh. entlehnt.

Ding, n.(-és, Pl.-e, auch-er):(veraltet) rechtliche und gerichtliche Verhandlung; An- gelegenheit; Gegenstand. Mhd.-ahd. dinc(Gen. dlinges) n.; dazu asächs.-afries. fhing, ndl. ding, ags. Hing n., engl. thing, anord. Hing nur Gerichtsverhandlung, Volksversammlungy, schwed. fing, dän. king, thing n.(auch in Storthing und Folkething«Reichstag in Nor- wegen und in Dänemark»); dazu auch lango- bard. thinæ«rechtliche Schenkungy. Das Wort wird zu got. Heihs n.(aus*inhs)«Zeity zu stellen sein, so daß die Bedeutungsentwick- lung: Termin, Tagsatzung, rechtliche und ge- richtliche Verhandlung gewesen sein wird. Es würde dann zu lat. tempus n. gehören können, wenn man das unregelmäßige p(für gu) durch Entlehnung des Wortes aus dem Sabinischen erklären könnte. Die Bed.«Verhandlung, schimmert noch bei dingen(s. d.) durch. Wegen der weitern Bedeutungsentwicklung vgl. Sache. Vgl. auch Dienstag und verteidigen. Der Pl. lautet bei Luther auch Dinger(Luk. 20, 26), jetzt nur, wenn das Wort die Bed.«gering- wertiger Gegenstando hat oder herabsetzend von Menschen(bes. Mädchen) gebraucht wird, 2. B. Lessing 1, 222, Wieland 21, 203, Goethe 6, 258, Schiller 13, 368. Das Dimin. lautet meist Dingelchen(bei Rädlein 1711 Dingelgen), im Pl. auch Dingerchen. S. Dings.

dingen, v.: worüber verhandeln, insbe- sondere über den Preis von etwas; vertrags- mäßig für Lohn in Dienste nehmen. Mhd. dingen, ahd. dingon und dingen«vor Gericht wofür reden, gerichtlich verhandeln, unter- handeln, besprechend einen Vertrag schließen, vertragsmäßig festsetzen, vertragsmäßig für

23*