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sammenlebender oder auch nur gelegentlich zusammengekommener, namentlich junger Leute(Dasypodius 1537 hat Burß contu- bernium, kriegsleuty, ebenso Maaler 1561, Berghurß bei Mathesius Luther 105 b, sonst ist Burs auch oft«eine Zechgesellschaft»). In der 2. Hälfte des 17. Jh. wird das kollektive die Burs, Bursch auch mit dem Prädikat im Plural verbunden, z. B. bei Opitz Judith 2, 4, Moscherosch Phil. 1, 383, Grimmelshausen Simpl. 84, und daraus dann ein Sing. der Bursch gefolgert, z. B. Moscherosch Phil. 2, 203, neben dem aber die Bursch sich lange er- hält; Duez, Schottel und Krämer kennen nur das kollektive Burs, Bursch(doch verzeichnet letztrer Burschgen n.«giovanetto»), während Stieler 1691 Burs vulgo Bursch als Ehren- name der Studenten, dann aber allgemein für junger Mensch in Handawerks-, Jäger- bursch etc. anführt. Die Flexion ist anfangs stark und schwach, Pl. meist Bursche, wie auch von Adelung und von Heynatz 1775 verlangt wird(noch bei Goethe Faust 2150), jetzt häufiger Barschen. 4L. Burschen- schaft, f., die 1815 zur Pflege vaterländischer Gesinnung geschlossene Studentenverbindung. Davon Burschenschafter, m. burschikös, adj. u. adv.: studentisch-flott. Um 1700 zu- nächst als Adv. mit griech. Endung-ucoc als halbgelehrte Bildung aufgekommen(dältester Beleg von 1720 bei Meier Studentenspr. S. 27, bei Heynatz 1775 besprochen), dann auch als Adj. gebraucht; früher mehr in übler Bed. «studentisch-liederlich», Wallensteins Lager 459, wie stadenticos leben bei Rädlein 1711.
Bürste, f.(Pl.-n): Reinigungswerkzeug aus Borstenbüscheln. Mhd. bürste f., von Borst, Borste(s. d.) abgeleitet. 4B L. bürsten, V, auch s. v. a. trinken, gleichsam die Gurgel putzen, zugleich unter Einfluß von Bars= Zechgesellschafty. Schon im 16. Jh., dann bes. schwübisch, z. B. bei Uhland 53. 270. Eine obszöne noch jetzt übliche Bed. bei Kindleben 1781. Z0S. Bürstenbinder, m. Redensart: saufen wie die Bürstenbinder(im Anschluß an bürsten ctrinken»), schon bei Fischart Barf. 2255.
bürtig, adj.: woher der Geburt nach seiend(Goethe 11, 66). Noch in eben-, voll- bürtig, sonst üblicher gebürtig. Mhd. bürtec, ahd. baurtig von mhd. ahd. bart f. Geburty.
1Burzel, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Pflanze portulaca. Mit Wechsel des Geschlechts aus mhd. burzel, purzel, ahd. hurzela, purzela f.,
von lat. portulaca, das auch umgestaltet zu porilaca(an porcus«Schwein» angelehnt), Porcellana(so ital.) erscheint.
Burzel, m.(-S, Pl. wie Sg.): kleiner dicker Mensch, s. Purzelbaum.
Bürzel, m.(-s, Pl. wie Sg.:) Steißende mancher Tiere. Bei Luther 8, 85 Jen. Piytzel, bei Maaler 1561 Bürtzel. Von südd. borzen, bei Hans Sachs pürtzen«hervorstehen», wahr- scheinlich abgeleitet von mhd. bürn, ahd. burian«in die Höhe halten oder recken». (Daher bedeutet B. mundartlich auch«Erd- erhöhungo).
Busch, m.(-es, Pl. Büsche): Strauchwerk, sowie diesem vergleichbares. Alternhd. auch Pusch(bei Luther, den schlesischen Dichtern des 17. Jh., Steinbach 1734, noch jetzt im schles. Dialekt). Mhd. busch, bosch, md. auch Pusch m., ahd. nur in brämalbusc m.«Brom- beerbuschy; dazu ndl. bosch n. und bos m., engl. bush, schwed. busce m., dän. busk. Ent- lehnt aus mlat. buscus, boscus m. Strauch- werk», woher ital. bosco, span. port. bosque, franz. bois m.«Gehölz, Waldy. Redensart: auf den B. klopfen Nachrichten etc. aus jemand herauszulocken versucheny, eig.«das Wild durch Klopfen aus seinen Schlupf- winkeln auftreiben). 43L. Büschel, m. (-s, Pl. wie Sg.), bei Luther auch Pusschel (2. Mos. 12, 22), mhd. büschel m. buschicht, buschig, adj., spätmhd. puscheht. Z0US. Buschklepper, m.: wegelagernder Räuber. Bei Zesen Ibr. 1, 417 mit ö für e Busch- Klõpper(so noch bei Frisch 1741), bei Schupp 1, 305 mehr hd. Buschklöpffer. Es bezeichnet eig. den, der durch den Wald reitet, den Heckenreiter, denn Klepper(s. d.) ist urspr. sowohl Pferdy als Reitery.
1 Buse, f.(Pl.-n), auch Dim. Bus-chen, n.: feine kurze wollige Härchen wie Flaum; Pflanzenwolle an den Weidenkätzchen. Ober- sächsisch, dazu das gleichbed. schweiz. hasi, büseli(schweiz. Id. 4, 1740) und wohl auch nd. Pose f. Federy.
²Buse, f.(Pl.-n): Katze. Mundartlich, so schweiz. das Demin. Busi, Buüsi n., schwäb. Busi f. Dazu ndd. pFs, ndl. poes, engl. puss, dän. paus, norw. puse. Nach dem Lockruf für die Katze. ZUS. Busekatze, f.
Büse, f.(Pl.-n): leichtes Fahrzeug, bes. zum Heringsfange. 1703 im Zeitungslex. Aus ndl. buis f.«Fischerboot»; dazu engl. bass, altnord. bũza, auch schon mhd.(im Rolands- lied) baze f.«eine Art Schiffy, ahd. bzo m.


