Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
309-310
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309 Bürge

Bursch 310

Ort, Stadt; dazu asächs. burug, burg, ndl. burg, ags. burh(Pl. byrg), engl. borough, anord. schwed.-dän. borg, got. baurgs f. Das spätlat. burgus m. nebst ital. borgo, franz. bourg ist aus dem German. entlehnt. Burg entspricht den Lauten nach genau air. bri, Akk. brigh Berg, Hügel», das wieder in der Bedeutung zu d. Berg stimmt, so daß also Berg und Burg im Ablaut stünden. Der Bedeutungs- wandel erklärt sich daraus, daß man die Niederlassungen gern auf Bergen des Schutz- bedürfnisses wegen anlegte. Andre, vgl. Heyne Deutsche Hausaltertümer 1, 66, stellen burg zu bergen, es wäre dann eine Abstrakt- bildung mit der Bedeutung«Schutz, Bergung». Der Pl. lautet älternhd. wie mhd. Bürge, noch Adelung verlangt diese Form, doch kommt schon früher das von ihm als obd. bezeichnete schwach flekt. Burgen vor.

Bürge, m.(-n, Pl.-n): der wofür Sicher- heit Leistende. Mhd. bürge, ahd. burigo, burgo m.; dazu ndl. borg, ags. borg m. Mit horgen zu bergen gebildet, Bürge daher urspr. wer wofür stehend schont, erhält, vor Schaden hütets. 4BL. bürgen, v.: wofür Sicherheit leisten, mhd. bürgen. Bürgschaft, f., mhd. bürgeschaft f.

Burgemeister, s. Bürgermeister.

Bürger, m.(-S, Pl. wie Sg.): Vollbe- rechtigter einer Stadt(Burg), Ortschaft, eines Staates; Staatsangehöriger außer dem Adel und der Geistlichkeit. Mhd. bürgœre, burgcœre, ahd. burgäri m.«Stadtbewohner»; aus dem Deutschen entlehnt ndl. burger, schwed. bor- gare, dän. borger m. Got. mit andrer Endung paurgja m.«Stadtbewohnery. Alternhd. auch oft(obd.) Burger(noch bei Frisch 1741). 4B. bürgerlich, adj., spätmhd. burgerlich. Bürgerschaft, f., spätmhd. burgerschaft f. Bürgertum, n., erst im 19. Jh. gebildet. 2Z08. Bürgerkrieg, m., im 17. Jh.(Gry- phius Trauersp. 424) nach lat. bellum civile. Bürgermeister, m., spätmhd.(auch bei Luther) burgermeister, daneben aber mhd. (mit Burg zusammengesetzt) bürge-, burge- meister, die auch älternhd. oft vorkommen (Stieler 1691 führt Burgemeister, Rädlein 1711 Burgemeister an) und noch von Goethe (Burgemeister Faust 846, Herm. u. Dorothea 4, 21) gebraucht werden. Entlehnt ndl. baurgemeester, engl. burgomaster, schwed. borg- mästare, franz. bourgmestre m. Bürgerrecht, n., mhd. burgerreht n. Bürgerschule, f., bei Campe 1807 als ein neugebildetes Wort,

die erste Leipziger Bürgerschule wurde 1804 eröffnet. Bürgerworthalter, m.: Stadt- verordnetenvorsteher. In Holstein.

Burgfriede, m.(-us, Pl.-n): Vertrag zu Sicherheit und Ruhe des Burggebietes, sowie diese Sicherheit und Ruhe selbst; der nach seinen Grenzen bezeichnete Burgbezirk. Mhd. burcvricee m.

Burggraf, m.(en, Pl.-en): erwählter Oberherr eines Ganerbenschlosses; Schloß- pfleger;(ehedem auch) Stadtvogt. Mhd. burcgrãve, ahd. burcgrãvo m. ZUS. Burg- grafschaft, f., mhd. burcgräveschaft f.

Bürgschaft, s. Bürge.

Burkhard, Mannesname. Ahd. Burchart.

burlésk, adj.: possen-, spaßhaft, kurz- weilig. Aus franz. burlesque und dies aus ital. burlesco, von ital.-span. burla f.«Posse, Spaß, Spott», das auf einem lat. burrula f. beruht, Dimin. zu burra«zottiges Gewand', Pl.«lüppisches Zeug, Posseny. Bei Sperander 1728 burlesque.

Burnus, m.(Gen. Burnasses, Pl. ohne Endung und Burnusse): Mantel ähnlichen Schnittes wie die maurischen weißen wollenen Müäntel mit Kappe. In den dreißiger Jahren dieses Jh. entlehnt aus franz. burnous m., dies mit span. port. albornoz(al ist der arab. Artikel) aus arab. burnus«längliche Kappe muhamedanischer Mönche, Kleid mit Kapuze.

Bursch(-en, Pl.-en und-e), Bursche (=n, Pl.-n), m: junger lediger Mensch; Student nach dem ersten Studienjahre. Früher auch Pursch(Günther 162, Schiller 11, 314). Mit Ubergang des s in sch nach y, in ähnlicher Begriffsentwicklung wie bei Frauenzimmer (s. d.) hervorgegangen aus Burs, Bursch f. cbeisammen wohnende Genossenschaft männ- licher Personen», das aus mlat. bursa f.(aus gr. Böpca«Fell, Ledery, s. Börse, mit dem Bursche eig. identisch ist)«Geldbeutels, dann «Stiftungskasse zu gemeinsamem Unterhalte vornehmlich der Schüler in den königlichen Schulen, der Hochschule in Frankreich»(ein solcher Stipendiat hieß deshalb ein bursarius), endlich s. v. a. zusammenlebende Genossen- schaft, besonders eine solche, deren Mitglieder aus gemeinsamer Stiftungskasse Unterstützung empfangen. Daraus dann schon in der 2. Hälfte des 13. Jh. mhd. baurse f.«Geldbeutel, dann «Kassey, im 15. Jh. auch zusammenlebende Genossenschaft, namentlich studentische, und gemeinschaftliches Haus derselben»; im 16. Jh. bezeichnet Burs überhaupt eine Schar zu-

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