Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
293-294
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293 Bruch

brüllen 294

was gebrochen ist; Abgebrochenes; Teil eines Zahlenganzen(schon 1514 bei Böschensteyn). Mhd. bruch, ahd. bruh m., zu brechen. 4 BL. brüchig, adj., mhd. brüchic.

Bruch(mit), n., häufigerm.(-es), Pl. Bräü- cher und Brüche): Sumpfboden; Sumpfwiese. Mhd. bruochn. m., ahd. bruohn., dazu mnd. brok n., ndl. broekc f., ags. broc«Bach, Gießbach, engl. brook«Bach». Dunkler Herkunft; kaum zu brechen, als Ort wo Wasser hervorbricht oder zu brack(s. d.). Redensart: in die Brüche gehen«verloren gehen», eig.«in den Sumpf geraten⸗(vgl. in die Pilze gehen). 4BL. bruchig, adj., spätmhd. bruochig und bruocheht.

s Bruch(mit), f., auch n.(Pl. Brüche): Art Hosen. Nur noch mundartlich(Schweiz). Mhd. bruoch f. n., ahd. bruohha f. und bruoh n.; dazu mnd. brök, ndl. broekc, ags. brõc f., engl. breeches(ein Pl.), anord. brök f., schwed. brok, dän. brog«Hose). Dazu ags. bréc«Steißy. Übereinstimmend mit gall. lat. brãca f.«Hosey, afranz. braies, ital. brache Pl., das wahrschein- lich auf das deutsche Wort zurückgeht. Weiter vergleicht Schrader ZfdW. 1, 238 lat. Se†frägines«Hinterbug der Tierey, so daß die Bedeutung des ags. Wortes am ur- sprünglichsten wäre. Unsicher.

Brüche, f.(Pl.-n): Vergehen(Gesetzes- bruch); Buße in Geld dafür. Nach dem ndd. Pröke f., mnd. broke m.(bei J. Möser Brüchte m.)«Vergehen, Geldstrafe dafürs, das zu 1 Bruch gehört. Bei Schottel 1663 bruchig. brüchig, s. 1Bruch.

Bruchstück, n. Als Verdeutschung des lat. fragmentum in den ersten Jahrzehnten des 17. Jh. aufgekommen; schon bei Duez 1642.

Brücke, f.(Pl.-n): über einen Fluß, Graben oder eine Schlucht gebauter Weg von Holz oder Stein. Mhd. brugge, brucke und brügge, brücke, ahd. brucka f.; dazu ndl. brug, ags. brycg, engl. bridge, anord. Pryggja Landungsbrücke, Hafendammꝰ, schwed. brygga f., dän. brygge«Brückey». Im Nord. existiert außerdem eine Form ohne Guttural anord. brã f.«Brücke», schwed.-dän. bro. Diese ist zu abg. bräüwi«Brücke, Augenbrauen zu stellen, wozu weiter gr. öqpòc m. Augen- braues, und führt auf eine Grundform*prulo-; die Form mit Guttural(got.*braga) hat sich aus dieser entwickelt. Das Wort ist also mit«Brauen zu verbinden, wobei aller- dings die Bedeutungsentwicklung nicht klar ist. Oder es ist als Grundbed. nach dem verwandten

schweiz. brügi(brüge bei Maaler 1561)«er- höhter Bretterboden, Brettergerüsty, die von chölzernes Gerüst» anzunehmen(obd. Bruck auch cbreite Liegestatt von Brettern am Ofen, Gestell» u. dgl.), vgl. noch Prügel. 43L. brücken, v.: eine Brücke oder als Brücke bereiten; mit einer Brücke versehen. Mhd. brüchen, ahd. bruckön; ags. brycgian ist «pflastern?.

brudeln, s. brodeln.

Bruder, m.(-S, Pl. Brüder): Person männlichen Geschlechts, die mit einer andern dieselben Eltern oder denselben Vater, die- selbe Mutter hat; Person gleichen Amtes oder Ordeus. Mhd. bruoder(Pl. bruoder, erst spät brüeder), ahd. bruodar; dazu asächs. bröthar, ndl. broeder, ags. brödor, engl. brother, anord. brothir, schwed.-dän. broder, bror m. Über- einstimmend mit lat. frãter, gr. pdrup(Mit- glied eines Geschlechts), ir. bräthir, aind. bhrãtã, abg. bratu, lit. bröterélis, arm. esbair m. Neben der starken Flexion findet sich älternhd. auch die schwache, noch häufig bei den Dichtern der schlesischen Schule. 4B8 L. brüderlich, adj. u. adv., mhd. bruoderlich, brüederlich, ahd. bruodarlih; dazu Brüder- lichkeit, f., 1778 bei Lavater Aussichten 4, 22. Brüderschaft, f. Klternhd.(vom Sing. gebildet) Bruderschaft, mhd. bruoderschaft, ahd. bruodarscaf f., dazu asächs. bröderskepi m.

Brühe, f.(Pl.-n): zusammengesetzte Flüssigkeit, besonders gekochte. Mhd. brüeje f. Von brühen, v.: mit heißer Flüssigkeit be- gießen, daß sie einbrennt;(älternhd.) brüten (bei Luther ausbrüen causbrüten» Hiob 39, 14, auch bei Alberus Dict. Hh 2 b und HH 2⁵). Mhd. brüejen, brüen«mit heißem sengen?; dazu ndl. broeijen«erwärmen, brüten». Ver- wandt mit braten(s. d.), Brodem und brauen. S. auch Brut.

Brühl, m.(-és, Pl.-e): mit Gras und Büschen bewachsene tiefe Fläche; bebüschte tiefe, nasse Sumpfwiese; Sumpflache. Mhd. brüel, ahd. pruil, proil m., dazu mnl. proiel «Tiergarteny. Aus dem Romanischen, wo ital. broglio m.«Kũüchengarten?, prov. bruelh, franz. breuil m.«Gebüsch», mlat. broilus, brogilus umzäuntes Gebüsch oder Baumstück, Wäld- cheny, die wahrscheinlich aus dem Keltischen (vgl. breton. bro«Gegend») stammen.

brüllen, v.: erschütternd schreien, in tiefem Ton erschütternd schallen. Mhd. bräelen, daher auch älternhd.-obd. brülen und noch jetzt mundartlich: im Ablaut zu dialek-

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