261 bockig
Bogen 262
bockig, adj. u. adv.: wie bockheinig; nach dem Bocke verlangend; nach dem Bocke rie- chend oder schmeckend. Klternhd. bockicht, mhd. dafür böckisch(noch 1678 bei Krämer).
Bockpfeife, f.: Dudelsack mit Bocks- hörnern. Bei Krämer 1678.
Bocksbart, m.: herabhangendes Kinnhaar des Bocks;(nach der Ahnlichkeit) Name meh- rerer Pflanzen(in frühnhd. Glossaren).
1Bocksbeutel, m.: Hodensack des Bocks (bei Stieler 1691);(nach der Ahnlichkeit) Plasche zu Würzburger Steinwein.
²Bocksbeutel, m.: der steif bewahrte alte Brauch, das steife Kleben an einmal vor- handener Gewohnheit. Zurückgehend auf das ndd. holssbüdel(zusammeng. aus dem Gen. Sg. von bok Buch» und bädel«Beutel»), das als hamburgisch mehrfach in der Mitte des 17. Jh. bezeugt ist. Die Benennung stammt daher, daß früher die Hamburgerinnen an der Seite einen Beutel hängen hatten, wo- rin sie ihr Gesangbuch und andres trugen und diesen Beutel herkömmlich anbehielten, so daß er dann zum Sinnbild für das Haften an alter Gewohnheit wurde(vgl. Heitmüller in seiner Ausgabe von Borkensteins Bookes- peutel S. IX fg.).
böckseln, auch böcksern, v.: bockartig riechen oder schmecken. Statt böckzeln, ab- geleitet von mhd. bockezen æstinken wie ein Bock»(noch bei Schottel 1663, Rädlein 1711 bölzen, bei Duez 1664 und bei Stieler 1691 dafür bockenzen, älternhd. auch böckeln, bei Maaler 1561 böckelen).
Bockshorn, n.: Horn eines Bocks; Name mehrerer Pflanzen, namentlich des Johannis- brotes und der cassia fistula(beides schon spätmhd.). Redensart: ins B. jagen«in Angst versetzen, kleinmütig machen» zuerst bei Brant, Narrensch. 160 b, im 16. Jh. sehr gewöhnlich). Vielleicht eine Nachbildung der ital. Redens- art dar Perba cassia(dafür altital. auch caccia) a qualcheduno«jemand den Laufpaß geben, ihn wegjagen, mit Beziehung auf caccia Jagd (dergl. Wendungenmit AnspielungaufPflanzen- namen waren sehr gewöhnlich); im Deutschen wäre cassia(caccia) durch Bockshorn übersetzt, außerdem noch durch Jjagen wiedergegeben. Anders Borchardt-Wustmann 75. Zfd W. 4, 330.
Boden, m.(-S, Pl. Böden): der unterste Raum wovon als Unterlage; Raum unter dem Dach als Aufbewahrungsort. Mit Abschwä- chung des Suffixes-em zu-en(schon bei Luther in der Bibel B., doch daneben Bodem
pis ins 18. Jh., sogar noch bei Rückert, so- wie mundartlich) aus mhd. bodem, auch schon boden, ahd. bodam m.; dazu asächs. bodam, ndl. bodem und(mit Übergang des d in t) ags. botm, engl. bottom, ferner mit einem n- Suffix anord. botn, schwed. botten m., dän. bund(aus budn). Urverwandt sind(ebenfalls mit n-Suffix) lat. fundus, aind. budhnäs, sowie gr. rueunv( für ꝙ wegen des 6) m.«Grund, Boden». Im Pl. ist Umlaut eingedrungen (Luther hat noch B.), doch nicht durch- gängig; Adelung weist die Form B. haupt- sächlich dem Niederdeutschen zu.
Bodmerei, f.(Pl.-en): An- und Darlehen auf den Kiel eines Schiffes oder auf dieses selbst zu hohen Zinsen, wenn das Schiff glück- lich den Ort seiner Bestimmung erreicht, aber zum Verluste der Anforderung des Darleihers im unglücklichen Fall. Aus dem gleichbed. ndd. bodmerle, ndl. bodemerij f., engl. bottomry, von ndd. ndl. bodem m., engl. bottom Kiel (unterster Boden, Grundbalken) des Schiffes».
Bofist, Bovist, m.(-es, Pl.-e): zischend platzender Staubschwamm. Grundlage des mundartlich in verschiedenen Formen auf- tretenden Wortes ist wahrscheinlich das in Glossaren des 15. Jh. belegte vohenfist, zu- sammenges. aus vohen-(zu mhd. poOkhe f. Füchsins) und fist m. cleiser Bauchwind. Derselbe Schwamm heißt gr.-neulat. Iycoper- don n.«Wolfsfist»(ndl. wolfsueest f.). Das später unverständlich werdende vohen- wurde mehrfach umgedeutet, so entstand ndd. bo- fist(zu bove«Bube»), das später ins Hochd. eindrang, und pofist(zu po Pfau»), beide auch in hd. Form als Bubenfist(1546 bei Bock 3, 1 ⁵), Pfauenfist.
Bogen, m.(-, Pl. Bogen u. Bögen): Krüm- mung als Abschnitt einer Kreislinie; Waffe mit solcher Krämmung; zusammengelegtes (gebogenes) Papier von einer bestimmten Größe. Aus mhd. boge, ahd. bogo m.; dazu ndl. boog, ags. boga, engl. boνο, anord. bogi, schwed. bäge, dän. bue m. Zu biegen. An Stelle der schwachen Flexion im Mhd. ist die starke getreten; doch älternhd. N. Sg. auch noch Boge(bei Luther, doch Hiob 20, 24 Bogen), Bog. Der Pl. nimmt jetzt Umlaut an, namentlich süddeutsch(auch bei Goethe, Schiller), doch steht daneben das nicht um- gelautete Bogen. 4BL. bogig, adj.: Bogen- form habend. Bei Stieler 1691 bögicht. Bog- ner, m.: Verfertiger von Bogen zum Schießen, mhd. bogencre m.
17*


