259 Blüte
bocken 260
fließende Wundey, zusammenges. mit Runs (s. d.). Alternhd.(auch bei Luther) meist blutrüstig, mhd. 1335 bluotristic(durch Ein- fluß von mhd. bluotrisec«blutrünstig,-risec zu risen«fallen»). blutsauer, adj.: sauer bis aufs Blut, bei Luther. Blutschande, f.: geschlechtliches Verbrechen bei Blutsver- wandtschaft. Bei Luther. Blutschreier, m.:(im mittelalterlichen Gerichtsverfahren) der Mordio hinter dem Totsehläger und vor dem Blutgericht ruft, 1741 bei Frisch. Blut- schuld, f.: Schuld durch verbrecherisches Blutvergießen. Bei Luther. blutwenig, adj. u. adv.: sehr wenig. Um 1700(Schel- muffsky 116). Blutwurst, f.: mit Blut ge- füllte Wurst. Frühnhd.(1517 bei Trochus Q1 bluetworst). Blutwurz, f.: plutstillen- des Kraut, tormentilla, ahd. Dluotaurz. Blut- zeuge, m.: Märtyrer, im 17. Jh. 2) mit dem Gen. Bluts-: Blutsfreund, m.: Blutsver- wandter, bei Luther Blatfreund.
Blüte, f.(Pl.-/): Entfaltung der Knospe zur Fruchtbildung; eine solche aufgegangene Knospe;(bildlich) Zustand ganz nach Wunsch. Aus dem Pl.(bläete) des mhd.-ahd. Dluot f.; dazu ags. Dléd(aus*b˙O⁴i-) f. Zu bläühen. Bei Luther Blüet, landschaftlich noch vielfach Blat, z. B. obersächs. Baumblact.
Blutegel,-gang,-geld usw., s. Blut.
blutt, adj. u. adv.: bloß, entblößt, ohne alle Bedeckung, kahl(Uhland 318 blatt und bloß). Mundartlich(bayr.- schwäb.-schweiz.- elsäss., am Rhein und ndd.). Spätmhd. ver- einzelt blut, dann bei Keisersberg, Brant, Murner u. a., auch von Dasypodius und Maaler angeführt. Weiter scheint ein land- schaftliches blutig(Weise Erzn. 11, Schel- muffsky 80 Keinen blutigen Heller) hierherzu- gehören, wofür obd. bluttig vorkommt. Da- zu ndl. Blut, bluts, blutsch«kahl, leery, dün. (entlehnt aus dem Nd.) blot. Das Verhält- nis zu blo ist unsicher; wahrscheinlich ist blöde(mit Ablaut) zunächst verwandt, das ndd.-hd. blutt könnte aus*blanṕpa-(assimiliert aus*blaena-) erklärt werden.
blutwenig, Blutwurst, Blutzeuge, s. Black.
Bö, f.(Pl.-en): heftiger Windstoß. Aus ndd. böe, unbekannter Herkunft; dazu ndl. bai, schwed. by, dän. byge f.«Regenschauer, Sturm, Windstoß.
Boberéll, Boberelle, f.(Pl.-n): Juden- kirsche. Spätmhd. boborel! aus dem uner- lclürten mlat. Namen boborella f.
Bocher, m.(-s, Pl. wie Sg.): Jüngling, Student. Im Judendeutsch, aus hebr. bãchür «Jünglingy.
1Bock, m.(-es, Pl. Böcke): das Männchen der Ziege, dann auch der Gemse, des Rehes, Schafes; den steifen Beinen des Ziegenbockes vergleichbares Werkzeug oder Gerät; hoher Kutschersitz am Wagen(Zachariä Renom- mist 319); Balken oder Klotz zum Stoßen. Mhd. boc(Gen. bockes), ahd. bocch, bock m.; dazu ndl. bOk, ags. bucca, engl. bauck, anord. bobler und bokki, schwed. bock, dän. buk m. Frühmlat. baccus m. Entlehnung aus dem Kelt.(altir. bcc) ist ebenso möglich, wie um- gekehrt des Keltischen aus dem Germanischen (franz. bouc m. entstammt dem Kelt.). Doch vgl. auch awest. bäza Bock», armen. bac «Lamm», mit denen das Wort urverwandt sein dürfte. Vgl. auch Habergeiß.
Bock, m.(-es, Pl. Böcke): unangenehmer Verstoß. Einen B. schießen«einen Verstoß, Fehler machen», aber auch, wie wohl urspr. zu Boden fallen», vgl. älternhd. Burzelbock wie Burzelbaum. Zu mhd. bocken zu Boden falleny, bac m.«Sturz?, die mit bücken zu biegen gehören.
¹Bock, m.(es) und Bockbier, n.: eine Art besonders starken Bieres in Bayern. Der Name findet sich hier schon zu Anfang des 16. Jh., gekürzt aus Aimbock, d. i.(mit Ver- derbnis des-beck in-bock) Bier aus Eim- beck in Hannover. Man führte nämlich ehe- dem von dort starkes Bier nach Bayern ein und braute es hier allmählich auch. Zur Entstehung mag mitgewirkt haben, daß auch sonst Biersorten und Getränke mit Tiernamen belegt werden, z. B. Broghan, Büfel, Ente, Kalte Ente, Gause(zu Gans?), Geiß, Hähn- chen, Hund, Kälberzagel, Kater, Schöps, vgl. die reiche Sammlung bei Kluge Deutsche Studentensprache 22.
bockbeinig, adj. u. adv.: wie ein Bock die Beine steifend; starr widerspenstig. Schon im 16. Jh. in der 1. Bed.
ibocken, v.: wie ein Bock springen; nach dem Bocke verlangen und von ihm besprungen werden; nach dem Bock oder wie ein Bock riechen(vgl. böckseln). Mhd. bocken«wie ein Bock stoßen.
²bocken, v.: den Flachs auf der Bock- d. i. Stampfmühle stampfen. Aus dem Nd., 1663 bei Schottel boken. Aus mnd. boken cklopfen, schlageny, das mit pochen(s. d.) identisch ist.


