Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
235-236
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235 Biene

bieten 236

Refl. sich b.: von der geraden Linie abweichen. Mhd. biegen, ahd. biogan; dazu ndl. buigen, ags. bägan, engl. boνο, got. biugan. Urver- wandt sind, aber mit g an Stelle des zu er- wartenden k(s. Bühel), aind. bhu(J für g) cbiegeny, ferner gr. pevfetv, lat. fiugére sflieheny,«eig. den Rücken wenden, aus- biegens,(auch ags. bugon asie flohen»), lit. bügti«erschrecken», baugus«furchtsam». Im Präs. älternhd. Ind. Sg. 2. 3. beugst, beugt, Imp. Sg. beug, die auch Gottsched Sprachk. 344 (bis auf Imp. bieg) noch verlangt, doch treten schon früher die Formen mit ie öfters auf, die in der Mitte des 18. Jh. völlig durch- dringen. 4L. Biege, f.: Krümmung, bei Stieler 1691. biegsam, adj. u. adv., bei Stie- ler 1691. Biegung, f., bei Dasypodius 1537. S. auch beugen.

Biene, f.(Pl.-n): Das Honig und Wachs bereitende Insekt. Bei Luther Biene, Gen. Bienen, sonst älternhd. auch Bien. Mhd. bin, bine f., ahd. aber bini n. Daneben ohne das ableitende n(aus der schwachen Dekl. herüber- genommen?) mhd. bie(noch jetzt alem. b5), ahd. ba f.; dazu ndl. bij, ags. 50 f., engl. hee, anord. bi(in b;-fluga), schwed.-dän. bi n. Endlich auch mhd. bin mit langem 7(bayr. hein neben beij). Mhd. bie n. ist«Bienen- schwarms, dafür jetzt schwäb.-hess. der Bien. Verwandt mit preufß. bitte, lit. bitis f.«Bieney, lat. fuäcus m. aus*bν⁴oμ Brutbiene, Drohne, ir. bech«Biene». Vgl. Walde s. v. ZUS. Bienenbrot, n.: von den Bienen bereitete Nahrung außer dem Honig. Mhd. biebröt n., auch andd. bibrot, ags. béobréad n., engl. bee- hread. Bienenkönigin, f.: Weisel, dafür spätmhd. bynenkunig. Bienenkorb, m., mhd. binkorp, auch binenkorpm. Bienenschwarm, m., spätmhd. binesearmm. Bienenstock, m., urspr. hohler Holzklotz zur Aufnahme eines Bienenschwarms, dann bevölkerter Bienenkorb, mhd. binestoc m. Bienenvater, m.: Bienen- pfleger, bei Frisch 1741.

Biensaug, m. n.(-es, Pl.-e): die Pflanze stachys(Roßpolei). Mhd. binsüge, ahd. bini- süga f. d. h. Pflanze, an deren Blüte die Biene gern saugt, ist zunächst Benennung des Thy- mians, der als Lieblingspflanze der Bienen auch Immenkraut heißt.

Bier, n.(-es, Pl.-e): aus Getreide und Hopfen gebrautes Getränk. Mhd. bier, ahd. bior n.; dazu andd. bior, ndl. bier n., ags. béor m., engl. beer; anord. entlehnt bjorr m.,

während das einheimische Wort öl n.(aus

ralu, engl. ale zu lit. aluüs m.«Biers) ist. Die

Etymologie ist sehr umstritten. Vielfach wird

das Wort zu andd. beo, ags. béou, anord. bygᷣg n.«Gerste? gestellt, also eig.«Gerstensaft». Andre sehen eine Ableitung von brauen da- rin(ahd. bior aus*brior); nach E. Kuhn K. Zschr. 35, 313 ist es aus dem slav. pivo n. entlehnt, vgl. dazu O. Schrader Idg Forsch.

1732. Nach Wackernagelgeht es auf einroman.

bevere, lat. bibere«Trinken, Getränk» zurück. Alles nicht überzeugend. Z8. Bierbank, f, spätmhd. bierbanc f. Bierbrauer, m., spät- mhd. bierbriuwer, gewöhnlich bierhriuwe, m.(s. Bräu). Bierhaus, m., mhd. bierhüs.

Biese, s. Bise.

biesen, v.:(vom Rindvieh) mit aufge- recktem Schwanz wie toll hin- und herrennen, vornehmlich bei großer Sommerhitze, wenn es von Bremsen(Bieswürmern) geplagt und verfolgt wird. In obd. Mundarten(schweiz. mit?, entsprechend henneberg. beiern mit r aus s), auch ndd.(schon mnd.) bissen, dän. bisse. Mhd. bisen, ahd. bisön, bisen cin Brunst hin- und herrennen, voll Unruhe hin- und herrenneny.

Biest, m.(mundartlich auch) f. n.(-es) oder Biestmilch, f.: die erste dicke un- reine Milch der Kuh unmittelbar nach dem Kalben. Mhd. biest, ahd. biost m.; dazu ndd. bést m., ndl. hiest f., ags. b508 m., engl. abgeleitet beestings Pl. Daneben erscheinen. Formen mit y, schweiz.-elsäss. briest, briesch, bayr.-schwäb. Briester, auch isl. ã-brystur Pl. «Biestmilch»; falls diese ursprünglicher sind, würde das Wort zu Brust(s. d.), andd. briost gehören. Doch sind auch die gleichbed. gr. rõc m., aind. piffsa- m. n.(vgl. Bugge FPBrBtr. 12, 421) zu bericksichtigen, mit denen aber nur ein indirekter Zusammenhang durch Ent- lehnung aus einer dritten Sprache bestehen kann. S. auch Brös-chen.

biester, s. verbiestern.

Bieswurm, m.: Eier in die Haut des Rindviehes und Rotwildes legende stechende Bremse. Spätahd. bisetwurm m., 1482 im Voc. theut. d 8b bißicurm. Zusammenges. mit biesen(s. d.).

bieten(Prät. bot, Part. geboten), v.: dar- bringen, geben, legen; wofür als Preis dar- zugeben erklären. Mhd. bieten, ahd. biotan; dazu asächs. biodan, ndl. bieden, ags. béodan, engl. bid, anord. bjöda, schwed. hjuda, dün. byde, got. biudan(in anabiudan æbefehlen», farbiudan«verbieten). Verwandt sind gr.