Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
233-234
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233 Bibliothek

biegen 234

Bibliothék, f.(Pl.-en): Büchersammlung, Bücherei. Aus gr.-lat. bibliotheca, gr. Bißkoen f. Bücherbehälter, saal,-sammlung»(BißNiov n.«Buch, entn f.«Behälter»). Um 1500 auf- genommen(1531 bei Hedio Josephus Vorr. 41 Bibliothec). 4BL. Bibliothekär, m.(-s, Pl.-e): Aufseher einer Bibliothek. Aus lat. bihliothécãrius. Im 18. Jh. noch oft in dieser lat. Form.

Bickbeere, f.(Pl.-n): Heidelbeere. Mund- artlich in Norddeutschl. Schon mnd. bickhere, auch 1599 bei Kilian. Unbekannter Herkunft.

1Bickel, Pickel, m.(-s, Pl. wie Sg.), auch Bicke, Picke, f.(Pl.-/n): Spitzhacke mit langem Stiel. Mhd. bickel«Spitzhacke» neben dem gleichbed. bicke m.; dazu ags. becca m.«Spitzhackes. Von mhd. bicken, auch bécken astechen, hacken, hauen), ahd. bicchan angreifen, wonach stechen». Die Schreibung Pickel, Pickesteht unter Einfluß von picken(s. d.), zu dem aber die Subst. nicht unmittelbar gehören. Diese schließen sich viel- mehr zunächst an gall.-lat. beccus, it. becco, franz. bec m.«Schnabel», it. beccare, franz. becguer«mit dem Schnabel hacken», franz. béche f.«Grabscheit), bécher«graben» u. a.

Bickel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Schusser, Schnellkügelchen. Mundartlich, 2z. B. in Hessen. Mhd. bickel«Würfel» in Zusammensetzungen wie biekelspil n.«Würfelspiely, bickelstein Würfel, Fangstein von Knochen beim Spiel». Das nhd. Bickel also urspr.«Schnellküchelchen aus Knochen gedreht»; auch ndd. bickel m. cbeinerne Spielkugel der Kinder», mnd. bickel Knöchel», ndl. bikkel. Die Bed.«Knochen⸗ auch in den Zusammensetzungen bickelfest, adj.: knochen-, beinfest. bickelhart, adj.: knochen-, beinhart(bei Prisch 1741). Ob Zu- sammenhang mit 1 Bickeel besteht, ist zweifel- haft, dies müßte dann eig. ein aus Knochen hergestelltes spitzes Instrument bezeichnet haben und die Benennung dann auch auf andre aus Knochen hergestellte Dinge über- gegangen sein.

Bickelhaube, s. Pickelhaube.

bidérb, s. bieder.

bidmen, v.: beben. Veraltet, aber von Goethe 2, 155 wieder gebraucht, nachdem Wieland 18, 18 erbidmen verwendet hatte. Mhd. bidemen, gewöhnlich auf ein mhd. bi- benen, ahd. bibinön zurückgeführt, einer Ableitung von beben(s. d.), was aber Be- denken unterliegt. Eher geht es auf das Subst. biden zurück, das eine Ableitung von

der Wurzel bi«beben» sein könnte(schwäb- steht bisem neben bidem).

Bieber, n.: Fieber, nur in Bieberklee m.«Bitterklee», Bieberkraut n. Tausend- güldenkrauts, Bieberwurz f.«Aron. Auch Fieberclee, Fieberleraut, Fieberwurz genannt (1482 bgferleraut«centhaurian im Voc. theut. d 8 b). Mhd. steht biever n. neben vieber (8. Fieber). Die Pflanzen dienten als Heilmittel gegen das Wechselfieber und sind davon be- nannt, also nicht von dem Tier Biber. Da- gegen heißt die Osterluzei nach dem starken widrigen Geruch Biberwarz, ahd. bibirurz, lat. castoreum, castorium(im 12. 13. Jh. auch bihergeile).

bieder, adj. u. adv.: wahr und zuverlässig in Wort und Tat; edeldenkend und treuherzig. Aus mhd. biderbe und bidérhe, ahd. biderbi, bidarbi und bidérbi, von Sachen s. v. a. cnütze?, von Personen s. v. a.«wozu geschickt, tüch- tig, trefflich, edeldenkend», zusammenges. aus dem betonten und daher ungeschwächt ge- pliebenen bi- und-darbi, das zu ahd. darfan «woran Not, Bedürfnis haben, nötig haben» ge- hört, also eig. ceinem Bedürfnis entsprechend, ein Bedürfnis erfüllend». Die verkürzte Form bider schon spätmhd., dann bei Luther bidder (in biddermann, bidderleute), in der spätern Zeit selten. Erst nachdem 1759 Lessing 5, 309 in Anknüpfung an Logau das Schwinden des Wortes bedauert hatte, wird es wieder auf- genommen, 1767 von Bürger 25, dann nament- lich von Dichtern des Hainbundes(auch in Zusammensetzungen wie Biederstamm Joh. Fr. Hahn im Gött. Musenalm. 1773 S. 177, Biederzeit Fr. L. Stolberg Ged. S. 192, Bieder- seele, Biederton Bürger usw.), von Lessing selbst in der Em. Gal. 1, 4. Auch die auf mhd. bidérbe beruhende Form biderb wird wieder verwendet. Während 1775 Heynatz meinte, bieder sei kaum wieder einzuführen, konstatierte 1781 Kindleben, daß es wieder anfange Mode zu werden. 48L. Bieder- keit, f. Nicht die Fortsetzung des mhd. biderbekeit, ahd. biderbecheit, sondern ein neu- gebildetes Wort, das 1796 Heynatz aus Mode- schriftstellern neben Biederkeit kennt. US. Biedermann, m.(-es, Pl. Biedermänner), mhd. biderman aus biderbman, auch in der spätern Zeit üblich geblieben.

biegen(Prät. bog, Part. gebogen), v.: von der geraden Linie abweichen oder abweichen machen; in seiner Wortform ändern zur Be- zeichnung gewisser Verhältnisse(flektieren).