227 Beutel
bewegen 228
spricht ndl. beitel, mnd. betel, beitel m.«Meibel, Keil». Nicht identisch mit dem folgenden Worte, sondern zu beißen(s. d.), lat. findere zu stellen, da dies auch vom Eindringen einer Schneide, z. B. des Schwertes, Scher- messers gebraucht wird. Aind. entspricht bhiduräs æspaltendy, bhéduram n.«Donner- keil?.
2Beutel, m.(-s, Pl. wie Sg.): rundes Holz zum Mürbeschlagen des Flachses vor dem Brechen. Ins Hochd. aufgenommen(bei Adelung 1774) aus ndd. bötel, dessen ö hier zu eu wurde; dazu ags. bytel, engl. beetle, anord. begtill m.«Hammery. In hd. Form würde es Bößel lauten(vgl. mhd. bözel m. Prügel»). Zugrunde liegt mhd. bözen(mit urspr. starker Flexion)«schlagen, klopfen?, ahd. bõzan, ags. béatan, engl. beet, anord. haufta. Vgl. Amboß. 4BL. beuteln, v.: mürbe klopfen.
3Beutel, m.(-S, Pl. wie Sg.): Säckchen, besonders etwas darin zu tragen und aufzu- bewahren; als Mehlsieb in der Mühle dienender wollener Sack; der lang niederhangende Hoden- sack mancher Tiere. Mhd. biutel m. n.(auch vom Mehlbeutel), ahd. bFütil m.«Sack»; dazu ndl. baidel, zusammengez. buil m. Dunkler Herkunft, schwerlich zu bieten, auch nicht aus mlat. buletellum, das vielmehr aus dem Deutschen stammt. 4L. beuteln, v.: zum Durchstäuben des Mehles durch den Mühl- beutel sieben;(obd. auch) schütteln. Mhd. biuteln. ZUS. Beutelgarn, n.: sackförmiges Fischnetz(s. Garn). Beutelratte, f.: die ihre Jungen in einem Beutel am Bauche tragende Rattenart. Beutelschneider, m.: wer Geldbeutel abschneidet d. h. stiehlt, mhd. hintelsnãder; wer in die Beutel schneidet, d. h. unmäßig hohe Rechnungen macht. Beutel- tuch, n.: Siebleinwand zu Mehlbeuteln und Nähtereien, mhd. bPiufeltuoch.
Beutheie, f.(Pl.-/n): Bötteherschlegel zum Antreiben der Reife. Bei Adelung 1774. Zusammenges. aus Beute f.«Ständer, hölzernes zuberartiges Gefäß»(s. 1Beucte) und obd. Heie f. cRamme, hölzerner Hammer», mhd. heie, ahd. heia f.«Sturmbock).
Bevölkerung, f.(Pl.-en): die Besetzung eines Landes mit einer Volksmenge; die Volksmenge selbst. Bei Adelung 1774, der die 2. Bed. aber nur einigen Neuern zu- schreibt. Von bevölkern, v.: mit Volk besetzen. Bei Stieler 1691 neben dem ültern bevolken, gebildet von dem Pl. von Volk.
bevor, adv.: vordem, vormals, zuvor; nahe zukommend; voraus. Dann im 17. Jh. auch als Konj. verwandt(cehe»), wobei eig. als hinter bevor zu ergänzen ist. Mhd. bevor, ahd. bifora, adv. u. präp.: angesichts, früher, in Zukunft. Zusammengerücktes bi cbei» (zu bi-, be- geschwächt) und fora«vory. Vgl. asächs. biforan, ndl. bevoren, ags. beforan, engl. before.
bewahren, v.: worauf mit Sorge sehen, daß es erhalten oder behalten werde. Mhd. beꝛwarn, ahd. biwarön. S. wahren. Der Konj. bewahre auch als Ausruf«nicht doch, keineswegs», eig. Gott beꝛwahre mich.
bewähren, v.: als wahr, wirklich, gut be-, erweisen. Refl. sich b. Mhd. bezocxren, ahd. bidren, biuwärran(aus biwürian)«wahr machen, als wahr, wirklich zeigen, beweisen). Das Part. Prät. bewährt als Adj. gesetzt in der Bed.«durch Erfahrung tüchtig ge- funden»(schon mhd. bezwcret).
bewahrheiten, v.: als wahr erweisen. Im 18. Jh.(bei Lavater, Goethe), wohl nach ndl. bewwaarheden. 1793 von Adelung als albernes Wort einiger Neulinge für beweiseny ab- gelehnt.
bewältigen, v.: sich einer Sache mächtig (geꝛwaltig) zeigen, überwältigen. Im 15. Jh. beꝛweltigen und(ohne Umlaut) beꝛwaltigen, mhd. dafüũr gerwaltigen, geweltigen«in seine Gewalt bringeny.
bewandert, das Part. Prät. von bewan- dern als Adj. gebraucht: aus eigner Anschau- ung bekannt womit, eig. s. v. a. vielgereist. Frühnhd.(Froschmeus. unbetwandert, 1631 bei Zincgref 2, 41 bezwandert, dafür bei Maaler 1561 bewandelt).
bewandt, als Adj. erscheinendes Part. Prät. von bewwenden(s. d.): endlich beschaffen, eig. zu Ende gebracht oder gekommen. Mhd. be- want«beschaffens, namentlich mit Adv. 2wol, haz, übele bewwant. 4L. Bewandtnis, f,, im 17. Jh.(Harsdörfer Gesprechsp. 1, 283 Bewwantni).
ibewegen(Prät. bezoog, Part. berogen), v.: anregend den Willen bestimmen, zum Ent- schlusse bestimmen. Mhd. bewégen(Prät. be- wac, Part. belegen), fast immer refl. sich h.: sich wozu wiegen» d. i.«auf die Glückswage legen und somit wozu hinneigen, sich aufs Geradewohl wozu entschließen, seinen Willen bestimmenꝰ, dann auch mit Gen. s. v. a.«sich seitwürtsbewegen, abwenden, sich entschlagen, ahd. bicoegan«aus dem Zustand der Ruhe


