Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
229-230
Einzelbild herunterladen

229 bewegen

bezeugen 230

bringen, wägend prüfen». Das nhd. stark flek- tierte beꝛwegen hat sich wohl nicht aus mhd. sich b. entwickelt, sondern vielmehr aus dem schwachen bewegen(s. d. folg.) abgezweigt, unter Einfluß des mnd. bezoegen, das stark und schwach flektiert. Luther hat ein starkes beuwegen«abwägen und zu einem Entschlusse bringen⸗, doch flektiert in dieser Bed. das V. auch schwach, wie öfter im ältern Nhd.(noch bei Schiller 11, 282); umgekehrt kommen von bewwegen ein Bewegung versetzen» ülternhd. auch starke Formen vor. Im Präs. ist die starke Flexion überhaupt nicht durchgedrungen(nur im 16. Jh. Formen wie bewwiegst, bewwiegt, be- wieg, auch bei Luther). Das Praät. lautet schon älternhd. beroog, das Part. bewwogen, s. wgen. zbewegen(Prat. beꝛwegte, Part. bewvegt), v.: aus dem Zustand der Ruhe bringen(daher refl. sich b. außer dem Zustande der Ruhe, in einer Veränderung im Raume sein»); in eine Stimmung versetzen, bei der das Gefühl ergriffen ist(daher das Part. Prät. bewegt «ergriffenen Gefühls»). Mhd. bewoegen«wozu aus der Ruhe bringen, antreiben», eig. be- wegen machen, also das Faktitiv des vorher- gehenden stark flektierenden b.; Refl. sich b. csich auf den Weg machen». 4BL. beweg- lich, adj. u. adv., mhd. bewegelich. Bewegung, f., mhd. bewegunge. ZUS. Beweggrund, m. Nach Gombert 7, 13 im Anfang des 18. Jh. auftretend(dafür im 17. Jh. Bewegungsgrund, z. B. 1663 bei Gryphius Trauersp. 386). bewehren, v.: mit Wehr d. h. Waffen zu Schutz und Trutz versehen. Bei Henisch 1616. Von Wehr(s. d.) gebildet, nicht das mhd. beꝛwern, ahd. biwerian, biwerran,«wovon be- wahrend abhalten, verteidigen, verwehren, das mit wehren zusammengesetzt ist. Beweis, m.(Gen. Beuweises, Pl. Bewweise): ausreichende Begründung und was dazu dient. Frühnhd. Von beweisen(Prät. beroies, Part. beꝛwiesen), v.: belehrend, begründend dartun, tätlich zeigen. Mhd. bewisen(urspr. m. Gen.) zurechtweisen, wessen kundig machen, be- lehren, dartun, bestimmtzeigen, aufweisen usw. Die Flexion ist urspr. schwach, wie noch bei Luther u. a., doch schon im 15. Jh. obd. auch stark; Schottel setzt die starken Formen an. bewenden, v., nur noch im Inf. gebräuch- lich in der Bed.«verbleiben» und«beruhen». Mhd. beuoenden, ahd. biwenten«völlig weg-, ab-, zum Ende wenden, zu Ende bringen und kommen, um-, anwenden, verwandeln, ge- stalteny. Vgl. bezwandt.

bewerkstelligen, v.: werkstellig d. h. ausführbar machen, zur Ausführung bringen. Im 17. Jh.(1677 bei Butschky Pathmos 611). Beruht auf einem mhd. ze werlce stellen«zur Ausführung bereiteny.

bewilligen, v.: 1) intrans. sich willig erklären, einwilligen. Im 15. Jh. und oft bei Luther. 2) trans. sich wozu willig erklären, namentlich zur Erfüllung einer Bitte. Bei Maaler 1561.

bewillkommen, v.: willkommen heißen, als willkommen begrüßen. Bei Krämer 1678. Gebildet von mhd. willexome(neben oille- komen), ahd. willikomo, s. willlommen. Da- für jetzt gewöhnlich(von eilllommen aus gebildet) bervwilllcommnen, das Campe 1807 noch nicht verzeichnet und Schiller, Goethe nicht gebrauchen.

bewirken, s. irken. bewogen, s. bewwegen.

bewußt, adj.: wissend, geistig gegenwär- tig. Das als Adj. gebrauchte Part. Prät. von ahd. biizzan«geistig inne haben», 1562 bei Mathesius Sar. 201° sich bewwissen«Bescheid wissen». Mhd. bezwist, beipest kommt wie das V. beꝛwigzen nicht vor; Luther hat betousst, S. Franck(Weltb. Vorr. à 22 u. ö.) u. A. beaoist. ZUS. bewußtlos, adj., zusammenges. mit dem substantivischen Beroußt m., älternhd. und noch bei Adelung 1793 angeführt. Be- wußtsein, n., 1720 bei Chr. Wolff Metaphys. § 797.

bezühmen, v.: nach Willen oder Gefallen tun. Verschieden von bezähmen ewillfährig, lenksam machen». Bei Luther(der bezemen schreibt), z. B. 2. Sam. 16, 11 in bezühmen lassen. Schon im 12. Jh. in md. Quelle einen bezemen lãäzen, ndd. betemen laten«einen tun lassen was ihm ansteht, wie ihm gefüllta. Zusammenges. mit mhd. zemen(s. ziemen).

bezecht, das als Adj. gesetzte Part. Prät. von bezechen: durch vieles Zechen trunken geworden. Frühnhd.(Wickram von guten Nachb., Hans Sachs Fab. 256, 15).

bezeichnen, v.: das Zeichen wofür sein, sich als sinnliches Zeichen worauf beziehen; vorstellig machen; durch ein Zeichen merk- bar machen. Mhd. bezeichenen«mit einem Zeichen ausdrücken, bildlich vorstelleny, ahd. bizeihhenen und bizeihhinôn, wofür häufiger das einfache zeihhenen, abgeleitet von zeihhan n.

bezeigen, v.: zu erkennen geben. Mhd. bezeigen anzeigen, bezeichnen, kund tun?.

bezeugen, v.: durch Zeugnis bewähren. Mhd. beziugen«mit Zeug d. i. Waffen und

15*