193 beisammen
Beiwort 194
bindung. Jedenfalls in der frühnhd. Kanzlei- sprache vorhanden(Luther hat Beipflichter m.«zustimmender», das Adj. beipflichtig bei Diefenbach-Wülcker 223 v. J. 1553).
beisammen, adv.: zugleich da. Mhd. selten besamen(aus bisamene). Frühnhd. (Liliencron 3, 338 v. J. 1519, auch bei Luther).
Beisaß, m.(Gen. u. Pl. Beisassen): wie Hintersaß(s. d.); Ortsangesessener ohne Bür- gerrecht. Mhd. bõsãze, biscze m., zusammen- ges. mit dem als letztes Wort in Zusammen- setzungen stehenden mhd. sãze, ahd. s650, s. 2Sasse.
beiseit, beiseite, auch mit angetretenem genet.-s beiseits, adv.: zur Seite. Mhd. bi sit. Bei Luther beiseid(Hiob 6, 18), ge- wöhnlich mit Abschwächung des bei- beseit, auch beiseits, beseits.
beisetzen, v.: neben andres setzen; be- statten, eig. den Sarg in der Gruft neben andre setzen. In der 2. Bed. bei Krämer 1678.
Beispiel, n.(es, Pl.-e):(veraltet) zur Belehrung erdichtete Erzählung, Fabel; Gleich- nis, Begebenheit zur Veranschaulichung oder Richtschnur des Verhaltens. Spätmhd. bäspil (mit Anlehnung an spil«Spiely, mit dem das Wort urspr. nichts zu tun hat), früher mhd. ahd. aber bõspel(Gen. bispelles) n.«belehrende dichterische Erzählung, Fabel, Gleichnis», zu- sammenges. aus bi«bei» und mhd. ahd. Spel n. cRede, Erzühlung, Sage», dazu asächs. ags. Spell n., engl. Spell, got. spill n.(wovon ahd. spellon, got. Willön cerzühlen»). Eig. eine neben der Lehre und zu deren Veranschau- lichung gegebene Erzühlung. Die Etymo- logie von spell ist unbekannt. Vgl. E. Schröder ZfdA. 37, 241, Kögel Idg. Forsch. 4, 318, Fröhde Bezz. Btr. 19, 241 f.
beißen(Prät. biß, Part. gebissen), v.: mit den Zühnen fassen, durchdringen; die Emp- findung eines stechenden, scharfen Durch- dringens verursachen. Aus mhd. bizen, ahd. bizan, dazu asächs. bitan, ndl. bijten, ags. biĩtan, engl. bite, anord. bita, schwed. bita, dän. bide. In der ältern Sprache auch vom Einschneiden oder scharfen Durchdringen des Schwertes. Entsprechend lat. findére, Perf. fidi espaltenꝰ, aind. bhid«spalten, durchbohrens. Vgl. auch beizen, bitter. 4BL. beißig, adj: zum Beißen geneigt, mhd. bizec. S. bissig.
Beißker, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein kleiner, eßbarer, im Schlamm und zwischen Steinen lebender und an diese sich ansaugender Fisch, cobitis fossilis. Auch Peißker. Mit Anlehnung
weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl.
an beißen(denn der Fisch beißt sich scheinbar an Steine an, heißt auch als von Schlamm oder darin Befindlichem lebend der Schlammbeißer) aus poln. piskore m., böhm. piskof m., russ. piskär m., d. i. eig. Pfeifer, von poln. piséé, böhm. piskati«pfeifeny, abg. piskcati«flöten», wohl nach einem Tone, den der Fisch mit dem Maule hervorzubringen scheint. Das Wort ist vom östlichen Mitteldeutschland ausge- gangen, ist aber im 15. u. 16. Jh. schon weiter bekannt, findet sich als peysker in einem Glossar des 15. Jh.(Diefenbach 330 ²), als Beißler bei Alberus Fab. 19, 151 und bei Forer Fischb. 160 b. In bayr.-österr. Quellen (auch bei H. Sachs) erscheint dafür Bißgurre.
Beißzange, f.(Pl.-n): eine vorn scharfe Zange zum Kneipen und Festhalten kleiner Gegenstände. Bei Stieler 1691 Beißzänglein.
Beistand, m.(-es, Pl. Beistände): Hilfe bei und für jemand; persönlich s. v. a. Hilfe bei und für jemand Leistender. Spätmhd. bistant m. in der 1. Bed. 45L. beiständig, adj.: hilfeleistend, behilflich. Mhd. bistendec. — beistehen, v.:(mit Dat.) Hilfe leisten, eig. neben jemand stehen(im Kampfe, vor Gericht), um ihn zu unterstützen. Mhd. bistãn, bistén, ahd. bistantan, bistän, auch noch in der ursprünglichen Bed. wie got. bistandan.
Beistrich, m.(-es, Pl.-e): das Komma. Schottel Sprachk. S. 669 gab für dies die Verdeutschung Beystrichlein, was auch von Harsdörfer Gesprechsp. 4, 412, Bödiker u. a. gebraucht wird.
Beitrag, m.(‧s, Pl. Beiträge): Beisteuer. Bei Stieler 1691. Von beitragen, v.: her- beibringen, dann abgeben zur Unterstützung, mhd. bitragen cherzutragen.
beitreiben, v.: herbeitreiben;(übertragen von den herbeigetriebenen Zins-Tieren usw. auf geforderte Gelder) einziehen, beischaffen (bei Frisch 1741).
Beiwesen, n.(-s): das Zugegensein. Eig. subst. Inf. zu mhd. b'wesen, ahd. bitesan ada sein, zugegen sein». Als Subst. in der Kanzlei- sprache des 15. Jh. vorhanden(Janssen Frankf. Reichskorr. 2, 161).
beiwohnen, v.:(veraltet) bei einem an- dern wohnen; ehelichen Verkehr mit jemand haben; wobei zugegen sein;(von Dingen) wo vorhanden sein,(mit Dat.) innewohnen. Mhd. biavonen(in der 2. Bed. erst bei Luther).
Beiwort, n.(es, Pl. Beiwörter): Adjek- tivum. Schon in der mhd. Schulsprache aus
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