Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
191-192
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191 beileibe

beipflichten 192

beileibe, s. Leib.

Beileid, n.(-s): mitempfundenes Leid, mitempfundene Trauer. Seit dem 17. Jh. in der Bed. Mitleid», aber nicht allgemein ver- standen(Dornblüth 288), bei Adelung in der jetzigen Bed.

beilen, v.:(von den Jagdhunden) den Hirsch durch allseitiges Anbellen zum Stehen bringen, wobei er sich gegen die Hunde zur Wehre setzt. Mhd. bälen, jetzt nur noch in dem weidmännischen verbeilen. Der Augen- blick wann, und der Platz wo der Vorgang sich abspielt und das Jagdtier erlegt wird, heißt mhd. böl m.(namentlich in ze bile stén vom Wilde, schon im 10. Jh. pfl gipit«sub- stitity vom Eber, Steinmeyer-Sievers Gl. 2, 667), womit Ortsnamen wie Beil-, Bilstein zu- sammengesetzt sind. Diesem bil entsprechend wird franz. aboi, engl. baxyj, eig. das«Bellen? verwendet(in étre auæ abois, engl. fo stand at bag von dem von den Hunden umstellten Wilde), doch ist es nicht wahrscheinlich, daß wir im Deutschen von der Bed. cbellen» aus- zugehen haben. Vielmehr wird nach Sievers Idg. Forsch. 4, 339 bil von ahd. bôdan«warten» (bila- aus bidla-) abzuleiten sein, also eig. cdas Stehenbleiben des Wildes, die Erwartung der verfolgenden Hundey. Anders E. Schrö- der ZfdA. 42, 60, der es von beißen ableitet «Augenblick, wo die Hunde beißen». Ein Verbum bilen cbellen⸗(im 14. Jh. bayrisch, bei Hans Sachs, auch mndl., noch bei Heppe wohlred. Jäger 54 bailen) wird sich von bal aus entwickelt haben, da die Hunde die Um- stellung des Wildes durch Bellen kundtun.

beim, zusammengez. aus bei dem, schon mhd. bime, zusammengez. aus bi deme.

beimessen, v.:(mit Dat. der Person) durch Erwägung(geistiges Abmessen) einem zurechnen. Mhd. erscheint einfaches mezzen (mit Dat.) in der Bed. zuteilen, geben. Aus der Kanzleisprache(1616 bei Sattler).

Bein, n.(-es, Pl.-e): Knochen(allgemein obd., schriftsprachlich namentlich noch in Zu- sammensetzungen und Redensarten); das ganze Geheglied(gleichsam die am längsten hervor- stehenden Knochen). Mhd. ahd. bein n. in beiden Bedd.; dazu asächs. ben, ndl. been, ags. bãn n.«Knochen», engl. bone, anord. bein, schwed. dän. ben n.«Knochen, Geheglied. Dunkler Herkunft. Vgl. Wiedemann BB. 28, 60. Zusammenhang mit lat. femur Ober- schenkely scheint möglich, da auch sonst i- und e-Reihe wechseln. Redensarten: es friert

Stein und Bein«stein- und knochenhart?; Stein und Bein schabôren«auf Altar und Heiligen- knochen»(Reliquien). Der Pl. findet sich im ältern Nhd. auch als Beiner(namentlich obd., aber auch Gryphius Trauersp. 34 Menschen- Beiner).

beinahe, adv.: nicht ganz. Frühnhd. vor- handen(Janssen Frankf. Reichskorr. 1, 750, auch bei Luther, aber noch getrennt bey nahe).

Beiname, m.(-n, Pl.-n): Zuname. Mhd. biname m.

Beinbrecher, m.: eine die Knochen ge- fangener Tiere brechende Adlerart, lat. ossi- fragus m., ossifraga f., 1482 im Voc. theut. y 32 dafür paynprech.

beinern, adj.: aus Knochen(Bein) be- stehend. Mit dem bei Stoffadj. üblichen Suffix-ern(nach eisern, s. d.) für mhd.-ahd. beinin, auch bei Dasypodius und Maaler beinin, sonst älternhd. beinen, während Luther (1. Mos. 49, 14) beinern hat.

Beinhaus, n.(Dses, Pl. Beinhd'user): Haus am Kirchhofe zur Aufnahme derausgegrabenen Totengebeine. Mhd. beinhüs n. Im ältern Nhd. findet sich auch in dieser Bed. Gerner (s. d.).

beinig, adj.: knochig; Füße(Beine) habend in z2uvei-, langbeinig usw. Mhd.-beinec.

Beinkleid, n.(-es, Pl.-er): Hose als Bekleidung der Beine. Der Ausdruck kommt schon im 16. Jh. vor(1557 bei Mathesius Syrach 3, 51 ²) und erscheint auch im 17. u. 18. Jh. in Wörterbüchern(z. B. bei Comenius, Rädlein, Frisch), aber ohne sich zunächst recht einzubürgern, da ihn noch Adelung 1793 als neugebildet bezeichnet.

Beinling, m.(-s, Pl.-e): Hosenbein(im 15. Jh., s. Diefenbach-Wülcker 227); der obere Strumpf;(bei den Gerbern) der Teil der Tier- haut, der unmittelbar über den obern Beinen gesessen hat.

Beinschwarz, n.: Schwärze aus ver- brannten Knochen. Bei Stieler 1691.

Beinwell, m.(Jes): die Wallwurz, symphy- tum. Ahd. beinzwalla, heinwelle f.(Lfd Wf. 3, 281), zu wWallen, hier in der Bed.«zusammen- heilen von Knochen bei Knochenbrüchen»; die Pflanze heißt auch Beinheil n.

beipflichten, v.:(mit Dat.) einem zu- stimmen, eig. sich mit jemand verbinden, sich ihm(seiner Meinung) anschließen. Mhd. bed. das einfache phlihten, mit den Präp. mit, an, zuo sich mit jemand verbinden», von phliht (s. Pflicht), hier in der Bed. Anteilnahme, Ver-