181 begehen
begnaden 182
begehen(Prät. beging, Part. begangen, s. gehen), v.: worauf, worüber, woran hingehen, mhd. begän, begén, ahd. bigän, bigangan;(eig. durch feierlichen Aufzug) verherrlichend ver- bringen, feiern(schon mhd. ahd.);(eine Leiche) feierlich zur Erde besorgen, bestatten(auch mhd.); vollbringen, ausüben(schon mhd. ahd.); (vom Hengste) bespringen. Refl. sich b.: sich zur Zeugung geschlechtlich vereinigen(im 17. Jh.); sich im Ungange benehmen. Mhd. sich begén, begän«das Leben führen, sich er- nähren». Vgl. Begüngnis.
Begehr, n., früher auch m.(-S): die innere Regung wonach, sowie die Außerung dieser Regung. Mhd. beger f.(so auch älternhd., wührend bei Luther n.), in md. Quellen neben begir f. n. Von begehren, v.: innere Regung wonach haben oder äußern. Mhd. begern, neben einfachem gern, ahd. gerön. S. Gier, gern. 4BL. begehrlich, adj. u. adv.: Be- gehr erweckend; Begehr zeigend. Mhd. be- gerlich neben begirlich. In der 2. Bed. nach Heynatz 1796 ein sächsisches Wort; es er- scheint bei Gellert und Weiße.
begeistern, v.: mit lebhaften Vorstel- lungen erfüllen, die Einbildungskraft er- regen. In diesem Sinne erst im Anfang des 18. Jh. aufgekommen(1755 von Dorn- plüth S. 154 noch angefochten), während im 17. Jh. begeistern«mit Geist erfüllen» ist(vgl. entgeistern), daneben begeisten(noch bei Goethe). Von dem Pl. Geister. 4L. Begeisterung, f., 1730 in Gottscheds crit. Dichtkunst 333(vgl. Gombert, 7, 11).
Begier, f.: die innere sinnliche Regung wonach. Mhd. begir f. n., doch häufiger das einfache gir f.(s. Gier). 432L. begierig, adj. u. adv. Mhd. begirec neben dem ein- fachen girec. begierlich(Goethe 49, 1, 297), adj., wie begehrlich(s. d.). Begierde, f. (Pl.-n): wie Begier. Mhd. begirde f.(auch n.) neben girde, ahd. girida f., von gehren.
Begine, f.(-n): Nonne ohne Gelöbnis, Laienschwester, auch mit übelm Nebensinn. Schon mhd. aus dem gleichbed. ndl. begijn nach franz. béguine, wohl penannt nach Lambert Le Bègue, dem Gründer derartiger Gemein- schaften(im 12. Jh.).
Beginn, m.(-es): das erste Wirklich- werden. Mhd. begin m. n., ahd.(bei Isidor) bighin n. Von beginnen, v.:(in feierliche- rer Rede) anfangen. Mhd. beginnen(Prat. began neben begunde, begonde, md. auch be- gonste, Part. begunnen), ahd. biginnan(Prat.
bigan, überwiegend bigunda, bigonda, bigunsta, Part. aber bigunnan); dazu asächs. biginnan, ndl. beginnen, ags. beginnan(neben ã-, on- ginnan), engl. begin, got. dafür duginnan. Da als urspr. Bed. im Ahd. bei biginnan (ebenso bei in-ginnan) noch«eröffnen, auf- schneiden, spalten»(vgl. franz. entamer«an- schneiden, anfangen») hervortritt, hat man das Wort zu gähnen(s. d.), ahd. ginén ge- stellt, also eig.«klaffen machen). Bugge Btr. 12,405 abg. pocinq m.«fange an»(mit Ver- schiebung eines idg. k zu germ. g im Wort⸗ inlaut). Ausführlich über unser Wort Wiede- mann Bezz. Btr. 27, 193ff, der es ansprechend zu alb. z2«berühre, fange, fange ano stellt. S. auch Walde s. v. recens. Das Prät. lautet im Alternhd. überwiegend begunte, begonte, bei Luther auch begunste, begonste. begunte erscheint oft im 17. und im 18. Jh., z. B. noch bei Freyer 1737, begonte, begonnte wird noch von Adelung bevorzugt vor began(das Gottsched verlangt), es ist auch bei den Klas- sikern sehr gewöhnlich(Gellert, Lessing, Wie- land, Goethe Faust 3176, selbst noch Rückertl, 342). Das starke Prät. begann hat im Pl. mhd. begunnen, älternhd. begonnen, daraus erklärt sich ein noch im 18. Jh. vorkommender Sg. begonn(Wieland 21, 19. Schiller Räuber 5, 1). Der Konj. mhd. begunne lautet noch jetzt be- gönne, seltener begänne. Das Part. fast nur stark begonnen(für begunnen). Das Wort gilt schon im 17. Jh. als veraltet, wieder auf- gekommen durch die neuere Dichtersprache. beglauben(Goethe 3, 6), häufiger be- glaubigen, v.: glaubwürdig machen, zu Glauben bestätigen. Das Part.-Prät. beglaubt: glaubwürdig gemacht, sicher zu glaubend; Glauben bestätigt; im Glauben seiend(Wie- land Idris 5, 115). beglaubigen schließt sich an das Adj. glaubig an. Beide Verba er- scheinen am Anfang des 17. Jh.(beglauben bei Henisch 1616, beglaubigen von Gombert 6, 13 v. J. 1618 nachgewiesen). begleiten, v.: mit und bei jemand oder etwas zugleich sich fortbewegen; musikalisch mitspielend ergänzen. Aus be-ge-leiten. Bei Henisch 1616, während in gleicher Bed. mhd. beleiten, ahd. bileiten, bei Luther geleiten. begnaden, haäufiger begnadigen, v.: mit, aus Gnade begaben; über jemand Gnade für Recht ergehen lassen. Das 1. Verb mhd. begnãden, jetzt namentlich noch im Part.- Prät. begnadet(Goethe 16, 324, hochbegnadet bei Schiller 11, 252). Für begnadigen er- 12*


