Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
169-170
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169 Bauer

baumstark 170

²Bauer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Bauender. Noch in Ackerbauer, Erbauer. Mhd. büwaere, ahd. bäri, mittels-er(s. 1-er) ahd.-üri abgeleitet von ahd. bian. Verschieden von dem folgenden Bauer.

sBauer, m.(-n, Pl.-n): wessen Be- schäftigung ist Ackerbau zu treiben; Mensch ohne feine Sitten; eine der geringsten Fi- guren(der Soldaten) im Schachspiel. Früh- nhd. Baur(Gen. Bauren). Mhd. bür, früher gebur, gebiire(Gen. gebüren, auch gebures), ahd. gibüro und gibir Einwohner, Mitbür- ger, Landbewohner», gebildet von gi- hier mit-y und ahd. bür«Wohnung»(s. Bauer), also eig.«Mitwohner, Dorfgenossen(vgl. auch Nachbar). Die mhd. neben der schwachen vorkommende starke Flexion zeigt sich jetzt noch im Sg.(Bauers Logau 1, 3, Dat. Bauer Schiller Tell 2, 1). 4BL. Bäuerin, f., mhd. gebiurinne. bäuerisch, bäurisch, adj., mhd. gebiurisch. bäuerlich, adj., mhd. ge- biurlich. Später veraltet, aber von Heynatz 1796 empfohlen. Bauersame, f.: Gesamt- heit der Bauern als Gemeinde. Ein alem. Wort, um 1300 gebürsami(-sami wohl aus samni entstanden). Bauerschaft, f., mhd. geburschaft. ZUS. Bauersmann, m., mhd. gebürman und(Zusammensetzung mit dem Gen. des stark flektierenden Wortes) gebüres man, Pl. gebares liute. Jetzt erscheint Bauers- in der Zusammensetzung nur hier und in den verwandten Bauersfrau, Bauersleute, sonst Bauer- oder Bauern-, wobei letztere Form vorgezogen wird, wenn die Abhängigkeit be- zeichnet werden soll, z. B. Bauernhof(bei Da- sypodius 1537 baurenhoff), Bauernstand(Grim- melshausen Simpl. 12 Bauren-Stand), Bauern- stolz(bei Henisch 1616), dagegen Bauerbursche, Bauermädchen. Bauerwetzel, m.: eine(beim Landvolk häufige) Halsentzündung, die mit Geschwulst der Ohr- und Speicheldrüsen ver- bunden ist. betzel scheint eig. die Bed. von Schlagy zu haben(s. Watsche), vgl. mhd. rwetzeln n.«Ohrfeigen und im 15. Jh. fanne- wetzel m.(entstellt aus tinnewetzel? tinne Schläfe», also eig.«Schlag vor die Schläfep), ceine katarrhalische Seuchey.

baufällig, adj. u. adv.: mit Einsturz dro- hend. Um 1400 pauwellig von Feldgut s. v. a. im Bau verwahrlost, aber 1482 bei Eychmann Aa bufelliger ruinosusy.

Bauflucht, s. Flucht.

Baukunst, f. Bei Hulsius 1596.

baulich, adj. u. adv.: gut im Bau, wohl er-

halten(z. B. im baulichen Stand); das Bauen betreffend. Mhd. balich, biulich ist«zum Bauen geeignet, in gutem Bau stehend». Die 2. Bed. von baulich gehört erst der neuern Sprache an. 4L. Baulichkeit, f.: was aufgebaut wird, Gebäude, Gestelle(Goethe Faust 9027. 16, 43 usw.). Noch nicht bei Adelung und Campe.

Baum, m.(-es, Pl. Bäãume): Holzstamm- pflanze; Holzstamm. Mhd. b0uν(Pl. boume, wie auch noch bei Harsdörfer Gespr. 1, 214 Baume, aber schon Luther mit Umlaut Bewme), ahd. boum m.; dazu asächs. böm, ndl. boom(auch Deichsel), afries. bäãm, ags. béam, engl. beam Balken, Deichsel, anord. (mit d für g) badmr, got. bagms m.«Baumꝰ, Die got. und westgerm. Form lassen sich vielleicht aus einer Grundform*bagwma- erklären, doch ist das nicht sicher; bauen wäre im letzten Grunde verwandt, wenn baum zu gr. öua n. Gewächs» gehört, vgl. Johansson Btr. 15, 224. 8. noch Grienberger Wiener SB. 142, 8, 44. 4BL. baumen, pbäumen, adj.: in birn-, kirsch-, nußbaumen usw. Mhd. ahd. bouman.

Baumel, f.(Pl.-n): Schaukel; frei sich hin- und herbewegendes Ziergehänge, z. B. an der Taschenuhr, am Ohr usw.(im 18. Jh.). Von baumeln, v.: hangend sich hin und her bewegen(Weise Erzn. 32, bei Stie- ler 1691 baumelen). Wohl zu banmeln, bim- meln, bummeln(s. d.) gehörig, aber an Baum angelehnt, vgl. Damköhler ZfdW. 1, 271.

bäumen, v.: baumähnlich aufwärts bie- gen(Schiller Kab. u. L. 5, 7), gewöhnlich refl. sich b. Mhd. sich boumen. Vgl. auf bäumen.

hpäumen,-hbaumen, s. Baum.

Baumgarten, m.: Garten mit Bauman- lagen, besonders Obstbaumgarten. Mhd. boum- garte m. Vgl. Bangert.

Baumöl, n.: Öl aus Oliven d. i. der Frucht des Olbaumes gepreßt. Mhd. boumöl n., bei Luther(3. Mos. 24, 2) Baumöle n.

Baumschlag, m.: eine Anzahl Bäume; die dußere Erscheinung der Bäume, des Laubwerks und ihre Wiedergabe bei Malern, Kupferstechern usw. In der 2. Bed. bei Adelung 1774. S. Schlag.

Baumschule, f.: Anlage zur Zucht jun- ger Bäume. 1640 bei Comenius Sprachen- thür 93, 33223.

baumstark, adj. und adv.: stark wie ein Baum. Frühnhd.(1482 bei Eychmann 2 82 baumstarck machen croburare»).