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burg u. Bremen 1769), wo zugleich auf dem Titel Ein Bardiet fur die Schaubühne(s. auch daselbst die Anmerkung S. 138), eingeführt (aber fälschlich als«Bardengesang» genom- men), aus germ. lat. barditus m.«Schlacht- gesang der alten Germanen mit dem zur Ver- stärkung des Schalles an den Mund gehaltenen Schilden(Tacitus Germ. 3).
Bärenbeißer, m.(-S): Hund besondrer Art zur Bürenhatz. Bei Steinbach 1734. Bärendreck, m.(-és): Lakritzensaft. In der Schweiz, Elsaß, Schwaben usw. Nach der Farbe des Arzneimittels. Frühnhd. Bärenhäuter, m.(-s): fauler Nichtstuer; verächtlicher, fauler Mensch. Schon im An- fang des 16. Jh.(bei Bebel). Der Ausdruck beruht auf der Redensart auf der Bärenhaut liegen(1579 bei Hans v. Schweinichen 2, 14) cein tatloses Leben führen?, eig. von Kriegern, die, die kampflosen Tage auf Fellen hinge- streckt, mit Nichtstun verbringen. Bären- klau, f.: Pflanzenart mit einer Bärenklaue vergleichbaren Blättern oder bärenklauartiger Blüte. Mhd. bernkläuve, mlat.«branca ursinaꝰ. Bärenlappe(Wieland 20, 216), s. Bürlapp.
Barett, n.(-es, Pl.-e): schirmlose runde oder eckige Kopfbedeckung bei Geistlichen, Doktoren usw. Im 15. Jh. barete(1469 voc. ex quo), auch birete, biret(1482 voc. theut. 229), aus mlat. barretum, eig. birrettum n., ital. berretta, franz. barrette f.«Mützey, von lat. birrus m., birrum n. Oberkleid, Mantel, Bi- schofskleid.
Barfrost, m.: Frost ohne das Land be- deckenden Schnee. 1663 bei Schottel S. 1281 baarfrost. Zu bar.
barfuß, adj. und adv.: an den Füßen bloß. Mhd. barvuoz und(mit Ableitungsendung) barvüeze; dazu mndd. barföt, afries. berfot, ags. bœærfot, engl. barefoot, anord. bar fctr. Eine schon altgerman. Zusammensetzung aus bar(s. d.) und dem adjektivisch verwendeten Subst. Fuß, vgl. ahd. einfaozi einfüßigy, fior fuozi cvierfüßig). 4 BL. Barfüßer, m. (—s, Pl. wie Sg.): in bloßen Füßen Gehender; Mönch vom Orden des heil. Franziskus. Von Luther gebraucht, mhd. dafür barviege m., 1482 im Voc. theut. c 62 barfuz m. barfüßig, adj., spätmhd. barviiezic.
Barg, s. Barch.
barhaupt, adj. und adv.: unbedeckten Kopfes. Spätmhd. barhoubet. Eine Zusammen- setzung, bei der wie in barfuß das Subst. ad- jektivisch steht..
Bariton, m.(-s, Pl.-e): Singstimme zwischen Tenor und Baß, tiefer Tenor, Hoch- baß;(um 1700 erfundene) Art Baßgeige. Aus dem gleichbed. ital. baritono m., dem M. des Adj. baritõno, das auf gr. ßapurovoc«tief, betont»(ßapöc«schwer, tiefy und-rovoc von reiveiy«spannen») beruht. Bei Adelung 1774.
Barke, f.(Pl.-/): kleines Wasserfahr- zeug. Mhd. barke f., mit engl. bark und anord. barki m. aus spätlat. barca, barica (Ableitung von griech. Bâpic«Nachen», ent- lehnt aus dem gleichbed. koptisch bari), wo- raus auch ital. barca, franz. barque f.
Bärlapp, m.(-s): die Moosart lycopo- dium, deren gelblicher entzündbarer Samen- staub Hexenpulver heißt. In Rößlins Kräu- terbuch 1533 als berlapp, bei Alberus Dict. EEAa als beerlapp verzeichnet. Zusammen- ges. aus Bär und ahd. lappo m. Ruder- schaufel, unterster breiter Ruderteil», eig. «Hand» und hier«vorderste Tatzey. Dem- nach s. v. a.«Vordertatze des Bären nach dem Aussehen der Pflanze, wie diese denn auch Löwenfußz, Drudenfuß und neulat.- copoclium«Wolfsfußy(dän. ulvefod) heift.
Bärlatsche, f.(Pl.-n): plumper Filz- schuh. Obersächsischer Ausdruck, von Gel- lert 1, 342 gebraucht. Eig. Latsche«Pan- toffel», den man im Gehen am Boden hin- schleift, wie der Bär seine Tatzen, von latschen(s. d.)«ie Füße beim Gehen am Boden hinschleifen.
Barlaufen, s. Barre.
Bärme, auch Barme f.: Bierhefe; Bier- schaum. Niederd. Wort, frühzeitig auch schon im Hochd.(bei Schönsleder 1618 Bermen). Mnd. berm, barm m., ndl. berm m., ags. beorma (eo= ahd. 6), engl. barm. Entweder zu ahd. béran«tragen, tragen machen, sich heben⸗ (vgl. gebären), wie Hefe zu heben oder zu lat. fermentum n.«Gärung, Sauerteig».
barmherzig, adj. u. adv.: mild gesinnt aus innigem Mitgefühl bei fremdem Leiden; solches Mitgefühl erregend(Lessing 1, 461). Mhd. barmherzec, mit dem adj. Suffix-ec abgeleitet von mhd. barmherze adj. Dieses ist nicht zusammengesetzt mit mhd.-ahd. barm«Schoß, Busen», sondern muß wegen ahd. armherzi, got. armahairts adj.«barm- herzigy(dazu auch got. arman sik«sich erbarmen») aus bi-armherzi erklärt werden (vgl. bange, binnen). Es liegen Nachbildungen lateinischer Ausdrücke in der christlichen Kirchensprache vor, got. arman silc ist zu


