89 Artikel
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Artikel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Abschnitt als Glied eines Schriftstückes; Hauptsatz; Handelsgegenstand; in der Sprachlehre das Geschlechtswort. Schon spätmhd. artikel in der 1. Bed.(doch später auch noch Articul), entlehnt aus lat. articulus m.«Gelenk, Glied, Abteilung, kleiner Redesatz, Geschlechtswort, dem Dimin. von lat. artus m.«Gelenk». 4 BL. artikulieren, v.: gegliedert, d. i. nach Silben bestimmt und deutlich aussprechen, aus lat. articulare, bei Sperander 1728.
Artillerie, f.(Pl.-n): das schwere Ge- schütz; Geschützmannschaft eines Heeres; Geschützkunst. Aus franz. artillerie, provenz. artilharia, span. artilleria, ital. artiglier ia f. Geschütz» von franz. artiller, span. artillero, ital. artigliere m. eStückgießer, Geschütz- soldaty, die auf provenz. artilha Festungs- werk» zurückgehen, gleichsam lat. articula, eine Ableitung von lat. rs(Gen. artis)«Kunst', im Mittelalter auch s. v. a. Geschütz. Seit 1500 in Deutschland in verschiedenen Formen üblich (1510 bei Janssen Frankfurts Reichscorr. l, 815 artlerey, 1523 bei G. Rixner Teütscher Nation nodturfft E 3 b artalary, 1535 bei Liliencron 4, 120 artellerey, 1678 bei Krämer Artollerey, bei Hans Sachs 2, 392 arculey, bei Fronsperger Kriegsb. urkeley usw.). 4 B L. Artillerist, m.(en, Pl.-en): der schweres Geschütz bedienende Soldat. Mit der frem- den Ableitungsendung-ist in Deutschland gebildet(bei Nieremberger 1753 verzeichnet).
Artischocke, f.(früher m., z. B. bei Duez 1664): in Gärten gezogenes Distelgewäüchs mit eßbaren Köpfen, welsche Distel. Aus ital. articiocco, franz. artichaut m., das wie neuprov. rquichaut entstellt ist aus span. alcarchofa(vgl. die ital. Nebenform careiofo m.), das auf arab.(mit dem Artikel al) alcharsuf zurückgeht, während das arab. arde- goke aus dem italienischen Worte umgestaltet ist. Zuerst 1556 bei Frisius Nomencl. 180³ Artischock, Wältschdistel, Cactos, dagegen 1546 Bocks Kreuterb. 327 b Strobildorn, bei den Walen Card choffil. Umgedeutet in Erd- schocke, bei Stoppe. neue Fab. 1, 189.
Artist, m.(en, Pl.-en): Künstler. Aus mlat. artistg m. von ars(Gen. artis) Kunst. Bei Maaler 1561.
artlich, s. Arf.
Arve, f.(Pl.-n): Zirbelkiefer, pinus cembra L. In der Schweiz üblich, wo arbe, ayrve seit dem 16. Jh. vorkommt. Dunkler Herkunft, viel-
leicht mit mhd. arf«Wurfspießy zusammen- hängend.
Arznei, f.(Pl.-en): Heiltrank. Aus mhd. arzende und(mit Umlaut) erzende(daher bei Luther auch ertaney) f., abgeleitet von dem V. mhd. erzenen, ahd. erzinen und gi-arzinõn cheilen». Mit Unrecht wird an den berühmten, aus Apamea in Syrien gebürtigen Arzt r- chigenes angeknüpft(in Vokabularen findet sich allerdings Archigenes, Archienes, Arcienes geradezu mit Arzt glossiert); vielmehr sind arzinoön und arzende als Umbildungen von arzãtõn und arztie(was mhd. vorkommt) zu betrachten unter Einfluß der echtdeut- schen Ausdrücke lähhinön cheilen»(zu ahd. lähhin n.«Heilmittel», lähhi m.«Arzto, ent- sprechend ags. Ice, got. lékeis) und lächende f.«Heilung durch Besprechung oder Zauber». 4BL. arzneien, v.: Arznei eingeben(mit Akk.); Arznei einnehmen, mhd. aræenlen, erzenen.
Arzt, m.(-es, Pl. Arzte): Heilkundiger. Mit Dehnung des aus Mhd. arzet, arat, arzãt, ahd. arzãt m., dazu mnd. arste, ndl. arts m. Nicht von mlat. artista m.«Künstler, Heilkünstler», sondern mit Wegfall des aus- laut. r von lat. archiater(archi- wie arci- gesprochen, vgl. era-)«Ober-Leibarzty, das auf gr. dpxiarpöc m. zurückgeht, zusammen- gesetzt aus dpxu s. erz- und tarpòc m.«Arzty. Die vollere Formen zeigen noch andd. ercetere, mnl. arsatre, ersatre m. Die Benennung war am fränkischen Hofe üblich und wurde später allgemein, indem sie die echtdeutsche Benen- nung(s. unter Arznei) zurückdrängte. 4L. ärztlich, adj. und adv., mhd. arzütlãch.
As, n.(Gen. A8ses, Pl. Asse): die Eins auf Würfel oder Spielkarte; kleinstes Gold- und Silbergewicht; das Apothekerpfund von 24 Lot. Aus franz. as m. in der 1. Bed., aber zugleich aus lat. as m.(Gen. assis),«teil- bare Einheit in Mürz- und Gewichtssystem, Pfund». Mhd. dafür esse n.(aus dem dem lat. assis= as entsprungenen ital. asse), deshalb auch älternhd. 46(noch bei Nieremberger 1753 Eß neben 46).
Asant, m.(es): Teufelsdreck, sowie Benzoe, jener stinkend, diese wohlriechend. Gebildet aus mlat. asa f.«starkriechendes Harzy». Ludwig 1716 hat Asand, Jablonski
721 Assandl.
Asbest, m.(-es, Pl.-e): Steinflachs, woraus unverbrennliche Gewebe gearbeitet wurden. Aus gr.-lat. asbéstus, gr. äcßecroc f.,


