53 Amulett
Anarchie 54
eines landesherrlichen Amtes(Pl. amtleute bei Luther, aber 1532 bei Birck Susanna 474 fg. ampllüte«Gerichtsknechtes);(in Nord- deutschland auch) Vorsteher eines Gutes. Mhd. ambetman, ahd. ambahtman m.«Beamter, Auf- sehery. S. auch Ammann, Ammeister. Amts- genosse, m.: Verdeutschung des lat. collega m., 1579 bei Calepinus anpfgenossen.
Amulett, n.(es, Pl.-e): am Körper ge- tragener Schutzgegenstand gegen Zauberei oder zukommendes Ubel. Mit franz. amulette, ital. amuleto m. aus dem gleichbed. lat. anlu- letum, auch amoletum und amolimentum n., als Nachbildung des gr. Gukoxtipiov von lat. amoliri«abwenden, entfernen, beseitigeny, also eig. Abwendungsmittel, Präservativ gegen das Böse. Vgl. Schrader Reallexikon 729, Walde s. v. Die deutsche Form Amalel wird erst im 18. Jh. üblich.
amüsieren, v.: unterhalten, belustigen. Aus franz. amaser unterhalten, aufhalten, hinhalten», eig. adie Zeit vertrödeln lasseny, gebildet aus a-, lat. ad und muser«gaffenꝰ, eig.«das Maul aufsperrenꝰ, zu ital. maso, franz. museau«Maul, Schnauze», das noch unaufge- klärt ist und von Sainéan im 1. Beiheft der Zeitschr. f. rom. Phil. 75 zu masse, einem Namen der Katze, gezogen wird. Das Wort erscheint schon im 17. Jh. in der Bed.«aufhalteny, die auch im 18. Jh. anfangs herrscht(noch bei Nieremberger 1753 erscheint sie ausschließ- lich); später wird die Bed.«unterhalten» die gewöhnliche(Lessing 6, 15, Wieland Amadis 136, auch 1775 bei Heynatz).
an: nahe zu oder bis zur Berührung mit—;(abstrakt) was betrifft. 1. Präp. mit Dat.(auf die Frage wo?) und mit Akk. (auf die Frage wohin?). 2. Raumadv. In der verbalen Zusammensetzung bezeichnet an auch den Anfang einer Tätigkeit, z. B. an- hohren, anbrennen, anreißen, oder eine nur geringe Tätigkeit, z. B. anfeuchten, ferner auch eine anhaltende Tätigkeit, z. B. anfiillen, anbauen, andauern oder eine erfolgreiche Tütigkeit, z. B. anblasen; vielfach ist es(na- mentlich in der Kanzleisprache) vor schon zu- sammengesetzte Verba verstärkend getreten, z. B. anbelangen, anempfehlen, angehören. In der nominalen Zusammensetzung kann an den Anfang oder einen geringern Grad be- zeichnen, z. B. Anbeginn, Anhöhe, viele Zu- sammensetzungen wie Anfall, Anklang haben sich von der verbalen aus entwickelt. Mhd. ane, ahd. ana; dazu asächs. an, ndl. aan,
ags. engl. on, anord.(mit Tilgung des n) G, schwed. d, dän. au. Verwandt ist gr. dvä auf, an», avest. ana«über-hin», lat. an in an- heläre c«aufatmen», abulg. ꝗ-, vä-«uuf, unv. Vgl. Walde s. v. Neben der jetzt herrschen- den Aussprache mit Kürze findet sich auch gedehntes än(Zesen im Reimverzeichnis zun Helikon reimt an auf Wörter mit langem d).
Anabaptist, m.(-en, Pl.-en): Wieder- täufer. Aus dem gleichbed. lat. gr. anabap- tista, gr. àvaßanricric m. zu âvaßonrilo«wie- derholt untertauchen». Daneben auch Anti- baptist(Schiller Wallensteins Lager 485), da die Wiedertäufer Gegner der Kindertaufe sind gr. ävri«gegen).
Anagramm, n.(es, Pl.-e): Buchstaben- versetzung als Wortspiel, z. B. Regen in Neger, Dame in Made usw. Aus dem gleich- bed. gr.-mlat. anagramma, gr. dvdrpauHa n., zusummenges. aus dvd, in Zusammensetzungen cauf, aufwürts, wieder, zurücks» und Ipäpuo n. «Buchstabes». Im 18. Jh. aufgenommen, bei Jablonski 1721 noch Anagramma.
analog, adj.: gleichförmig, wie ein an- deres sich verhaltend. Aus gr. âvdxoToc«der Vernunft(gr. Aöroc m.) entsprechend, über- einstimmend.) Im 18. Jh. erscheint dafür analogisch(Lessing 4, 117, noch bei Adelung 1798). Analogie, f.(Pl.-/): Ubereinstim- mung, Gleichförmigkeit. Aus gr.at. ana- logia, gr. àvaxofia f. vom Adj. àvdkhofoc. Bei Ludwig 1716.
analysieren, v.: auflösend zergliedern. Aus dem gleichbed. franz. analyser v., ge- bildet von analyse f.«Auflösung», das auf gr. Avdhucic f.(von dvakbetv cwieder lösen, auflösens) beruht. Bei Wächtler 1711.
Ananas f. Aus span. port. ananas, das aus deni Peruanischen stammt. Das Wort erscheint um 1600 in deutschen Schriften (z. B. bei Hulsius Schiffahrten 7, 155, neben Ananasos 7, 85, 1628 bei Münster Cosmogr. S. 1724 Anands).
Anapäst, m.(es, Pl.-e): der Versfuß Aus lat. anapaestus, gr. dvdnoicroc zurückgeschlagener d. i. umgekehrter Dak- tylus, dem als Subst. gesetzten Mask. des gr. Adj. àvdεανoc«urückgeschlagen» von dvo- ndietv urückschlageny.
Anarchie, f.(Pl.-n): Regierungslosigkeit. Nach franz. anarchie von gr.-mlat. andrchia, gr. dvapxiaf. Herrschaftslosigkeity von ävapxoc adj. cohne Oberhaupt»(àv-«un-, ohne?, dpxöc m.«Führer, Oberhaupt»). Bei Wächtler 1711.
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