Teil eines Werkes 
1. Band (1909) A bis K
Entstehung
Seite
21-22
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21 Acht

Adel 22

worauf richten; eine daraus hervorgehende Meinung wovon haben; in seiner Meinung höher oder tiefer stellen(ohne Adv.= hoch- achten erst bei Adelung 1774); Aufmerksam- keit und Fürsorge schenken. Mhd. ahten, ahd. ahtôn; dazu ndl. achten, ags. eahtian. 4 BL. achtbar, adj. und adv.: höhere Meinung ver- dienend, mhd. ahtbœre. achtlos, adj. und adv.: ohne Aufmerksamkeit, bei Stieler 1691. achtsam, adj. und adv.: Aufmerksam- keit und Fürsorge zeigend, mhd. nur in un- ahtsam. Achtung, f.: Wendung der Auf- merksamkeit und Fürsorge worauf; aner. kennende Meinung wofür, spätmhd. ahtunge, ahd. ahtunga f.

Acht, f. Ausschließungvom Rechtsschutz. Mit Kürzung des Vokals(doch Aacht noch Oelinger S. 34) aus mhd. ähfe, ahd. ühta f. Verfolgung»; dazu ags. öht. Als germ. Grund- form ist ranhto anzuschen, die kaum zu eng (s. d.), also eig.«Bedrängung», eher zu gr. àvdun, altir. écen wang», kymr. angen Notwendigkeit, Zwang', lat. necãre«tötenꝰ, nocẽre«schädigen» usw.(vgl. Walde s. v. neco) gehört. 4BL. ächten, v.: außer Recht und Heimat setzen; der Verfolgung preisgeben. Mhd. œhten, ahd. hten cverfolgeny; dazuasächs. ãhtian, ags. Ehtan«verfolgen». Achter, m. (es, Pi. wie Sg.): der in der Acht steht(Uh- land Ernst von Schwaben 2, 1). Mhd. œhtcre, aber auch in der Bed.«Verfolger», ahd. ähfäri Verfolger).

Achterdeck, n.(-s, Pl.-e): Hinterdeck des Schiffes. In der niederd. Seemannssprache; achter ist ndd. Form für after(s. d.).

achtsam, Achtung, s. ¹Acht.

ächzen, v.: ach schreien; tief aus der Brust gepreßte Schmerzenslaute ausstoßen. Mhd. achzen, echzen. Von ach.

Acker, m.(-s, Pl. Aker): Pflugland; einem Eigentümer angehöriges abgegrenztes Stück Pflugland; ein gewisses Landmaß. Mhd. acker, ahd. acchar, ackar m.; dazu asächs. accar, ndl. aker, ags. œcer, engl. acre, anord. akr, schwed. äker, dän. ager m. Acker». Es stimmt der Lautverschiebung gemäß mit den gleich- bed. lat. ager, gr. rpöc m. und skr. djras «Flur, Ebenes und wird gewöhnlich zu der Wurzel gestellt, die sich in lat. go, gr. a⁶, ai. djämt ctreibe, tue», anord. aka«fahren?, zeigt, unter Annahme einer Entwicklung, wie in Trift zu treiben. Doch ist dies durchaus unsicher. Vgl. Hirt Idg. Forsch. Anz. 13, 9f.

4BL. ackern, v.: mittelst des Pfluges Land

bauen, spätmhd. ackern(dafür früher ern, s. Ernte). ZUS. Ackerbau, m., frühnhd. (bei Luther). Ackermann, m., mhd. acker- man, ahd. accharman, ags. æcermon. Dazu das Dim. Ackermännchen n, in vielen Gegen- den Benennung der Bachstelze, weil sie sich im Frühling ihrer Nahrung wegen beim Pflügen (Ackern) regelmäßig einfindet. 1517 bei Tro- chus H 4 b ckermenchen.

Ackermennig, s. Odermennig.

Ackerwurz, f.: der Kalmus, dessen Wurzel als Gewürz und Heilmittel dient. Mhd. acker- wurz. Acker- geht hier auf den gr. lat. Namen dieser Pflanze zurück: acorus, gr. äxopoc f.

Adam, Eigenname, hebr. adam«Menscho. Redensart: der alte 4. d. i.: der alte sündige Mensch, die angeborne sündhafte Natur(häufig bei Luther). ZUS. Adamsapfel, m.: der vorstehende Teil der Luftröhre(bei Jablonski 1721). Früher dafür Adamsbiß; nach einem verbreiteten Volksglauben ist Adam beim Ge- nuß des verbotenen Apfels im Paradies ein Stück davon(meist wird an den Apfelbutzen gedacht) im Halse stecken geblieben.

addieren, v.: zusammenzühlen. Von lat. addere(aus ad zu» und dare«gebens ge- bildet) chinzutunv. Schon 1514 bei Böschen- steyn A 33.

adé, Interj.: lebe wohl! Substantiviert: Ade n.: das Lebewohl. Mhd. adé, verkürzt aus franz. adieu(eig. à dieu zu Gott! Gott befohlen»!). Diese franz. Form selbst wurde wieder seit 1600 üblich(volkstümlich in adjes entstellt), während ade der poetischen Sprache verblieb.

Adebar, Adebär(Claudius 3, 66), m. (7n, Pl.-en): in Niederdeutschland verbreitete (früher allgemeinere) Benennung des Storches. Aus mhd. odehar, odeher, ahd. odobero, dazu mnd. odevare, ndl. ooievaar m. Gewöhnlich als Glückbringer(od«Glück», s. Allod, bero Träger, Bringer», s. gebären) erklärt.

Adel, m.(-s, ohne Pl.): Geschlechts- und Standesvorzug; Gesamtheit der so Bevorzug- ten; Erhabenheit über das Gemeine als sitt- licher Vorzug. Aus mhd. adel n., seltener m., ahd. adal n.«Geschlecht, von dem man her- stammt, besonders ausgezeichnetes»; dazu asächs. adali n. Geschlecht, Gesamtheit der Edeln», ndl. adel m., ags. œdelu n. Pl.«natür- liche Anlage, vornehme Geburt», anord. adal n. cnatürliche Beschaffenheit, natürliche Anlage». Grundbed.«Geschlechty als Vorzug der im Stande höher Stehenden. Dazu noch(mit Ab-

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