7 Aberraute
abgeführt 8
Aberraute, f.: die Stabwurz, artemisia abrétanum. Mit Anlehnung an Raute aus dem gr. at. abrotanum n. gebildet. Urspr. niederd. Form(im 15. Jh. averräte). Dagegen mit Ver- schiebung des t zu z ahd. avaruza, woraus mundartl. Afrusch m.(1538 bei Rößlin 131° Abrausch). Vgl. auch Ebheritz.
aberweise, adj.: verkehrt weise(Goethe 38, 21). Wie aberklug u. a. Neubildung nach Aberglaube, Aberawitz(s. d.).
Aberwitz, m.: Verkehrtheit des Geistes. Mhd. aberwitze neben früherm aberwitze f.«Un- verstand, Wahnsinn».(Vgl. aber und Aber- glaube.) Das ursprüngliche fem. erhält sich im ältern Nhd., z. B. Lohenstein Hyac. 46. 4B2. aberwitzig, adj., frühnhd.(Dief.- Wülcker 26).
abeschern, s. abäschern.
abfahren, v.: 1) intr. eine Fahrt antreten, weggehen; sterben(Ludwig 1716, als burschi- kos bei Kindleben 1781 und Augustin 1795 an- geführt); abgleiten, mit seinem Anliegen ab- gewiesen werden(Goethe 41, 153) vgl. ab- fertigen. 2) trans. durch Fahren wegschaffen oder lostrennen. Mhd. abevarn ist«weggehen, sein Besitztum abtreten, abfallen⸗, ahd. aba- varan«verschwinden).
Abfall, m.(-es, Pl. Abfälle): das Nieder- und Wegfallen wovon, mhd. abeval; jähe Neigung, abschüssige Lage(1711 bei Rädlein); geringwertiges Abgefallenes wovon(1716 bei Ludwig); Sich-Lossagen und Trennung von einem Verbande(Esra 4, 19); Ubergang aus gutem in schlechten Zustand(bei Luther); Geringersein in Vergleich zum rechten Maß (1711 bei Rädlein); überraschende Verschie- denheit(Schiller Räuber 2, 3); Abstufung (Möser Verm. Schr. 1, 105); ungünstige Be- urteilung im Gegensatz zu Beifall(1663 bei Schottel 3)=; Mißerfolg. 4L. abfällig, adj. und adv.(jetzt nur in der Bed.«ungünstig beurteilends, die Adelung 1793 und Heynatz 1796 noch nicht kennen; bei Luther in der Bed. abtrünnig»).
abfeimen, v.: den Feim(Schaum) wovon abnehmen, klüren(Goethe 7, 125), wie rafff- nieren(s. d.). Das Part. Prät. abgefeimt, wie raffiniert: abgeschäumt; geklärt; gewandt in schlimmen Streichen. Schon 1463 den abge- vaimpten schall(Beheim Wiener 285, 10), da- neben auch abgefaumt(Fastnachtsp. 202, 19), abgefeunpt(Montanus 291, 15), wie noch Les- sing 7, 154 eine abgefäumte Buhlerin schreibt.
abfertigen, v.: zum Abgehen fertig ma-
chen(frühnhd. z. B. Rhetorica 52 b); auf eine Fahrt entsenden(Sattler 1607); schroff zurück- weisen(Opitz 1, 137), vgl. abfahren.
abfinden, v.: durch ein Abkommen be- friedigen. Eig. den Weg zur Seite jemandes finden, vgl. ein Ablommen treffen und mnd. afdrepen«sich vergleichen». Refl. sich a. cüber- einkommen, befriedigt seins. Als Rechtsaus- druck bei Sattler 1607. Davon Abfindung, f., zu Anfang des 17. Jh. in Wedels Hausbuch 226.
abfolgen, s. verabfolgen.
abführen, v.: 1) intr. zur Seite führen. 2) trans. wegführen, mhd. abevüeren, ahd. aba- vuoren;(Gelder) einer Kasse zuführen, eig. wohl als Zins usw. gegebene Tiere wegführen(im 17. Jh. z. B. Logau 3, 127); einem eine Nie- derlage beibringen, ihn ablaufen lassen(Les- sing 1, 416, als studentisch bei Kindleben 1781), vgl. abfertigen; abrichten, nur im Part. ab- gefiihrt«verschlagen?(1531 bei Franck Chron. 304 b), hier entstellt aus abgeviert(a. wie ein würfel), eig.«viereckigy. Refl. sich a.(in ver- ächtlichem Sinn)«weggehen?(1711 bei Räd- lein, Günther 530, Schiller Fiesko 1, 9).
Abgang, m.(-s, Pl. Abgänge): das Weg- gehen wovon; was abgeht, Abfall; Abnahme, Verminderung; Mangel, Gebrechen; Absatz (von Waren). Mhd. abegance m. 4BL. ab- gängig, adj.(nach den drei letzten Bedd. von 45gang).
abgeben, v.: weggeben, von sich geben; (etzwas a.) darstellen, sich zeigen als(im 17. Jh.). Refl. Sich a.«sich beschäftigen mit»(1755 von Gottsched Beob. 3 als ein seit weniger Zeit eingerissener Mißbrauch bezeichnet, von Ade- lung 1774 verteidigt).
abgebrannt, adj.: aller Mittel peraubt. Eig. durch Brand um seine Habe gekommen. Nach Moscherosch Phil. 2, 685 zur Zeit des 30 jährigen Krieges aufgekommen.
abgebrüht, adj.: sittlich abgestumpft (priapische abgebruete Ammen, Fischart Garg. 201). brühen geht hier auf das ndd. bräden, brüen«coirey zurück, vgl. DW 4, 1, 2342, doch wird jetzt an brühen sieden» gedacht, vgl. hartgesotten.
abgedroschen, adj.:(von Erzählungen usw.) oft vorgebracht und daher für niemand von Wert(bei Rädlein 1711). Ursprünglich Part. Prät. von ahdreschen«ganz ausdreschen, durch Dreschen der Kerne(des Inhalts) be- nehmeny. Wohl nach lat. verba krita.
abgefeimt, s. abfeimen.
abgeführt, s. abführen.


